[REZENSION]: Michael Marcus Thurner: Plasmawelt

Michael Marcus Thurner: Plasmawelt

Inhalt: In der öden Wüstenlandschaft des Planeten Marek fristet Gramo Darn sein Dasein als Gefangener in der beweglichen Stadt Kamandar, deren gesellschaftliche Strukturen streng hierarchisch gegliedert sind. Getrieben von der Ungewissheit seiner Herkunft, versucht er das Geheimnis der wandernden Stadt zu ergründen. Doch in seinem Freiheitsdrang bringt er sich und den gesamten Planeten in allerhöchste Gefahr …

Michael Marcus Thurner: Plasmawelt

Heyne 01/2011; ISBN: 978-3-453-52758-4; Seiten: 446; Ausstattung: Taschenbuch

Plasmawelt spielt in jenem lauschigen Winkel des Universum, durch den uns schon Turils Reise geführt hat. War dieser Roman eine farbeprächtige Space Opera, so ist Plasmawelt ein wunderschön schillernder, Schmeißfliegenfarbener Größenwahn, wie ihn Alastair Reynolds nicht hätte besser entwerfen können.

In Absolution Gap wandern mächtige Kathedralen auf dem Planeten Hela. Auf der Welt Marek ist eine uralte, gewaltige Stadt unterwegs, zermalmt ohne Rücksicht und ohne jemals zu halten alles auf ihrem Weg. Sinn und Zweck dieser Wanderung sind nicht mehr bekannt. Die Orientierungslosigkeit, das Kastenwesen, die Sklaverei, das Elend und die Hoffnungslosigkeit formen die Stimmung des Buches.

Gramo Darn, unser Held, wird auch nur durch einen … nennen wir es technischen Defekt, in seine Rolle gepresst und versucht, sich den Weg in die Freiheit zu strampeln. Mitmenschen, die keine Erinnerung haben, mörderische Angehörige anderer Spezies und ein rigides, auf die Übermacht unerbittlicher Maschinen und Roboter gestütztes Regime lassen Gramo einen Spießrutenlauf durchleben.

Michael Marcus Thurner hat einen auf mehreren Ebenen beeindruckenden Roman geschaffen. Das Buch ist verdammt gut geschrieben und steckt voll düsterer Poesie. Es ist ein faszinierender Puzzleteil in einem Mosaik namens Kahlsack. Es wimmelt vor bizarren und skurrilen Lebensformen. Nichts ist so, wie es scheint. Der Sex in dem Buch ist … merkwürdig und hat etwas von jenem Fetischismus, der schon J.G. Ballards Crash zu einem unbehaglichen Vergnügen gemacht hat.

Turils Reise und Plasmawelt ergeben zusammen das düstere Panorama eines unerbittlichen, konsequent durchdachten Universums von schrecklicher Schönheit. Thurner hat es sich wahrlich nicht einfach gemacht, weder beim Entwurf des Gesamten, noch bei den Details oder der Erzählform. Er hat ein unendlich reiches Panoptikum geschaffen, das Buch für Buch enthüllt wird.

Alastair Reynolds und Michael Marcus Thurner schreiben eine Art von Science Fiction, für die ich große Zuneigung hege. Durchgeknallte, dunkelbunte (blödes Un-Wort, aber treffend) Space Operas, aus denen der Größenwahn trieft. Wunderbar.Technisch-menschliche Romane, die packen und in den Bann ziehen, und in denen die Schicksale der Protagonisten berühren.

Ich weiß, ich klinge wie ein … würg – Fanboy. Nun, ich bin kein Fan von irgend Etwas und meine Tage als Boy liegen auch schon ein paar Jahre zurück. Sagen wir statt dessen, ich bin ein von Michael Marcus Thurner begeisterter Leser.

Plasmawelt ist ein Roman von rostiger, majestätischer Größe.

In der erheiternden SF-Anthologie Wiener Roulette (Fabylon Verlag) ist Thurner ebenfalls vertreten. Einmal mit Sologeschichte, als Co-Autor von Leo Lukas und als Mitschuldiger an der von Ernst Vlcek erdachten Titelgeschichte. In allen Fällen ist das Ergebnis ein Vergnügen. In Thurner steckt ein Schelm mit diebischem Vergnügen an Unfug.

Die Kahlsack Romane sind ein großer Wurf und ich hoffe noch auf einige Bände aus dieser Ecke des Universums. Wie hat Andre Heller vor … pfff …. so schön einmal gesungen? Die wahren Abenteuer sind im Kopf – und Michael Marcus Thurner ist ein verdammt guter Reiseleiter. Ich freue mich auf das nächste Buch.

Kurz gesagt:

  • wunderbare Space Opera
  • sehr schön geschrieben
  • düster, spannend, monumental

Fazit: absolut lesenswerte Science Fiction


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