[REZENSION]: Ania Ahlborn: Bruder

Inhalt: Das alte Farmhaus der Familie Morrow steht fernab von jeder Straße. Und das aus gutem Grund – denn wenn in der Umgebung eine Frau verschwindet, klopft niemand an ihre Tür und stellt neugierige Fragen. Und niemand schaut nach, was sie schon wieder im Hinterhof begraben haben.
Aber der 19-jährige Michael ist nicht wie der Rest seiner Familie. Er wünscht sich ein Leben weit fort von all dem Grauen.
Als Michael in der nahe gelegenen Stadt die hübsche Alice trifft, vergisst er für einen Moment fast das Ungeheuer, zu dem er selbst geworden ist. Doch sein Bruder Rebel erinnert Michael daran, wohin er gehört …

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Cover: Festa: Ania Ahlborn: BruderRezension: Bruder ist ein niederschmetterndes, großartiges Buch. Es ist eine extrem deprimierende Geschichte über Gewalt in der Familie – wie auch immer man diesen Begriff jetzt definieren will. Es ist ein Buch über psychische Gewalt, über Abhängigkeit, auch über Missbrauch. Bruder ist eine Psycho-Fuck-Show, die um nichts weniger gemeine Bluttaten parat hält.

Die Autorin präsentiert sich mit diesem Roman – dem ersten, den ich von ihr gelesen habe – als Meisterin des harten, gemeinen, kranke Psychothrillers. Es ist fast weniger der körperlich manifestierte Sadismus, der das Buch auszeichnet, sondern viel mehr die überaus realistische Befindlichkeit der Psychen, ihrer Beziehungen, ihre Unfähigkeit, voneinander zu lassen und der damit unausweichlich heranwachsenden Katastrophe.

Dass das Buch keinen fröhlichen Optimismus versprüht braucht, glaube ich, nicht erwähnt zu werden. Und wenn man irgendwann im letzten Teil meint zu wissen, was für ein Schrecken da heraufzieht – Ahlborn setzt noch eine Überraschung drauf, die wirklich unterwartet ist und einen Abgrund an Abartigkeit öffnet. Sie hat auch noch einige Schockeffekte im Ärmel, die sich zwischendurch ins Hirn krallen. Ich bin wirklich davon angetan, wie die Autoren die Figuren zeichnet und entwickelt, wie konsequent die Geschehnisse ablaufen – es kann nicht anders kommen, als es erzählt wird. Das betrifft auch das Ende, bei dem es der Leserschaft in jedem einzelnen Fall selbst überlassen bleibt, ob das nun ein Happy-End ist oder das Gegenteil. Gefällt mir.

Stilistisch ist Bruder ein sehr sauberes, sorgfältig verfasstes Buch. Ahlborn beherrscht den Ton, sie hat eine sehr flüssig lesbare, perfekt zur Geschichte passende Erzählstimme. Nicht überkanditelt Sprachkunst zur Schau stellend, auch nicht zu simpel in der Wortwahl – einfach perfekt auf den Inhalt des Buches abgestimmt. Die Vorstellung, dass solch sadistische, kranke Gehirne, wie wir sie hier kennenlernen, durchaus Realität sind, ist gelinde gesagt unangenehm.

Bruder ist starke Literatur, die sich in den Verstand bohrt. Der Psychoterror der Geschichte führt zur bitteren Erkenntnis, dass das, was man gemeinhin als Familie bezeichnet, oft einen Scheißdreck wert ist.

Kurz gesagt:

  • sadistisch
  • realistisch
  • tückisch

Fazit: Starke Literatur, uneingeschränkt empfehlenswert.

Das Buch ist bei Festa erschienen.


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Der Beitrag [REZENSION]: Ania Ahlborn: Bruder erschien am 15.07.2018 zuerst auf Kultplatz.net


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