[REZENSION]: Adam Cesare: Tribesmen – Insel der Kannibalen

Basisdaten: Originaltitel: Tribesmen, 2014; Voodoo Press 11/2016; Seiten: 148; Übersetzung: Jasmin Krieger; Ausstattung: eBook, Taschenbuch; Verlag: hier

Cover: Adam Cesare: TribesmenAdam Cesare: Tribesmen

Inhalt:

Vor dreißig Jahren nahm Tito Bronze, ein zynischer Widerling, eine kleine Besetzung samt Filmcrew mit auf eine verlassene Insel. Sein Ziel: die Einheimischen abschlachten, Gedärme zerfetzen und mit dem blutdurchtränkten 80er Jahre Kannibalen-Wahn kräftig abkassieren. Aber die verärgerten Einwohner der Insel hatten anderes im Sinn. Und schon bald wurden auch hinter den Kulissen Gedärme zerfetzt. Während die Kamera weiterlief …

Rezension:

Bruhahaha. Das Buch ist eine tadellose, sehr zielsichere Parodie/Nachahmung/Referenz an die absurden italienischen Kannibalenfilme aus der Ecke Ruggero Deodato, Joe D’Amato, Umberto Lenzi, Antonio Margheriti, Bruno Mattei und all der Spießgesellen, die in in den späten 1970er Jahren bishin zu den frühen 1980er Jahren ihr Unwesen getrieben haben und dabei etliche Sternstunden dieses Sub-Genres schufen. Cannibal Holocaust (Nackt und zerfleischt), Mangiati vivi! (Lebendig gefressen) und Apocalypse domani (Asphaltkannibalen) seien hier stellvertretend genannt.

Adam Cesare’s Roman trifft exakt das Flair und die Qualität dieser Filme. Schundstreifen, deren einzige Existenzberechtigung die teils breichreizerregenden Effekte waren, die von einer erbärmlichen Handlung zusammengehalten wurden. Das Buch schildert die fiktiven Dreharbeiten eines solchen Films, die gleich zu Beginn ins Chaos entgleiten, das rasch mörderisch und gefräßig wird.

Tribesmen ist sich dabei durchaus auf selbstironische Weise klar, was es ist und das nimmt für die Geschichte ein. Was und wie Cesare die Szenerie schildert, kann man sich in der einen oder anderen Form aus diversen Dokumentationen über die betreffenden Filmemacher abschauen. Dabei ist dem Autor eine durchaus glaubwürdige, wenn auch irre Geschichte gelungen. Mögen die Elemente auch phantastisch angehaucht sein, so sind die Protagonisten und ihr Handeln sehr realistisch geerdet. Ernsthaft. Man braucht sich nur das Bob Guccione (Gründer des Penthouse Magazins) Interview im Zusammenhang mit dem von ihm produzierten Films Caligula (1979, von Tinto Brass, mit Malcolm McDowell) anschauen.

Ebenfalls sehr treffend ist der beiläufige Rassismus und die Verachtung der Filmleute füreinander geschildert. Wiederum, der Realismus dieses Verhaltens – auch der Zeit geschuldet, in der die Story spielt, ist für den politisch korrekten Alltag der Gegenwart geradezu irritierend derb.

Der Roman ist kurz und durchgeknallt, macht viel Spaß. Er verzichtet im Gegensatz zu den Filmen, die er parodiert, auf die absoluten Splatter-Exzessen, was einerseits schade ist, andererseits nicht im Ansatz fehlt. Aber Gorehounds mögen beruhigt sein, ganz ohne Blut und Splatter ist das Buch nicht, es liefert einen fairen Anteil an Blut, Gehirn und Fresserei.

Aber für mehr Grausamkeiten ist die vom Autor aufgezogene Geschichte schlicht zu unterhaltsam. Natürlich ist der Spaßfaktor des Buches höher, wenn man die Filme kennt, aber es geht ganz locker auch ohne dass man davor zu Cannibal Holocaust gekotzt hat.

Das Voodoo-Cover ist übrigens gut. Es fängt Schauplatz und Stimmung des Romans tadellos ein.

Cover: Adam Cesare: Tribesmen - originales Deadite CoverWas ich persönlich allerdings bedauere ist, dass Voodoo Press auf die Verwendung des originalen Titelbildes  – links – verzichtet hat. Das ist nämlich eine ebenfalls nahezu perfekte Umsetzung des Plakatstils/der Stimmung der Filme. Es trägt sogar die höhnisch-komische Zeile The Italian Cannibal Horror Classic! am Cover. Und es erlaubt sich den Witz, das Buch als Adam Cesare’s Tribesmen zu bezeichnen. Gefällt mir.

Ich vermute mal, dass man mit dem Cover (das auch stilistisch nicht unbedingt zu Voodoo Press passt) im schreckhaften deutschen Raum vermutlich nicht sonderlich weit kommt. Es ist schon auch etwas speziell.

Tribesmen ist ein italienischer Kannibalenfilm der 1970er Jahre zum lesen. Wer das mag oder mal so mutig ist, es auszuprobieren, hat viel Spaß damit.

Kurz gesagt:

  • höhnisch böse
  • brutal und blutig
  • tadellose Satire

Fazit: hiermit empfohlen


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