[REZENSION]: Josiah Bancroft: Im Turm

INHALT: Der Turm von Babel ist das gewaltigste Bauwerk des Seidenen Zeitalters: er ragt so hoch in die Wolken hinein, dass niemand weiß, wo er endet; in seinem Inneren gibt es ganze Königreiche und unzählige Labyrinthe voller geheimnisvoller Kreaturen und tödlicher Gefahren. Eigentlich wollte der furchtsame Thomas Senlin nur einen kurzen Blick auf dieses Weltwunder werfen und dann weiterreisen. »Falls wir uns in der Menschenmenge verlieren, treffen wir uns auf der Spitze des Turmes wieder«, sagt seine frisch angetraute Frau Marya noch kokett zu ihm, kurz darauf ist sie tatsächlich spurlos verschwunden. Senlin bleibt keine Wahl: Er muss rein in den Turm und rauf auf die Spitze, wenn er seine Frau wiederfinden will. Das Abenteuer beginnt …

Josiah Bancroft: Im Turm [Rezension] … Kindle EditionPaperback … bei Amazon … Originaltitel: Senlin Ascends; 2013 / Heyne: 09/2018 / Seiten: 448 / Übersetzung: Sabine Thiele

Cover: Heyne: Josiah Bancroft: Im TurmREZENSION: Sich an Senlin zu gewöhnen, braucht eine Weile. Er ist kein Charakter, den man leicht mögen kann. ÜBerhaupt macht es das Personal des Romans nicht so einfach. Die Figuren, die man am ehesten schätzt, verschwinden schnell aus der Handlung – Marya zum Beispiel. Man mag sie von Beginn an, nur um sie schnell aus den Augen zu verlieren. Gut, ohne diesen Zwischenfall gäbe es die Geschichte nicht, aber das ist nicht der einzige Fall dieser Art.

Im Turm ist ein Alternativwelt-Roman, der Frühzeit, wir befinden uns schließlich im Turm von Babel, mit dem Zeitalter der Dampfmaschinen vermengt – wobei ich es tunlichst vermeiden möchte, den Begriff des Steampunk zu verwenden. Nicht jede Geschichte mit dampfenden und schnaufenden Maschinen und Mechaniken ist Steampunk und Im Turm gehört meiner Auffassung nach definitiv nicht in diese Kategorie.

The Books of Babel, so heißt diese Trilogie im Original, besteht aus 3 Bänden, von denen der dritte Band überhaupt erst im Jänner 2019 auf englisch erscheint. Im Turm ist der erste Band und “Eine der größten Weltenschöpfungen unseer Zeit”, wie uns das Buch auf der Rückseite verspricht, ist der Auftakt des Zyklus noch nicht. Man merkt zwar mit zunehmender Seitenzahl, dass der Autor genau daraufhin abzielt, aber er eröffnet die Trilogie mit einer fast intimen, kleinen Geschichte, die zufällig in einem großen Rahmen spielt.

Die Idee ist das Ziel

Das ist nicht negativ, im Gegenteil. So bekommt man die Chance, Senlin zu mögen lernen – auch einige der anderen Charaktere. Es ist etwas skurril, die Nebenfiguren sind leichter zugänglich und sympathischer. Warum das so ist, das bleibt mal abzuwarten, schließlich ist im ersten Buch noch nicht im Ansatz klar, wie die Geschichte weitergehen wird.

Idee und Vielfalt des Romans sind sehr gut und wechen auch das Verlangen danach, die ganze Geschichte zu erfahren. Insofern macht Bancroft alles richtig. Die Sprache ist der Geschichte angemessen, nicht zu einfach, nicht zu hochtrabend oder unnötig kompliziert. Die Entwicklung der Handlung birgt Spannung und da jede Etage anders ist und ihre Eigenheiten hat, ist ständig für Abwechslung gesorgt.

Was dem Buch fehlt, ist eine gewisse Leichtigkeit. Der Roman ist von einer, nennen wir es, verschrobenen Langsamkeit und Schwere. Wie Bancroft erzählt, bremst etwas das Lesetempo und damit läuft man Gefahr, längere Passagen als langatmig zu empfinden. Das trübt nicht die farbenfohe Geschichte an sich, es erschwert nur etwas ihre Zugänglichkeit. Das irritiert mehr, als es sein sollte.

Im Turm arbeitet darauf hin, epische Größe zu erlangen und die Chancen dafür stehen gar nicht schlecht. Es ist ein Ideen-Roman, der originelle Gedanken und Handlungen transportiert. Hat man sich an die Hauptfigur und ihre Schwächen gewöhnt, kann man sie auch mögen.

Kurz gesagt:

  • originelle Ideen
  • persönliche Geschichte
  • etwas langsam

Fazit: Fantasy deutlich über dem Durchschnitt, leichte Schwächen, die verzeihbar sind.


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Der Beitrag [REZENSION]: Josiah Bancroft: Im Turm erschien am 28.11.2018 auf Kultplatz.net


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