[REZENSION]: Matthias Oden: Die Krone der Elemente

INHALT: Der Kaiser des ausgedehnten Salenreiches ist alt und wurde schon seit Wochen nicht mehr gesehen. Das Gerücht, er läge im Sterben, verbreitet sich unter den Landesfürsten, die nach mehr Einfluss am Hof streben. Gleichzeitig schürt eine junge Heerführerin den Grenzkonflikt im Westen zwischen Kaiserreich und benachbartem Herzogtum. Niemand ahnt, dass sie in Besitz eines sagenumwobenen Artefakts gelangt ist, mit dessen magischen Kräften sie Natur und Menschen gleichermaßen zu unterwerfen vermag: der Krone der Elemente. Schon bald setzt sie die Macht der Krone rücksichtslos ein, und ein gewaltiger Krieg entbrennt. Ein Krieg, der das Schicksal aller Menschen und das Antlitz der Welt für immer verändern wird …

Matthias Oden: Die Krone der Elemente [Rezension] … Kindle EditionPaperbackHörbuch … bei Amazon … Heyne Verlag 01/2019; Seiten: 736

Cover - Heyne Verlag: Matthias Oden: Die Krone der ElementeREZENSION: Ufffffffff!! Das ist ein schizophrenes Buch. Die erste Hälfte des Romans gehört zum langsamsten, was ich je gelesen habe. Unendlich viele, teils komplizierte Namen. Sogar die Pferde tragen Namen. Positionierung der Protagonisten. Kennenlernen der komplexen, detailreich erdachten Welt und ihrer Kulturen. Und so weiter, und so weiter … der Roman schwelgt in üppiger Schilderung von Kleinigkeiten, lässt nichts aus.

Matthias Oden fährt alles auf, um den Leser in fröhlichem Detailwahnsinn über die Welt ins Bild zu setzen. Ich habe wirklich sehr lang gebraucht, mich durch diese Exposition zu lesen – warum ich so langsam war, weiß ich im Endeffekt aber nicht. Es war nämlich unterhaltsam und hat gezeigt, wie viele Gedanken sich hier jemand um seine Welt gemacht hat. Damit war es eine positive Sache, nur eben lang und langsam. Und endlich, als ich schon viel mehr weiß, als sich so geballt verdauen lässt, was tut der Autor da?

Er gibt Zunder! Und ich denke nur mehr – Heilige Scheiße!! Alles, was er vorher in Stellung gebracht hat, wird jetzt mit gnadenloser Konsequenz, mit Rasanz und hochgradig spannend von der Leine gelassen. Und plötzlich hast du als Leser einen unglaublich fesselnden Roman an der Hand, bei du Seite für Seite hoffst, dass das Ding nicht zu Ende ist, bloß nicht, noch ein bisschen, …

Und jetzt macht der wirklich langsame Anfang auch absolut Sinn! Es gibt keinen notwendigen Ballast an Erklärungen und Schilderungen und nötigen Details. Haben wir alles, wissen wir, vielen Dank. Jetzt kann die Geschichte mit voller Wucht vorangetrieben werden und Matthias Oden verschwendet keine Zeit, hier ein Epos von  weltenerschütternden Proportionen auf seine Leserschaft loszulassen.

Und so folgt am Ende des Buches dann auch die gierige Frage – wie viele Bände werden das? Ja? Ja? Bitte? Geht vielleicht noch einer mehr in der Art? Komm schon Mann, denk an Das Rad der Zeit! Das muss doch machbar sein!

Matthias Oden, dessen Junktown [Rezension] eines der besten dystopischen Werke seit vielen, vielen Jahren ist – das für mich ein nahezu ekstatisches Leseerlebnis war – hat kein Interesse an einer simplen Geschichte. Das fängt bei der Erzählweise an, die mit jedem Kapitel eine andere Perspektive einnimmt. Das hat er, wie er selbst in der Nachbemerkung schreibt, von George R.R. Martin übernommen. Clever, da sich so Strukturprobleme umgehen lassen und im Gegenzug mehr Details einbringbar sind. Fantasy liebt Details. Nur her damit.

Wo wir als Leser aber jetzt denken, hier Protagonist, da Antagonist, stellen wir irgendwann mal fest, dass das nicht stimmt! Es gibt in dem Sinn weder das eine noch das andere. Jede Figur ist ein eigenständiger, komplexer Charakter mit seiner ganz persönlichen Motivation und aus dieser Heraus werden Handlungen und Taten verständlich und nachvollziehbar. Keine Figur ist Schablone und alle sind sie anders und eigen. Oden lässt uns ohne das Schema von Gut und Böse in das Chaos dieser Welt fallen.

Auch überaus gelungen sind die kleinen und großen Intrigen, die Wendungen in der Handlung, die überraschenden Taten und ihre Folgen. Diese Dinge kommen unerwartet und mit Wucht, treffen unvorbereitete und ahnungslose Figuren, denen die Superinstinkte fehlen und deren Schläue für uns nachvollziehbar ist. Und genau dieser Faktor des Verstehen macht den großen Reiz des Buches aus.

Mit Die Krone der Elemente ist dem Autor neuerlich gelungen, was mir schon an Junktown so rasend gut gefallen hat. Das Buch ist darauf konzentriert, ungeniert und ungebremst seine Geschichte zu erzählen. Das macht es mit flüssigem Stil, mit hohem Tempo und einem ausgeprägten Sinn für Spannung.

Um es mal ganz kurz und derbe zusammenzufassen: Saugeiles Buch! Will unbedingt weiterlesen!

Zusammenfassung:

  • Anspruch/Stil: ***** schöne, klare Sprache, sehr gut lesbarer, flüssiger Stil, atmosphärisch dicht
  • Gewalt/Gore: **** Fantasy-Action mit rauen, blutigen Szenen, detailreich geschilderter Krieg
  • Sex/Perversion: ** sehr wenig Sex, ansprechend und erotisch
  • Unterhaltungwert: ***** nach der zähen ersten Hälfte überdurchschnittlich spannend
  • Gesamteindruck: *****

Fazit: Fantastische Fantasy eines großen, deutschen Erzähler-Talents.


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Der Beitrag [REZENSION]: Matthias Oden: Die Krone der Elemente erschien am 22.02.2019 auf Kultplatz.net


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