[THEMEN-SPECIAL]: Das Alien-Universum (UPDATE 2)

UPDATE 07.12.2017: Es gibt jetzt ein wahrhaftig und tatsächlich einzigartiges und einmaliges Modell der Prometheus zu erwerben. Hier ein paar grundlegende Infos dazu. Wer also eine richtig fette Brieftasche und viel Platz hat, das wäre doch was für Weihnachten.


UPDATE 05.12.2017: In einem Interview mit Entertainment Weekly gibt sich Ridley Scott vollkommen zuversichtlich, doch noch einen weiteren Alien-Film drehen zu können. Der theoretisch Alien: Awakening genannt Film soll sich eindeutig mehr der AI zuwenden, sprich, der künstlichen Intelligenz – also David. Dafür soll er weniger Aliens enthalten.

Zitat: “We are [going to make another], we are,” … “I think what we have to do is gradually drift away from the alien stuff.”

Wobei sich damit natürlich die Frage stellt, ob Ridley Scott bewusst ist, dass er einen Film drehen wird, der schon im Titel das Wort Alien enthält? Grundsätzlich ist es nicht so unvernüftig, die Aliens aus dem Fokus zu nehmen und mit den variablen Handlungsebenen zu spielen. Irgendwann wird das Abschlachten langweilig und wenn es nur Idioten wie die Crew der Covenant trifft, ist es doppelt öde. Andererseits, das ist das Alien-Universum. Xenomorphe Gewaltorgien sind das Grundthema. Nun, ich freue mich einerseits darauf, dass die Trilogie zustandekommt. Andererseits war der letzte Film haarsträubend. Und logisch oder chronologisch passt inzwischen nicht mehr viel zusammen. Das wäre weniger störend, wäre der letzte Film besser gewesen.

Ich hätte wirklich lieber die Idee von Neil Blomkamp gesehen. Alien und Ripley in einem Film.


Originaler Artikel vom 26.11.2017:

Wie wohl hätte der erste der Alien-Filme ausgesehen, wenn man sich für den Schriftzug links entschieden hätte, einem Entwurf von H.R. Giger, dem wir die Gestalt der Kreaturen und die mehr oder weniger unterschwellige Sexualsymbolik verdanken, in die der Film getränkt war. Wohl ganz anders als das Meisterwerk, das wir alle kennen. Die gesamte Serie sähe wahrscheinlich anders aus.

Im Online-Magazin von Audible findet sich ein recht interessanter Beitrag und Überblick über die Alien-Filme. Dort findet der interessierte Leser auch eine ziemlich übersichtliche Zeittafel, die eine chronologische Abfolge von Filmen, Büchern und Hörspielen darstellt. Verflixt gute Sache.

Das Alien-Universum ist ein Thema, über das man sich nahezu endlos unterhalten kann und das immer wieder Details und Informationen bietet, die selbst ausgeprägten Liebhabern der xenomorphen Killerkreaturen nicht unbedingt geläufig sind. Dazu lässt sich vortrefflich über die Filme streiten, so zum Beispiel hege ich eine Zuneigung zu den viel gescholtenen Filmen Alien³ und Alien: Resurrection. Ich finde sie weit besser als ihren negativ besetzten Ruf.

Auch gehöre ich jener verschwindenden Minderheit an, die den zweiten Film der Serie, Aliens, von James Cameron, weit weniger berauschend finden, als es die meisten Alien-Fans tun? Warum? Aliens ist in meinen Augen zwar ein exzellent gemachter Action-Streifen ist, der besonders im Director’s Cut auch durch sehenswerte Ergänzungen der Handlung punktet. Allerdings ist er auch ein purer Military-Streifen, der eine fast schon erotische Zuneigung zu (feuernden) Waffen und maschineller Ausstattung hegt, zu Machismo und Schweiß.

Im Gegenzug zu diesem Überangebot an Testosteron fehlen wie zum Ausgleich die psycho-sexuellen Zwischentöne, die das Original so einzigartig machen. James Cameron ist ein technisches Genie (er hält zahlreiche Patente in filmtechnischen Entwicklungen, in Solarzellanlagen (!) und anderen Bereichen) und ein genialer Regisseur. Aber als Autor ist er bis zu einem gewissen Grad grob und von männlichem Ego getrieben. Aliens ist ein hervorragender Kriegsfilm und eine humorbefreite Zone, die sich selbst sehr ernst nimmt. Die Verschmelzung von Horror, Science Fiction und sexueller Symbolik findet bei ihm nicht statt.

Zugegeben, der Nachfolger, Alien³, ist nicht ohne Schwächen, die vor allem produktionsbedingt entstanden. Im Gegenzug zum Vorgänger spielt, um es so auszudrücken, der dritte Film wieder mit sexueller Symbolik, auch wenn er sie nahezu komplett aus dem Rennen nimmt – ein extremer Gegenzug zum ersten Streifen, der uns Ripley sehr weiblich präsentiert hat. Hier wird sie, bis auf einen brutalen Moment, ihrer Weiblichkeit beraubt, so wie die anderen Figuren ihre Männlichkeit verlieren. Dieser Film ist nahezu klinisch asexuell und das macht ihn im Zusammenspiel mit Alien höchst interessant.

Alien³ ist eine Geschichte des Wahns und der in religiöse Bereiche übersteigerten Ritualisierung des ordenartig organisierten Zusammenlebens der Sträflinge in der absoluten Abgeschiedenheit vom Rest der Menschheit. Ripleys Überleben wird durch ihre Entweiblichung gewährleistet, symbolisiert durch den kahlrasierten Kopf. Außer der versuchten Vergewaltigung ist das Geschlecht für die Geschichte bedeutungslos – noch drastischer ist der Unterschied zum ersten Film, der vor geschlechtlichen Symboliken geradezu trieft, kaum darzustellen.

Natürlich hat der Streifen Probleme. Einige davon werden in der Extended Version, die über nur teilweise fertige Effekte verfügt, angesprochen und annulliert. Was den Film überaus interessant macht, ist ein Umstand, der inzwischen kaum mehr Erwähnung findet. Ursprünglich sollte Vincent Ward Regie führen. Vorher schon war SF-Autor William Gibson mit einem Drehbuch ohne Ripley gescheitert, danach versuchte sich Autor Eric Red (Near Dark) am Stoff, gefolgt von einer Idee von Regisseur David Twohy (Pitch Black, Riddick). Der neuseeländische Regisseur Vincent Ward hatte kurz davor einen Achtungserfolg abgeliefert, den sehr mystisch aufgeladenen Zeitreise-Film The Navigator, in dem eine Gruppe Wanderer aus dem Mittelalter in der Gegenwart landet. Ausgeprägtes Kopfkino mit hervorragender Stimmung.

Vincent Ward kreierte einen Alien-Film, der in einem aus Holz errichteten Kloster (?) im All spielen sollte und in dem es mehr um Mystik, Religion und Rituale ging, als um Aliens. Davon sind Ansätze übrig geblieben – das fast ordensartig organisierte Zusammenleben der Gefangenen ist eines der Elemente, kombiniert mit der Gefängnis-Szenerie, die von Twohy stammte, der sie allerdings im All angesiedelt hatte.

Die üblichen “kreativen Differenzen” entfernten Ward und David Fincher übernahm ein wüstes Flickwerk von Geschichte. Doch auch der konnte, noch am Anfang seiner Karriere, nicht seine präferierte Fassung durchsetzen. So ging er nach Ende der Dreharbeiten zum Film auf Distanz und hat den Streifen seither konsequent ignoriert, war nicht einmal bereit, eine Director’s Cut zu erstellen, denn das ist die Extended Version nicht.

Aber sie zeigt, doch, wie fies und großartig der Streifen hätte werden können. Und sie betont sogar die inzwischen bekannte, stilistische Schrulle von David Fincher, von oben kommendes Licht zu vermeiden. Indirekte Beleuchtung, Leuchtkörper die kaum über Kopfhöhe angebracht sind und nur mühsam die Szene erhellen, oder gleich von unten aufwärts strahlen. Wer die aktuelle Serie Mindhunter angesehen hat, bei der Ficher produziert und auch bei vier Folgen Regie geführt hat, wird diese Eigenheit auch dort finden, so wie sie in all seinen Filmen zu sehen ist – besonders ausgeprägt in Sieben.

Alien³ ist die Antithese zu Alien. Religion versus Sexualität. Keine andere Filmserie hat solche Extreme gesetzt und dazwischen gerät Aliens zu einer beliebigen Schlachtplatte, die dem Militarismus huldigt, aber keinerlei Hintergründigkeit vorweisen kann.

Der vierte Film der Serie, Alien Resurrection, ist wahrlich etwas schwerer zu erklären und verteidigen. Er passt überhaupt nicht ins Schema, ist mehr eine vollkommen schräge Horror-Satire (das schräg inkludiert die oft ausgefallenen Kameraeinstellungen) mit saukomischen Elementen und drastischen Gewalteinlagen. Genau das macht ihn aber überaus unterhaltsam. Ron Perlman und Dominique Pinon als Duo am Rande von Laurel & Hardy. Sigourney Weaver spielt Ripley als merkwürdigen, geradezu zwielichtigen, von Alien-Genen durchsetzten Klon ihrer Selbst, die damals noch überaus entzückende Winona Ryder als Maschine, ins Leben gebracht von Maschinen.

Will man diesem Film ein Thema zuteilen, dann ist es eine Auseinandersetzung mit Menschlichkeit und Moral. Was ist Menschlichkeit, kann Alien-Ripley in ihrer Fremdartigkeit tatsächlich menschlicher sein als jene Menschen, die sie beim klonen von Aliens als Wegwerfprodukt am Leben gelassen haben, als Spielzeug? Ist die Androidin Call mitfühlender als ein Mensch, kann sie es sein?

Alien Resurrection spielt mit interessanten Themen, setzt diese streckenweise geradezu grotesk um und liefert in all seiner ausgefallenen Genialität auch ein paar idiotische Momente. Jean-Pierre Jeunot, der Regisseur, war immer schon für seine absurde Weltsicht und entsprechend schräge Filme bekannt – die entzückende Amelie, die grotesken Delikatessen, die wunderschön melancholische Stadt der verlorenen Kinder – wunderbare, aber überaus seltsame Filme. Jeder ein kleines Meisterwerk – aber wie passt eine solche Weltsicht ins Universum der Aliens? Schwer, sehr schwer. Erfolg oder Mißerfolg, der Film ist existent und wieder ist das ein Alleinstellungsmerkmal der Serie – im Canon der Geschichte solch abwegigen Ausritte zuzulassen.

Aber irgendwie passt es zu einer Film-Serie, die mit einem schrillen Misston ihren Anfang nahm. Story und originales Drehbuch von Alien stammten von Dan O’Bannon und Ronald Shusett. Allerdings schien es, als wären die beiden Autoren von der Lektüre eines Buches inspiriert gewesen, da der profilierte Science Fiction Autor A.E. van Vogt Klage einreichte. Vogt sah sein Buch The Voyage of the Space Beagle adaptiert. Der Roman war ein Fix-up, ein Roman, der aus mehreren, aneinander angepassten Erzählungen bestand. Die darin eingearbeitete Kurzgeschichte Discord in Scarlet hatte sich dem Anschein nach sehr ins Unterbewusstsein der Drehbuchautoren gebrannt. Allerdings war sie schon 1939 (!) entstanden, erstmals veröffentlicht im Dezember 1939 in Astounding, einem der führende Pulp-Magazine seiner Zeit.

Van Vogt bekam Recht und Entschädigungszahlungen. Ähnlich war es übrigens auch Regisseur und Drehbuchautor James Cameron in Sachen Inspiration ergangen – er wurde von einem der einflussreichsten Autoren der phantastastischen Literatur, Harlan Ellison, wegen der Geschichte von The Terminator geklagt und einigte sich mit dem Autor außergerichtlich.

Das ist jedoch nicht der einzige Bezug zur Literatur. Sowohl Alien wie Aliens spielen auf den Meisterliteraten Joseph Conrad an, dessen 1899 veröffentlichter Roman Herz der Finsternis ein bedeutender Klassiker ist. Dieses Werk inspirierte Werner Herzog zu Aguirre, der Zorn Gottes, 1972, mit Klaus Kinski und wurde relativ lose, zugleich inhaltlich treu 1979 von Francis Ford Coppola zu Apocalypse Now verfilmt. Das berühmte Zitat “Das Grauen, das Grauen” stammt aus jenem Buch. Die beiden Alien-Filme nehmen auf ein anderes Werk von Conrad Bezug. Die Namen der Raumschiffe Nostromo (1. Film) und Sulaco (2. Film) stammen aus dem Roman Nostromo.

Ursprünglich sollte Walter Hill Regie führen sollte, war letztlich aber zusammen mit David Giler unter dem Label Brandywine als Produzent beteiligt – ist es bis heute, obwohl er mit den Filmen nichts zu tun hat. Hill ist ein versierter Action-Regisseur, der einige Klassiker des Genres geschaffen hat (Nur 48 Stunden, The Warriors, Red Heat, Johnny Handsome, Trespass, zuletzt den schwer geprügelten und verhassten The Assignment (aka Tomboy) – übrigens mit Sigourney Weaver in der 2. Hauptrolle, usw …), und das Gedankenspiel, wie Alien wohl ausgesehen hätte, ist vergnüglich.

Sieht man sich die Prequels an, mit denen Ridley Scott das Alien-Universum wieder an sich gerissen hat, fallen eine Sache sofort auf: Die Abkehr von den Aliens, die Hinwendung zu den künstlichen Kreaturen, namentlich David und Walter. Scott selbst hat mehrfach betont, dass er die Zeit der Kreaturen selbst als zu Ende gehend ansieht. Die Entwicklung ist nur naheliegend, schließlich ist das künstliche Leben das große Thema von Ridley Scott – Ash in Alien, die Replikanten in Blade Runner – über Jahrzehnte hinweg kommt er immer wieder darauf zurück. Was noch auffällt, ist der Verlust jener Art Erotik, die er in Alien inszenierte. Etwas anrüchig, etwas dirty und kinky. Die Erotik in Prometheus, so man sie wahrnehmen kann, ist klinisch. Die Schönheit von Charlize Theron als Meredith Vickers wird eiskalt und distanziert in Szene gesetzt, wobei sie wie Sigourney Weaver eindeutig weiblich in Szene gesetzt ist. Elizabeth Shaw, die eigentliche weibliche Hauptfigur, die von Noomi Rapace gespielt wird, fungiert im Vergleich eher als die asexuelle Variante von Ellen Ripley.

Prometheus ist ein sehr schöner Film, etwas unterschätzt, weil nach mehrmaligem anschauen doch klarer wird, was der Film will – er legt den Grundstein für den Abgang von den Aliens und zur Hinwendung zum Androiden-Thema. Scott hat in 3D gedreht, bis auf eine oder zwei Szenen leicht verzichtbar, wenngleich sehr schön. Prometheus ist letzten Ende ein guter SF-Film, aber doch schon weniger ein Alien-Film, als vielmehr eine Schöpfungsgeschichte – Menschen auf der Suche nach ihrer Schöpfung und der Androide in Bezug auf seine Schöpfer.

Das Thema Androide zieht sich quer durch die Filmserie: Ash in Teil 1, Bishop in Teil 2, Pseudo-Bishop in Teil 3, Call in Teil 4, David in Prometheus, Walter und David in Covenant. Insofern ist die Alien-Serie nicht nur eine SF-Horror-Serie über mörderische Xenomorphe, sondern auch über Androiden. Eine Doppelgleisigkeit, deren Schwerpunkt sich von den Killerwesen zu den künstlichen Schöpfungen verschoben hat.

Und dann ist da noch der bislang letzte Film der Serie, Alien: Covenant. Dieser Film ist nur erotisch, wenn man auf Idioten im Weltraum abfährt. Noch selten haben die Raumfahrer außerhalb von Parodien so dämlich agiert wie die Crew in diesem Film, die sich ihr Schicksal in kompletter Dummheit voll verdient hat. Von Erotik keine Spur mehr, der sexuelle Symbolismus ist hinter das Frankenstein-Thema der künstlichen Menschen (die Androiden Walter und David) zurückgetreten. Katherine Waterston als Daniels ist burschikos und tough und mutig und sympathisch, aber in keiner Minute erotisch. In diesem Film gibt die Musik von Richard Wagner den Ton an und unterstreicht in der präzisen, unterkühlten Musik die eiskalten, aufgeräumten Bilder, die Scott dazu findet, wenn er nicht gerade extem überlange und langweilige, die Grenze der Absurdität überschreitende Szenen wie das Flötenspiel von Walter und David (beide von Michael Fassbender gespielt) in Szene setzt. Das fehlende Timing und die Überlänge des Moments ruinieren den Symbolismus, von der tricktechnischen Schlampigkeit, die dabei zu erkennen ist, gar nicht zu reden.

Interessant in diesem Zusammenhang ist übrigens der Roman zum Film, geschrieben von Alan Dean Foster: Der Covenant-Roman ist ein Meisterwerk an Dummheit, schlimmer noch als der Film. Offenbar hatte der erfahrene, versierte und zuverlässige Foster als Vorlage eine recht frühe Fassung des Drehbuchs. Was sich da abspielt, ist einfach nur furchtbar – so sehr, dass es schon wieder ein lesenswertes Buch ergibt.

Erstaunlicherweise hat der Autor aber ein Prequel zum Roman verfasst: Alien: Covenant – Origins. Der Roman ist nun ebenfalls erschienen und kurz vor Filmbeginn angesiedelt ist: Thema ist die versuchte Sabotage des Starts der Covenant und die Entführung der Tochter von Hideo Yutani. Foster ist grundsätzlich ein sehr guter Autor, ohne Vorgabe eines dämlichen Drehbuchs wird ihm wohl ein guter Roman gelungen sein.

Interessant ist auch, dass Scott offenbar tatsächlich Alien: Awakening drehen wird, oder zumindest so tut, als wäre das ein Thema. Nach dem Flop von Alien: Covenant ist ein weiterer Film jedoch alles andere als gesichert. Darüber hinaus hatte (oder hat, auch hier fehlen weitere Informationen) Disney Interesse daran, die 20th Century Fox, das produzierende Studio, zu kaufen. Das ist irgendwie gruseliger als die Filme. Man sehe sich nur an, was aus Star Wars wird. Das mögliche Spielfeld der A Star Wars Story-Filme (Rogue One) wird einer Schema-F-Norm unterworfen und auf puren Kommerz getrimmt. Da stellt sich die Frage, ob ein Alien-Film bei Disney überhaupt etwas ist, das man jemals sehen möchte. Und sollte es wider Erwarten tatsächlich noch einen Alien-Film geben wird, dann wohl nur unter budgetären Einschränkungen – was einen Auftritt von Sigourney Weaver als junge (es lebe die Computertechnik) Ellen Ripley eher unwahrscheinlich macht.

Und dann ist da Neil Blomkamp mit seinem Alien-Sequel, dass unmittelbar nach Aliens angesiedelt werden sollte, um Teil 3 und 4 komplett zu ignorieren. Blomkamp erregte 2016 Aufmerksamkeit, als er Entwürfe und Ideen via Twitter vorlegte und die Unterstützung von Sigourney Weaver auf seiner Seite wusste, die zuvor mit ihm Chappie gedreht hatte. Der Regisseur von District 9 schaffte es bis zur Zusage des Studios, den Film zu machen, ehe ihm Ridley Scott in die Quere kam. Nun, Blomkamp musste aufgeben und hat sich statt dessen seinen Oats Studios zugewandt und atemberaubende Kurzfilme geschaffen, die zeigen, welch unglaubliches Talent in dem Mann schlummert, wenn man ihn nur machen lässt. Insofern ist das ein herber Verlust für die Alien-Serie.

Eine kurze Abschweifung: Es gibt einige Theorien darüber, dass die Alien-Filme und die beiden Blade-Runner im selben Universum spielen. So verwenden beide jeweils ersten Filme der Serien, die beide von Ridley Scott inszeniert wurden, dieselbe Computer-Technik. Ein viel zitiertes Element ist der Bildschirm, auf dem in beiden Filmen das Wort “Purge” aufscheint und exakt gleich aussieht.

Dazu kommt, dass in Blade Runner 2049 aus der Lebensgeschichte von Weyland (Weyland-Yutani, die Company, deren Gier die Katastrophe erst in Gang setzt) zitiert wird, der Tyrell (Typrell Corporation in Blade Runner und seine Replikanten als Stümperwerk ansieht, allerdings den Zugang zum Thema, den Niander Wallace (Blade Runner 2049, da hat die Wallace Corporation die untergegangene Tyrell Corporation übernommen) vertritt, als wegweisend sieht.

Hinzu kommt der kurze Moment, in dem innerhalb der Wallace Corporation in einer Reihe ausgestellter menschlicher Gestalten ein Pilot aus den Alien-Filmen zu sehen ist, exakt so, wie sie Prometheus vorgestellt hat. Allzu ernst sollte man diese Verbinungen wohl kaum nehmen, da hier viel zu viel Ridley Scott mit im Spiel ist, der auf sich selbst verweist.

Zweite und letzte Abschweifung: Hingegen ist der schundige SF-Actionfilm Soldier (aka Star Force Soldier) von 1998, mit Kurt Russell aus ausgedientem Soldaten auf einem Müllplaneten, tatsächlich ein Film, der im Universum von Blade Runner spielt. Der Film wurde von David Webb Peoples geschrieben, der auch einer der Autoren des ersten Blade Runner ist und diesen Umstand kundtat. Auch kann man im Müll das Wrack eines Spinners erkennen, eines der fliegende Polizeiautos aus Blade Runner. Das lustige Detail hier ist der Regisseur, Paul W.S. Anderson, hauptsächlich bekannt für die Resident Evil Filme. Der inszenierte den ersten der wenig ansprechenden Alien vs. Predator-Filme, brachte dort allerdings Lance Henriksen als Charles Bishop Weyland ins Spiel, der einzig clevere Schachzug des Films.

Aber zurück zu den Romanen. Einzig aus dem Canon geflogen ist alles, was mit Predator in Verbindung steht. Bei einigen Romanen ist nur schwer glaubhaft der Canon aufrecht zu erhalten, aber eine offizielle Stellungnahme dazu gab es bisher nie, was gar nicht so selbstverständlich ist – hallo, Star Wars! Auch Comics und Games sind rund um die Filme entstanden und werden zum Alien-Universum gezählt, das zumindest in Sachen Merchandise eine recht lockere Einstellung zum Canon pflegt.

Nicht vergessen werden sollte allerdings auf die Musik der Filme, die maßgeblich zu ihrer Stimmung beiträgt. In der Reihenfolge, in der die Filme entstanden, waren es die Komponisten Jerry Goldsmith, James Horner, Elliot Goldenthal, David Frizzell, Mark Streitenfeld und Jed Kurzel. Besonders herausragend waren die ersten drei Komponisten: Goldsmith hat eindringliche, stimmungsvolle und unheimliche Musik komponiert. Horner als Percussion- und Drum-Fanatiker hat einen hochgradigen, sehr unterhaltsamen Action-Score komponiert. Elliot Goldenthal, der Meister der ungewöhnlichen Instrumentierung, lieferte atonale Choräle und schrille, orchestrale Klänge. Für den vierten Film hat David Frizzell einige originelle Stücke komponiert, aber keinen so durchgehenden, in sich geschlossenen Score wie seine Vorgänger. Streitenfeld und Kurzel haben sehr modern komponiert – ihre Musik hat sich vollkommen den Filmen untergeordnet und ist ohne die Filme nur sehr bedingt interessant.


HÖRBÜCHER:

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Christopher Golden: Alien: Fluss des Todes (dt. Romantitel: Der verlorene Planet) … Hörbuch bei Audible … (30 Tage kostenlos testen)

Besonderes Goodie der Hörbücher ist der Umstand, dass die Sound-Effekte vom Filmstudio 20th Century Fox stammen, dem Alien-Studio.


FILMROMANE:

— Alan Dean Foster: Alien

— Alan Dean Foster: Aliens

— Alan Dean Foster: Alien³

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— A. C. Crispin: Alien – Die Wiedergeburt

Alan Dean Foster: Alien: Covenant … als Paperback und eBook bei Amazon …


ROMANE: (in der Reihenfolge ihrer Veröffentlichung, nicht in chronologischer Ordnung. Ein Großteil der Romane erschien ab Alien³, benutzte aber als Schriftbild und Ausgangspunkt den Vorgänger Aliens. Deutsche Ausgaben dieser Bücher gab es nur sehr wenige.)

— Steve Perry: Aliens: Earth Hive (1992) (dt: Zum Überleben verdammt)

— Steve Perry: Aliens: Nightmare Asylum (1993) (dt: Vermächtnis des Grauens)

— Steve Stephani D. Perry: Aliens: Female War (1993) (dt: Krieg der Frauen)

—– The Complete Aliens Omnibus 1: Earth Hive / Nightmare Asylum / The Female War … Paperback und eBook bei Amazon …

— David Bischoff: Aliens: Genocide (1993)

— Robert Sheckley: Aliens: Harvest (1995) (dt: Blutige Ernte)

—– The Complete Aliens Omnibus 2: Genocide / Alien Harvest … Paperback und eBook bei Amazon …

— Sandy Schofield: Aliens: Rogue (1995)

— S.D. Perry: Aliens: Labyrinth (1996)

—– The Complete Aliens Omnibus 3: Rogue / The Labyrinth … Paperback und eBook bei Amazon …

— Yvonne Navarro: Aliens: Music of the Spears (1996)

— S.D. Perry: Aliens: Berserker (1998)

—– The Complete Aliens Omnibus 4: Music of the Spears / Berserker … Paperback und eBook bei Amazon …

— Michael Jan Friedman: Aliens: Original Sin (2005)

— Diane Carey: Aliens: DNA War (2006)

—– The Complete Aliens Omnibus 5: Original Sin / DNA War … Paperback und eBook bei Amazon …

— Diane Carey: Aliens: Cauldron (2007)

— John Shirley: Aliens: Steel Egg (2007)

—– The Complete Aliens Omnibus 6: Cauldron / Steel Egg … Paperback und eBook bei Amazon (ab 06/2018) …

— S. D. Perry: Aliens: Criminal Enterprise (2008)

— B. K. Evenson: Aliens: No Exit (2008)

— Christopher Golden: Alien: River of Pain (2014) (dt: Der verlorene Planet) … Taschenbuch und eBook bei Amazon …

— James A. Moore: Alien: Sea of Sorrows (2014) (dt: Jenseits der Sterne) … Taschenbuch und eBook bei Amazon …

— Tim Lebbon: Alien: Out of the Shadows (2014) (dt: In den Schatten) … Taschenbuch und eBook bei Amazon …

— Jonathan Maberry (Hrsg.): Aliens: Bug Hunt (Anthologie; 2017); von Brian Keene, Yvonne Navarro, Ray Garton, Scott Sigler, Heather Graham … als Paperback und eBook bei Amazon …

— Alan Dean Foster: Alien: Covenant – Origins (2017) … Paperback und eBook bei Amazon …


FILME CHRONOLOGISCH:

Prometheus: BluRay und 3D-BluRay bei Amazon …

Alien: Awakening: (wenn er je gedreht wird, ist er der Mittelteil dieser Prequel-Trilogie)

Alien: Covenant: BluRay bei Amazon …

Alien: BluRay und todschickes Steelbook bei Amazon …

Aliens: BluRay bei Amazon …

Alien³: BluRay bei Amazon …

Alien: Resurrection: BluRay bei Amazon …

 


EINE CHRONOLOGIE DES ALIEN-UNIVERSUMS:

Vorbemerkung: Es ist zum Teil nur schwer genau festzustellen, wann einzelne Romane spielen. Einige davon waren Comic-Adaptionen, die umgeschrieben oder auch aktualisiert wurden, um sie einem startenden Film (in den meisten Fällen war das Aliens) anzupassen. Zuordenbare Bücher sind in der Chronologie eingefügt, für alle anderen gilt das Erscheinungsjahr als grobe Richtlinie.

Ausgelassen bleibt die aktuelle Alien Rage War-Trilogie von Tim Lebbon. Sie ist ein Crossover mit Predator und damit nicht Canon. Ebenso ausgeklammert sind Comics, die zum großen Teil in den Romanen adaptiert wurden und die meisten Games, die zeitlich teils unmöglich zuzuordnen sind.

Prometheus … [Film v. Ridley Scott]

Alien: Awakening … [Film v. Ridley Scott – so er tatsächlich produziert wird]

Alien: Covenant – Origins … [Roman v. Alan Dean Foster]

Alien: Covenant … [Film v. Ridley Scott / Roman v. Alan Dean Foster]

Alien … [Film v. Ridley Scott / Roman v. Alan Dean Foster]

Alien: Isolation … [Game]

Alien: In den Schatten … [Roman v. Tim Lebbon / Hörspiel basieren auf dem Roman]

Alien: Fluss des Todes … [Roman v. Christopher Golden / Hörspiel basierend auf dem Roman]

Aliens … [Film v. James Cameron / Roman von Alan Dean Foster]

Aliens: Colonial Marines … [Game]

Alien³ … [Film v. David Fincher / Roman von Alan Dean Foster]

Aliens: Earth Hive … [Roman von Stephen & Stephani Perry]

Aliens: Nightmare Asylum … [Roman von Stephen & Stephani Perry]

Aliens: The Female War… [Roman von Stephen & Stephani Perry]

Alien: Resurrection … [Film v. Jean-Pierre Jeunot / Roman von A.C. Crispin]

Aliens: Original Sin … [Roman von Michael Jan Friedman]

Alien: Sea of Sorrows … [Roman v. James A. Moore]


Und wem das alles zu doof ist, der findet vielleicht am Alien Colouring Book Gefallen, recht günstig als Paperback bei Amazon …


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