[REZENSION]: Bryan Smith: Verrottet

Inhalt: Noah lebt in einer abgelegenen Berghütte an der Ostküste Amerikas. Seit Jahren hat er keinen anderen Menschen mehr gesehen, denn eine Zombie-Seuche hat fast alle dahingerafft. Die Einsamkeit ist so unerträglich, dass sich Noah in stummer Verzweiflung langsam um den Verstand säuft.
Doch als überraschend seine Schwester Aubrey mit ihrem Freund auftaucht, erwacht Hoffnung in Noah: Er hätte nie gedacht, dass sie noch lebt.
So entschließt er sich, nach Westen zu ziehen, um Lisa zu finden. Auf dem College war sie seine große Liebe. Ihr Foto trägt er immer noch bei sich. Wahrscheinlich ist sie längst tot, aber jetzt hat er endlich ein Ziel …

Originaltitel: Slowly We Rot; (c) 2015; Verlag: Festa H&T 15117; Seiten: 384; Übersetzung: Philipp Seedorf; Buch: Festa

In Sachen Sex und Splatter ist dieser Roman auf der milderen Seite von Bryan Smith gelandet. Was das Buch auszeichnet, ist zum einen der gelungene Entwurf, eine Zombie-Apokalypse etwas anders darzustellen, als man es gewohnt ist und wohl automatisch erwartet.

Zum anderen ist das Buch im zweiten und dritten Teil eine Art Rätsel, auf das der Autor auch im Nachwort eingeht. Fangen wir gleich hier an. Es ist nämlich fraglich, ob das, was unser Held Noah erlebt, auch immer in der Realität verhaftet ist.  Mehr darf man dazu wohl aber nicht sagen, sonst gehen wir in die Spoiler-Ecke.

Was ist nun anders als bei sonstigen Zombie-Werken? Nun, es braucht tatsächlich Geduld, Noah zu mögen. Er ist ein weinerlicher, egoistischer Säufer. Schwer auszuhalten, aber schrittweise wird es. Für mich hat es rund ein Drittel des Romans gebraucht, ehe ich mich mit Noah abgefunden und ihn akzeptiert habe. Ich hätte beinahe aufgegeben – aber das ist Bryan Smith! Man gibt nicht einfach Bryan Smith auf. Und es hat sich gelohnt, Noah auszuhalten.

Und dann ist da das Bedrohungsszenario. In dem sind die Zombies das eher geringere Problem, es ist, wie so gern und oft, der überlebende Mensch die größere Bedrohung. Das hat uns zwar schon George A. Romero gelehrt, aber Bryan Smith hat doch eine ganz eigene Art, diese Information seinen Lesern um die Ohren zu hauen. Nämlich ekelhaft und aggressiv machend.

Verrottet ist trotzdem im Grunde seines Herzens ein meditativ-stiller Zombie-Roman mit einigen derben Ausbrüchen von Gewalt und sehr viel merkwürdigen Befindlichkeiten. Bryan Smith verbirgt diesen Umstand nicht einmal – wenn wir den Originaltitel Slowly We Rot wörtlich nehmen, heißt die Geschichte Langsam verwesen wir – und genau darum geht es und es ist nicht nur auf die Toten beschränkt. Der deutsche Titel wäre echt geil gewesen. Langsam verwesen wir. Ha!

Frage: Kennt irgendwer noch einen der großen Romane des letzten Jahrhunderts? Die Entdeckung der Langsamkeit, von Stan Nadolny. Es ist die 1983 erschienene Geschichte des Seefahrers und Entdeckers John Franklin. Bewusst kaum authentisch wird Franklin bei Nadolny als langsamer Mensch geschildert, der mit der Hektik seiner Zeit – die Geschichte beginnt 1796, nicht schritthalten kann. Nadolnys Buch hat von der Geschichte her natürlich nichts mit Bryan Smith zu tun. Aber die Ähnlichkeit in der Stimmung, die herausragende Qualität und das faszinierende, fesselnde Anti-Tempo ist bei Verrottet dasselbe.

Anmerkung: Der John Franklin, den Nadolny schildert, ist derselbe John Franklin, den auch Dan Simmons in seinem meisterhaften Historien-(Horror)-Thriller Terror schildert. (Terror ist ein Expeditionsschiff, das im Packeis der Arktis landet. Der Roman wird derzeit zu einer TV-Serie verarbeitet) – und der Festa Verlag hat drei großartige Action-Reißer von diesem Dan Simmons im Programm, die hier mit uneingeschränkter Begeisterung empfohlen seien.

Die Langsamkeit macht Verrottet zu einem spannenden, großartigen Roman.

Das mag jetzt Splatter-Fans nicht sonderlich ansprechen, aber Smith ist zu gut, um ein langweiliges Buch zu schreiben. Die Geschichte ist spannend und was geschieht, hält sich zwar in gewisser Weise an die Regeln der Zombie-Geschichten, verbiegt sie aber kräftig genug, um was Eigenständiges zu kreeiern. Man muss Bryan Smith vertrauen, selbst wenn man am Anfang meint, das Buch abbrechen zu wollen. Der Kerl ist gut. Verflucht gut.

Verrottet ist ein exzellenter Roman, der Erwartungen bewusst nicht erfüllt, dafür aber eine eigenwillig poetische Geschichte über die Zeit nach der Zombie-Apokalypse erzählt.

Kurz gesagt:

  • sehr eigenwillig
  • gewöhnungsbedürftig
  • ungemein belohnend

Fazit: ein lohnendes Buch, das man sich erarbeiten muss.


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