[REZENSION]: Michael Marcus Thurner: Turils Reise

Inhalt: In einer Zukunft, in der die Menschen auf zahllose außerirdische Völker gestoßen sind, hat Turil den unmöglichsten aller Berufe: Er ist ein interstellarer Bestattungsunternehmer. Er erteilt Sterbesakramente, spricht tröstende Worte oder richtet auch rauschende Feste aus – je nachdem, von welcher Spezies der Verstorbene abstammte. Turil verbringt sein Leben damit, von Planet zu Planet zu reisen. Doch die wundersamste Reise steht ihm erst noch bevor – denn ohne es zu wissen, trägt Turil das Schicksal der galaktischen Zivilisation in sich …

Michael Marcus Thurner: Turils Reise

Heyne 10/2009; ISBN: 978-3-453-52564-1; Seiten: 415; Ausstattung: Taschenbuch, eBook

Turils Reise ist ein überraschendes Buch. Es überrascht mit seiner Geschichte, die sich immer wieder in Richtungen bewegt, die so nicht absehbar waren. Es überrascht damit, eine Space Opera zu sein, die ohne technischen Detailwahn auskommt und trotzdem die Grandezza dieser Kategorie Science Fiction vorweisen kann. Und das Buch überrascht mit seiner wunderbar verflochtenen Kombination aus Tristesse und Buntheit, Action und innerer Bewegung voll ruhiger Momente.

Turils Reise ist ein Buch randvoll mit originellem Leben. Selten in den letzten Jahren, dass sich ein Autor derart ins Zeug gelegt hat, Lebewesen zu erschaffen, die sowohl originell wie auch gut durchdacht sind.

Jeder Planet hat seine ganz eigenwilligen Bewohner, so unterschiedlich wie nur möglich in Gestalt und Geist. Das Schiff, mit dem Turil reist, hat ein eigenes Bewußtsein und ist ebenfalls ein eigener, nur schwer durchschaubarer Charakter. Turils Geschichte selbst wäre einen eigenen Roman wert.

Thurner macht es sich nicht leicht. All seine Schöpfungen sind mit genügend Hintergrund und Umwelt bedacht worden, um glaubwürdige Existenzen zu sein. Innerhalb dieses Kosmos können sie nur in der geschilderten Form existieren. Die Konstruktion ist komplex genug, um dem Autor eine leichte Flucht in eine einfache Lösung zu verwehren.

Das Bindeglied, all diese Schöpfungen dem Leser zu präsentieren, ist der Zeremonienmeister pompöser Begräbnisse, Turil. Durch seine Tätigkeit wird der Leser in die faszinierenden Schöpfungen des Autors eingeführt. Turils Reise wird dabei immer mehr zu einer Jagd nach einem Geheimnis, das eine Bedrohung für alle Lebesformen darstellt. Details und unerwartete Wendungen kristallisieren sich dabei erst nach und nach heraus und so manch scheinbare Nebenfigur ist gar nicht, was sie zu sein scheint.

Thurners Buch ist ein wunderbares Leseerlebnis. Die Lebewesen zu entdecken, die Reise und ihre Irrwege zu verfolgen, all das bereitet unheimlich viel Freude bei der Lektüre. Der Roman liest sich flüssig, strebt zügig voran und ist mit zeitweise eigenwilliger, wiewohl passender Wortwahl geschmückt. Gelegentlich läßt sich an der Verwendung der Sprache die Wiener Herkunft des Autors erahnen.

Thurner strickt Turils Verwicklungen um einen dicken Handlungsstrang, in dem alle Nebenhandlungen hineingewickelt werden. Etwas, das dem Buch eine konzentrierte Form verleiht, obwohl es sich der Autor glücklicherweise nicht nehmen läßt, in wundersamen Details zu schwelgen.

Turils Reise ist im Kern eine Quest, das Grundmotiv zahlloser Romane. Was der Autor daraus gemacht hat, hebt dieses Buch aus den Massen ähnlich konzipierter Geschichten hervor. Er hat es bis zum Rand mit Begegnungen zum Staunen gefüllt. Er schafft es, seinen Leser neugierig Seite für Seite verschlingen zu lassen und sich an der bunten Vielfalt zu laben.

Zumindest ging es mir so. Für mich war dieses Buch eines der erfreulichsten Leseerlebnisse des letzten Jahres und die Entdeckung eines tollen Autors. Thurner ist den Lesern von Perry Rhodan wohl bekannt, er ist einer der zahlreichen Autoren, die derzeit an diesem nie enden wollenden Konstrukt schreiben, aber dieses Universum hat sich mir, trotz mehrfacher Versuche, nie erschlossen.

Turils Reise entläßt mich als glücklichen Leser, erfüllt von sabbernder Gier nach einer Fortsetzung.

Kurz gesagt:

  • originelles, buntes Universum
  • spannende, komplexe Geschichte
  • faszinierende Schöpfungen

Fazit: grandioses, absolut lesenswertes Buch


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