[THEMEN-SPECIAL]: The Hateful Thing

movie-poster_hateful-eightMit beträchtlicher Verspätung – und ins Kino habe ich es nicht geschafft – ist es mir endlich gelungen, mir The Hateful Eight anzusehen, den 8. Film von Quentin Tarantino.

Ein durchgeknalltes Vergnügen, sehr hübsch gestrickt, prächtig in Szene gesetzt, mit typischen Wortsalven und absurd-blutigen Gewaltausbrüchen. Die Musik von Ennio Morricone – grandios.

Womit wir auch schon beim Thema wären.* The Hateful Eight ist eine Hommage (wenn man bei Tarantinos ausgeprägter Vorliebe für Zitate von einer Hommage sprechen mag) an John Carpenter’s The Thing.

movie-poster_john-carpenter-the-thingMorricone ist da nur eine der Gemeinsamkeiten – ganze Passagen aus Morricones exzellentem Horror-Score tauchen bei Tarantino auf (die Stücke Despair und Bestiality aus dem The Thing-Score, nicht auf dem Album von The Hateful Eight).

Beide Filme teilen sich Hauptdarsteller Kurt Russell, der in beiden Filmen aus bärtiger Spinner agiert. MacReady in The Thing und John Ruth in The Hateful Eight sind gar nicht so verschieden, wie man meinen möchte. Beide sind konsequent, einzelgängerisch und misstrauisch. Beide kommen gut mit den Extremen zurecht, in denen sie sich bewegen.

Carpenter und Tarantinos haben ihren Film in Eiseskälte angesiedelt und bringen eine isolierte Gruppe Menschen in eine extreme Situation, aus der es nur einen Ausweg mittels Gewalt gibt. Es bilden sich Gruppen, Spannungen entstehen. Keiner der Charaktere kann sich sicher sein, das Töten zu überleben. Tarantino vertrachtet uns ins eisige Wyoming, Carpenter hat uns in die Antarktis verfrachtet. In beiden Fällen ist es scheißkalt, für Menschen tödlich.

Die Beschränkung der Schauplätze. Carpenter führt uns zu Beginn über das Eis auf den Schauplatz zu, er benützt den Helikopter, um die Zuseher an den Handlungsort zu bringen, der sich auf ein Hauptgebäude und eine überschaubare Zahl von Nebengebäuden beschränkt. Tarantino bietet uns eine Kutschenfahrt durch das Eis, bis wir an den Schauplatz gebracht sind – Minnie’s Haberdashery.

Carpenter hatte 12 Hauptfiguren und ein paar Statisten, Tarantino benutzt 8 Akteure und einen Stapel Statisten – darunter die erheiternde Stuntfrau und Darstellerin Zoe Bell, an der er wie davor an Uma Thurman einen Narren gefressen hat.

SPOILERWARNUNG – nur für den Fall der Fälle, für den folgenden Satz: In beiden Filmen ist am Ende nicht eindeutig geklärt, ob es Überlebende gibt, wenn der Nachspann vorbei ist. Beide Filme greifen auf eine eigene Form von Selbstjustiz zurück.

Die Bildsprache ist sehr ähnlich. Wie Carpenter vor ihm benutzt auch Tarantino etliche Außenaufnahmen im sonst auf die Räumlichkeit beschränkten Schauplatz, um Spannung zu erzeugen. Vor allem zitiert er die Einstellungen Carpenters, in denen dieser den sturmumtosten Weg vom Hauptgebäude zur Bude von MacReady zeigt – die Sicherungsleinen. Das wiederholt Tarantino. Mag sein, dass es schlicht nicht viele alternative Möglichkeiten gibt, interessante Sturmbilder einzufangen, mir fällt es einfach als sehr ähnlich auf.

Natürlich kommen Tarantinos Charaktere woanders her, haben eine andere Motivation, ihre Vorgeschichte wird komplett anders erzählt – im formell zu absurden Irritationen neigenden Stil von Tarantino, der überaus reizvoll ist.

Tarantino beschränkt sich bei The Hateful Eight darauf, mehr oder minder nur einen Film zu zitieren – Carpenter’s Meisterwerk eben, von dem er sich auch einen der Hauptdarsteller nimmt. So wie Carpenter hat auch er Russell mehrmals eingesetzt.

[Und sieht man sich die übrige Riege der Darsteller in The Hateful Eight an, dann sind da eine ganze Menge Darsteller, die er schon in mehreren Filmen besetzt hat, teilweise auch aus Werken von Robert Rodriguez, mit dem er eine ganz eigene Beziehung laufen hat.]

*Aber mal ganz ehrlich – es ist in Wahrheit scheißegal. Der Film macht Spaß. Das zählt. Der Rest ist vielleicht interessant, aber nicht von Bedeutung. Vor ernsthaften Analysen von Filmen wie The Hateful Eight sollte man sich bis zu einem gewissen Grad ohnehin hüten. Es geht schließlich um Filme und ihren Unterhaltungswert für jeden einzelnen Zuschauer. Das ist alles ;-)


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Morricone’s Score zu The Thing ist in seiner originalen Aufnahme derzeit nicht erhältlich. Es gibt eine Neueinspielung des früheren Carpenter-Partners Alan Howarth. Die ist sicher nicht schlecht, aber nicht das Original. Bedauerlich.


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