Inhalt: Pulp-Fans können sie nicht vergessen: die sex-, drogen- und gewaltgeile Superagentin Kay Blanchard vom MI6, die in THe Nazi Island Mystery sadistische Wissenschaftlerinnen, linksradikale Aliens und einen Klon des Führers beseitigte. Jetzt ist Kay wieder da – aber dummerweise hat sie alles vergesen. Als sie in Phnom Penh mit einer partiellen Amnesie erwacht, hat sie keine Ahnung, wie ihr Auftrag lautet. Doch die Golf-Zombies, Ledernonnen und Lustroboter warten schon … so wie der wieder zum Leben erweckte irre kambodschanische Diktator. Na, viel Spaß!

R. Evolver: Pol Pot Polka

Cover: R. Evolver: Pol Pot PolkaEdition Super Pulp, 2019 (ehem. Evolver Books) 06/2013; ISBN: 978-3-902910-18-9; Seiten: 172; Ausstattung: Taschenbuch, Vorworte; Buch bei Verlag: hier

Exquisiter Trash. Ein liebenswertes, kleines Bändchen mit einer vollkommen durchgeknallten Geschichte, die sich überhaupt nicht geniert, haarsträubend absurd zu sein, trotzdem in sich geschlossen bleibt und alles bietet, was man sich als begeisterter Leser von unglaubwürdig-absurden Geschichten nur wünschen kann.

Und dieser wunderschöne erste Satz ist mir ganz spontan und aus freiem Willen eingefallen. Dass die gute Kay Blanchard mit gezückter Schusswaffe neben mir steht, hat rein gar nichts damit zu tun. Sie will nur meinen Körper, das ist alles. Und sie ist auch bis zu den Haarwurzel mit irgendeinem Scheiß zugeknallt, der die Wahrnehmung verzerrt – aber in Sachen Sex kennt sie keine Kompromisse.

Das ist immerhin die Frau, die sich erfolgreich mit Lustrobotern anlegt – ganz wie Barbarella seinerzeit die Lustorgel. Und das ist auch jene Frau, die es mit dem gesamten weiblichen Cast eines Jess Franco Films locker aufnimmt, ganz besonders dem in Leder gekleideten Teil. Und diversen Sadistinnen von irgendwoher. Ach Ilsa, wir vermissen dich, sniff.

Aber gut, ich bin abgeschweift und Kay wird ungeduldig. Pol Pot Polka erzählt die wahre Geschichte von Kay Blanchards Kamboscha-Einsatz, der den als Nazi Island Mystery genannten Geschehnissen geschuldet ist. Die Schilderungen stehen den Abenteuern von Testosteron-Schwänzen wie einem James Bond an Dramatik, Absurdität nichts nach, toppen ihn unerreichbar in Sachen Coolness und im Sex-Faktor.

Sarah Silverman singt zwar ganz begeistert davon, wie sie mit Matt Damon ficken will – der ja im übrigen auch ein überaus schicker Action-Agent in den Bourne Filmen war, aber sie kennt leider Kay Blanchard nicht – ihr Verlust. Mist, schon wieder vom Thema abgeschweift.

Na gut, also, Kay legt sich mit allem an, was ihr in die Quere kommt – seien es Zombies, Ledernonnen, Sexroboter, Klone, Nazis, irgendwelche Leute, die kaum mehr als einen McGuffin darstellen, es ist egal. Mal nackt, mal in Fetzen, mal in Leder, mal clever, mal dämlich, aber selbst in ihren dümmesten Momenten überaus souverän erscheinend. Die Frau hat es einfach drauf.

Um es kurz zu machen: Lest das Zeug! Und lest auch unbedingt das vorherige Buch! Es ist wichtig! Es ist verdammt gut! Lesen! (Bitte, die Frau hat einen nervösen Zeigefinger und die Pistole an meiner Schläfe und ich hab Frau und Kind und …)

So, jetzt nochmal der Versuch, eine ernsthafte, seriöse Kritik zu diesem Buch verfassen: R. Evolvers Roman Pol Pot Polka ist, wie schon das Vorgängerwerk, die satirisch überhöhte, in ein Paralelluniversum ausgesiedelte, gelungene Bestandsaufnahme des augenblicklichen Zustandes unserer Gesellschaft und der sich stetig weiter öffnenden Schere zwischen Arm und Reich. Der Autor ist sich nicht zu schade, diese Sozialkritik, diese mahnenden Worte, in die Form eines sinnfreien Agentenromans mit viel Sex zu packen, um so ein breites Publikum zu erreichen, welches die notwendige Ausgangsbasis für eine dringend notwendige Revolution der unterdrückten Massen gegen die unterdrückende, kontrollierende und schamlos manipulierende Schicht darstellt.

In diesem Sinne ist Pol Pot Polka das perfekte Transportvehikel für das Ansinnen des Autors, da dieser, raffiniert wie er ist, seine Botschaft gar nicht im Text versteckt hat, sondern sein revolutionäres Werk als simple Abenteuergeschichte, die von vorne bis hinten haarsträubende Aktionen bietet, tarnt. Überdies gelingt es ihm in der Figur der Kay Blanchard ein Fanal des Feminismus zu errichten, da in dieser Geschichte die Agentin und niemand sonst ihre Handlungen, ihre Taten, ihre Untaten und all die Rammelei bestimmt. Das trifft auch auf jene Momente zu, in denen das nicht so ist. In R. Evolver steckt ein Revolutionär, dem es bestimmt sein wird, die Gesellschaft komplett umzukrempeln und eine neue Weltordnung zu errichten.

AUA! Verdammt nochmal, Kay…

Kurz gesagt:

  • skurrile Geschichte
  • schräge Figuren
  • vollkommen ungeniert

Fazit: ein fröhlich-absurdes, kurzweiliges Vergnügen

P.S.: Einzig mit den Musikvorschlägen des Autors zum jeweiligen Kapitel bin ich nicht einverstanden. So! Aua! Kay!


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