[REZENSION]: Matthias Oden: Junktown

Basisdaten: OT: Junktown; Verlag: Heyne 06/2017; Seiten: 400; Ausstattung: Paperback, eBook

Inhalt:

Diese Zukunft ist ein Schlaraffenland: Konsum ist Pflicht, Rauschmittel werden vom Staat verabreicht, und Beamte achten darauf, dass ja keine Langeweile aufkommt. Die Wirklichkeit in »Junktown«, wie die Hauptstadt nur noch genannt wird, sieht anders aus. Eine eiserne Diktatur hält die Menschen im kollektiven Drogenwahn, dem sich niemand entziehen darf, und Biotech-Maschinen beherrschen den Alltag. Als Solomon Cain, Inspektor der Geheimen Maschinenpolizei, zum Tatort eines Mordes gerufen wird, ahnt er noch nicht, dass dieser Fall ihn in die Abgründe von Junktown und an die Grenzen seines Gewissens führen wird. Denn was bleibt vom Menschen, wenn der Tod nur der letzte große Kick ist?

Cover: Matthias Oden: JunktownRezension: 

Die im Roman eine Rolle spielende Stimmungsorgel ist von Philip K. Dick übernommen. Das ist der deutlichste Einfluss. Es gibt noch ein paar Werke, John Meaney sei hier kurz neben Aldous Huxley erwähnt, die ihre Spuren hinterlassen haben. Der Autor hat seine Dystopien und Detektivgeschichten gelesen, die modernen wie die klassischen, und im Anschluss offenkundig großes Vergnügen dabei gehabt, dieses Buch zu schreiben. Rausgekommen ist ein komplett eigener, ungewöhnlicher und origineller Bastard von Buch, den man absolut empfehlen kann.

Junktown bietet einen klaren what-the-fuck Zugang. Es dauert eine Weile, bis man sich daran gewöhnt hat, ein Buch zu lesen, in dem alle darin vorkommenden Figuren unter Drogen stehen – fuuuuck … und dieses groteske, perverse, nach Steampunk-Schmierfett stinkende Element der Gebärmutter …. fuuuuck. Geeeeil. Der Humor des Buches ist zum Brüllen – die KP, die Konsumistische (!) Partei, das ist böse, gelungene Verballhornung. Und Rauschparteitage … Oden schwelgt in Absurditäten, die eigentlich tragische Elemente dieses pechschwarzen Romans sind.

Junktown ist großartig. Die Idee, die gesamte Bevölkerung ununterbrochen auf Drogen zu setzen, gibt der Geschichte einen ganz eigenen Drall. Das Buch ist – im positiven Sinn – ein amerikanischer Roman. Soll heißen, es ist ein ungenierter Unterhaltungsroman, der genau das sein will. Botschaften und Hintersinn werden als Bonus beigepackt – man kann sie nehmen oder lassen. Gewitztheit und Humor in einem extrem dunklen, lebensfeindlichen Roman. Diese ungenierten, fugenlos ineinander verzahnten Kontraste sind genau das, was dem Buch die Energie verleiht. Junktown hat Tempo, skurrile Momente, ist düster, wie es sich für eine abgründig bösartige Dystopie gehört, und man hat so das dumpfe Gefühl, dass die Geschichte wohl kaum gut gelaunt ausgehen wird. Tut sie auch nicht.

Der Roman ist konsequent und sich selbst treu, bietet ein befriedigendes Ende. Er ist auch gemein, weil er die wenigen Augenblicke der Hoffnung erbarmungslos den (Drogen)Tod sterben lässt. Man muss für einen Roman wie diesen, der seine faschistoid-abartige Diktatur sehr wirkungsvoll schildert, mögen. Auch die bewusste sprachliche Anlehnung einzelner Begriffe an die Realgeschichte trägt einiges dazu bei, Kälte, Menschenfeindlichkeit, erbarmungslosen Faschismus und den Zwang eines Regimes spüren zu lassen. Der hoffnungslose Trübsinn, der Nihilismus des Buches, ist nicht unbedingt jedermanns Sache.

Wenn man mit der Eiseskälte des Romans klarkommt, nicht bei sehr detaillierten Schilderungen vom Setzen eines Heroinschusses zurückschreckt, bekommt man einen drogendurchweichten, im Selbstmitleid getränkten, orientierungslosen Ermittler, der über einen Mordfall stolpert, der ihn von Beginn an überfordert. Cain nervt aber weniger, als man glauben möchte. Man beginnt, ihn zu verstehen und zu mögen, teilt seine Eindrücke und durchlebt über ihn eine richtig beschissene Zukunft.

Junktown ist ein starkes Stück Roman, dass unbedingt einen Erfolg verdient hat. Das Buch hat mir um Welten besser gefallen als einige der andere von deutschen Autoren verfasste Science Fiction, bedeutend mehr gehypten Romane, vor Selbstgefälligkeit triefende, humorbefreite Zonen der verkrampften Originalität, die keine ist, die in den letzten Monaten erschienen sind. Oder so.

Kurz gesagt:

  • sehr schräg und eigenwillig
  • extrem düster und depressiv
  • originell und fesselnd

Fazit: starkes Stück düsterster Literatur.


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