Scott Smith: Dickicht
(OT: The Ruins) Fischer Tb 978-3-596-17616-8; 07/2007, 478 Seiten
Inhalt lt. Buch: Mexiko: Sonne, Strand, Meer, Sex und ...Tequila. Nichts anderes haben sich Jeff und Amy, Eric und Stacy für ihren Urlaub erträumt. Die vier Amerikaner faulenzen am Strand von Cancun, als sie einen jungen Deutschen kennenlernen: Matthias. Dessen Bruder ist einer Archäologin zu einer Ausgrabungsstätte in den Dschungel gefolgt und seitdem spurlos verschwunden. Die vier beschliessen, Matthias in den Urwald zu begleiten. Doch dieser Ausflug wird für alle ein Weg in die Hölle...
Besprechung: Scott Smith ist der Autor hinter dem wunderbaren, von Sam Raimi verfilmten Roman Ein ganz einfacher Plan. Dieser Thriller über ein im Wald abgestürztes Flugzeug voller Geld, das nach und nach zahlreichen Leuten zum Verhängnis wird und letztlich niemandem irgendetwas ausser Leid bringt, war ein Meisterstück an Hinterhältigkeit und logischer Konsequenz.
Genau diese Eigenschaften hat Scott Smith auch in dieses fiese Werk eingebracht, was den Roman zu einer äusserst angenehmen Überraschung macht wenn man sich nicht vom Verlag irreführen lässt, der das Buch am Cover verschämt als Thriller tituliert und auch mit einem reisserischen Text am Rücken einen axtschwingenden Irren suggeriert, der es auf Teenies abgesehen hat.
Weit gefehlt. Dickicht ist ein ziemlich erwachsener Roman, der den Teenieslasher vortäuscht. Oh, keine Sorge, Blut fliesst reichlich, Sperma ebenso und wer will, kann seine anatomischen Kenntnisse auf höchst eigenwillige Art und Weise vertiefen. Lecker.
Mehr an Handlung zu verraten wäre sehr gemein, auch wenn der Roman ziemlich schnell Hinweise gibt, auf was er eigentlich aus ist. Horror, schlicht und ergreifend. Dickicht ist eigentlich ein harter Splatterroman. Darum ist auch der Schummel als Thriller so ärgerlich. Thrillerleser werden die Augen verdrehen. Horrorfans werden das Buch übersehen. Die meisten Buchhändler werden es niemals lesen und darum wird es sich nicht sonderlich gut verkaufen. Schade.
Was den Realismus des Buches betrifft kann man ihn auf der Ebene der Romane von Preston & Child ansiedeln. Die beiden Autoren, von denen u.a. der verfilmte Roman Das Relikt stammt, nehmen sehr gerne einen wissenschaftlich fundierten Hintergrund als Fundament ihrer Bücher, um darauf um logischer Konsequenz und gutem Gespür für Spannung wahrlich haarsträubend beknackte Thriller aufzubauen, die immer wieder in den Horror schlenkern.
Genau dasselbe hat Scott Smith gemacht. Er hat eine im Bereich des Realen liegende Alltagssituation hergenommen und darauf sein pointiertes Gemetzel gesetzt. Die Dialoge sind sehr gut, Smith kann zweifelsfrei schreiben. Er verkneift sich blöde Witzchen und Gags, dazu ist sein Humor viel zu böse, er bleibt ununterbrochen am Schauplatz der Handlung und lässt niemals Langeweile aufkommen.
Fazit: Ein hervorragender Urlaubsroman, wenn man gerade am Strand liegt wie anfangs die Protagonisten. Deftig, blutig, spannend. Eindeutig eine Empfehlung.