[REZENSION]: Brett McBean: Die Mutter

Inhalt: Sie steht seit vielen Monaten am Rande des dröhnenden Highways und fährt per Anhalter. Längst hat sie vergessen, wer sie ist, woher sie kam, denn sie lebt nur noch, um den Mörder ihrer Tochter Rebecca zu finden. Per Handy konnte Rebecca ihr noch einen einzigen Hinweis geben: Auf dem linken Arm trägt der Mann ein Tattoo, auf dem ›Stirb Mutter‹ steht. Jeder der anhält, könnte der Killer sein – oder jemand noch viel Schlimmeres …


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Cover Festa: Brett McBean: Die MutterBrett McBean: Die Mutter

[OT: The Mother; 2006]; Festa Verlag 2010; ISBN 978-3-86552-093-7; 367 Seiten; Übersetzung: Doris Hummel; Ausstattung: Lederoptik, Taschenbuch; Inhalt: Roman; Buch beim Verlag: hier

Hoffnungslosigkeit trieft aus jeder einzelnen Seite des Buches. Die Einsamkeit und Weite des australischen Hinterlands drücken auf das Gemüt. Die Perversion der Menschen schlägt auf den Magen. Die Mutter ist eines der düstersten und grausigsten Bücher, das mir seit langer Zeit untergekommen sind.

Im Gegensatz zum beinahe klassisch zu nennenden Splatter und zum todschicken (ha ha ha) Torture Porn im Stile von Saw liegt die Wucht dieses Buchs darin, das es sich stets im Rahmen des Realismus bewegt. Was hier geschieht, ist nachvollziehbar, bitter konsequent und scheint gar nicht so unwahrscheinlich. Gut, die Geschichte spielt in Australien und natürlich fehlt es bei uns an Weite und Einsamkeit, die einen beträchtlichen Bestandteil zur Wucht des Buches beitragen – dafür gibt es bei uns viele Keller.

McBean spielt sich ein wenig mit der Form des Romans, indem er das Buch in einzelne Episoden zerlegt. Jede Episode ist eine Anhalterstory. Er bricht diesen Rhythmus ungefähr in der Hälfte, versetzt dem Leser dabei eine Ohrfeige und kehrt zu dieser Form zurück.

Er untergräbt das eine oder andere Mal die Erwartungen und führt ein Kaldeioskop der gestörten Charaktere vor, wie es in dieser Form sehr selten geschieht. Letztendlich bleibt dem Leser keine Figur zur Identifikation. Was bleiben sind Ekel und Grausen vor den lieben Mitmenschen und die bange Frage, ob der nette Nachbar hinter der nächsten Tür nicht ein ähnlich krankes Schwein sein könnte wie einige der Gestalten, denen man als Leser im Buch begegnet ist. (Oh und diese Frage lässt sich ganz leicht mit »Ja« beantworten, der nette Nachbar kann natürlich ein Psychopath wie er im Buche steht, sein.)

Das Buch ist ziemlich explizit, was die Schilderung der Gewalt und ihrer Folgen angeht und steckt um nichts weniger zurück, wenn es um sexuelle Handlungen und Abartigkeiten geht. Geil ist da gar nichts, im Gegenteil. Ich würde mir ziemliche Sorgen um meine psychische Verfassung machen, wenn ich die Dinge erregend finde.

Ich würde McBeans Roman nicht als Vergnügen bezeichnen. Der Roman verweigert die Befriedigung schicker Splatter- und Hardcorethriller. Aber es ist ein verflucht starker und lesenswerter Thrill über die Abgründe der Psyche, über Selbstaufgabe, psychische Zerrüttung und die ganz normale Perversion von dir und mir und unseren Nachbarn.

Kurz gesagt:

  • grausig realistisch

  • sehr spannend

  • verdammt trist

Fazit: verdammt harte, verdammt gute Lektüre


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