[REZENSION]: Naomi Alderman: Die Gabe

Inhalt: Es sind scheinbar gewöhnliche Alltagsszenen: ein nigerianisches Mädchen am Pool. Die Tochter einer Londoner Gangsterfamilie. Eine US-amerikanische Politikerin. Doch sie alle verbindet ein Geheimnis: Von heute auf morgen haben Frauen weltweit die Gabe – sie können mit ihren Händen starke elektrische Stromstöße aussenden. Ein Ereignis, das die Machtverhältnisse und das Zusammenleben aller Menschen unaufhaltsam, unwiederbringlich und auf schmerzvolle Weise verändern wird.

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Cover Heyne Verlag: Naomi Alderman: Die GabeRezension: Kurz gesagt könnte man von einem dystopischen Roman mit apokalyptischen Anklängen sprechen. Noch einfacher, eine Science Fiction, die ganz ganz nahe an der Gegenwart angesiedelt ist. So richtig nahe. Holt man ein wenig mehr aus, ist es natürlich eine Art Sozialstudie und Gesellschaftsromen und ein Buch über Geschlechterbeziehung. Interessiert mich das alles nicht, habe ich immer noch genug Action und politische Intrige, um mich gut zu unterhalten. Also auch ein Politthriller. Kurz gesagt, mit Die Gabe hat die Naomi Alderman die eierlegende Wollmilchsau angestrebt und ist ihr ziemlich nahe gekommen.

Ich bin mir nicht sicher, ob die ständigen Vergleiche mit Margaret Atwood und Der Report der Magd nicht kontraproduktiv sind. Ob dadurch nicht Leute von der Lektüre von Die Gabe abgehalten werden, die sonst vielleicht zugegriffen hätten? Die Gabe ist nicht so intellektuell und schwer wie Atwoods Meisterwerk. Im Gegenteil, dieser Roman ist viel leichter zugänglich und verpackt seinen gesamten Ballast in prickelnden Bildern von Stromstößen und Gewaltakten.

Aldermans Buch ist ein hochinteressanter und doch auch ziemlich spannender Bastard aus Anspruch und Action, dessen Lektüre auf seine Art vergnüglich ist, obwohl die behandelten Themen durchaus eine ernsthafte Auseinandersetzung vertragen könnten. Naomi Alderman ist den sinnvollsten Weg gegangen, um Leute dazu zu bringen, sich mit den Inhalten ihres Romans zu beschäftigen – sie hat eine spannende Geschichte verfasst, die von der ersten Seite bis zum Ende bestens unterhält und so nahe an der Gegenwart angesiedelt ist, dass es sogar für Leute, die vor Science Fiction zurückschrecken (und trotzdem zumindest Fahrenheit 451, 1984, Schöne neue Welt gelesen haben), ein gut verdauliches Buch ist.

Inhaltlich würde ich Die Gabe als Thriller einer globalen Machtumkehr und ihrer Folgen bezeichnen. Eine gesellschaftliche Revolution, die alle Arten von Charakteren hervorlockt, jede davon auf eigene Art das persönliche Stück Macht anstrebend. Die Gabe lässt nicht viel Hoffnung, dass eine von Frauen beherrschte Welt besser aussieht als die Scheiße, die wir jetzt am Hals haben. Aber die von der Autorin nachvollziehbar geschilderte Entwicklung ist faszinierend, erscheint vorrangig fatalistisch, lässt aber vielleicht doch einen winzigen Funken Hoffnung auf Besserung zu. Aber das mag auch nur eine Chimäre sein.

Die Danksagung gilt natürlich Margaret Atwood, auch Ursula K. LeGuin und Karen Jay Fowler, drei Autorinnen, die für gesellschaftskritisch konstruktive und kluge (utopische/dystopische) Romane stehen. Witzigerweise dankt sie auch Peter Watts, seines Zeichens sehr eigenwilliger Autor, für die wissenschaftliche Beratung. Naomi Alderman reiht sich mit diesem Buch in die Tradition der drei genannte Grande Dames ein, auch wenn sie naturbedingt eine andere Vorgehensweise wählt. Die Gabe ist in gewisser Weise etwas trivial, aber das macht für viele Leser den Zugang zu den von ihr angerissenen Themen wahrscheinlich leichter und vor allem auch verständlicher. Insofern ist die vielleicht wirklich bewusst gesetzte Oberflächlichkeit des Buches cleverer, als es auf den ersten Blick erscheint.

Aber ich bin nur ein Mann. Was weiß ich schon? 😉

Kurz gesagt:

  • literarisch leicht
  • thematisch gewichtig
  • rundum spannend

Fazit: Sehr unterhaltsamer Roman mit Ansprüchen.

Originaltitel: The Power; 2016; Heyne 04/2018; Seiten: 480; Übersetzung: Sabine Thiele


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