Halloween
USA 2007; 2.35:1; ca. 116min Dir. Cut; B+R: Rob Zombie LV: John Carpenter (Drehbuch) D: Malcolm McDowell, Sheri Moon Zombie, Brad Dourif, Danielle Harris, Danny Trejo, William Forsythe, Udo Kier, Clint Howard, Sid Haig, Bill Moseley, Dee Wallace, Ken Foree, Sybil Danning Bonus: 3-disc Set
Rob Zombie hat Michael Myers von seiner Übermenschlichkeit der alten Serie befreit, ihn zum Menschen degradiert und als Dämon neu erschaffen, der erschreckender ist als er es jemals war. Das dämonische ist die Menschlichkeit, die vollkommene Kälte eines Psychopathen, dessen Werden wir im ersten Teil des Films voller Faszination folgen können.
Rob Zombie hat die Geschichte von Carpenter genommen, adaptiert, ihr eine Handlung und ein eindeutiges Milieu gegeben und sie in eine Art zeitliches Vakuum versetzt. Es gibt relativ wenige Anhaltspunkte, in welchem Jahr der Film spielt und so, wie Zombie die Geschichte umgemodelt hat, ist sie für alle Zeiten gleich gültig.
Eine bitterböse Melange menschlicher Dummheit und Ignoranz, gepaart mit einem gleichgültigen Umfeld und Archetypen, die in eine vorgegebene Richtung drängen - oder so ähnlich eben. Simpler gesagt, das was in der Geschichte passiert, kann zu allen Zeiten an allen Orten in der einen oder anderen Form passieren.
Im Director's Cut, nur den habe ich mir angesehen - rund 11 Minuten länger als die Kinofassung - hat die Geschichte einen durchgehenden Stil ohne Brüche, ist kontinuierlich und logisch aufgebaut, sehr hart in ihren brutalen Momenten, von denen es weit mehr gibt als im Originalfilm von John Carpenter.
Die Geschichte von Michael Myers hat ein Gesicht bekommen und wir erfahren, wie und warum aus ihm werden konnte, was er wurde. Das zu beobachten ist eine sehr befriedigende Angelegenheit und dadurch, das man versteht was Michael zum Monster Myers gemacht hat, wird die Angelegenheit noch gruseliger. Es gibt ein Motiv, aus Michaels Sicht, es gibt die Motivation und der Zuschauer kann das alles mitverfolgen und erkennen, das macht die Sache in diesem Fall spannender als es das Nichtwissen hätte sein können.
Aus Halloween jetzt eine psychologische Studie zu lesen, wäre ein klein wenig übertrieben, aber immerhin hat Rob Zombie einen dichten und schlüssigen Slasher gedreht, der in einigen Punkten dem Original überlegen ist.
Die Inszenierung von Rob Zombie ist verdammt gut gelungen. Er schafft mit eleganten Kamerabewegungen und Farben eine morbid schöne Stimmung, von der andauernd eine Bedrohung auszugehen scheint. Er nutzt die Tiefen des Bildes, um mit schemenhaften Bewegungen und subjektiven Perspektiven zu spielen.
Im übrigen, das hat er recht drastisch schon bei The Devils Rejects bewiesen, verfügt er über einen ausgesprochen hintergründig makabren Humor.
Bei den Gewaltausbrüchen dreht die Kamera nicht weg, auch bei totaler Nacktheit und einer unangenehmen Vergewaltigungsszene bleibt die Kamera, distanziert und beobachtend, Voyeurismus fehlt vollkommen. Die Musik, teilweise Oldies, dominierend jedoch das aufgepeppte Titelstück des Originalfilms sind geschickt und stimmungsfördernd ausgewählt und eingesetzt, hm, Überraschung bei dem Regisseur.
Die Besetzung ist ein Freudenfest für alle Fans von Horrorfilmen, Zombie hat ein feines Händchen für wunderbare Schauspieler in Nebenrollen, die dem ganzen Film einen zusätzlichen Kick geben. Äusserst lustig in dem Zusammenhang Ken Foree und natürlich Udo Kier.
Malcolm McDowell ist ein grossartiger Dr. Loomis.
Fazit: absolut empfehlenswert