William Kotzwinkle: Das Amphora Projekt
Heyne Tb 978-3-453-52219-0; Feb. 2007
Raumpirat Jockey Oldcastle und seine mehr oder minder freiwillige Crew, teilweise buchstäblich kaputte Typen, sehen sich mit einer bizarren Serie merkwürdiger Abenteuer konfrontiert, von denen das Amphora Projekt wohl die grösste Herausforderung darstellt.
Lieber William Kotzwinkle!
Einen fröhlichen Dorkie Tag wünsche ich dir! Was? Oh, kannst du dich nicht mehr an deinen Roman Fan Man erinnern? Horse Badortie, als er seinen Dorkie Tag erlebt hat? Kapitel 21: Es ist mal wieder Dorkie-Tag. Beinahe 8 Seiten lang! Dorkie, dorkie, dorkie, dorkie, dorkie, dorkie, dorkie, dorkie, dorkie, dorkie, dorkie usw... naja, du weisst schon.
Jetzt bist du also zurück zur Science Fiction gekehrt, in jenes Genre, das dich berühmt gemacht hat. Deine beiden E.T. Romane, ja die waren grosse Klasse, besonders der zweite Roman, Das Buch vom grünen Planeten, da habe ich mich streckenweise echt zerkullert über die Wabberflutscher.
Ehrlich gesagt, ich habe schon lange nichts mehr von dir gelesen, irgendwie war nach deinem letzten wirklich guten Roman Ein Bär will nach oben Schluss mit deutschen Ausgaben. Hast du wirklich nichts geschrieben oder ist es mir einfach nur entgangen, das der Autor solch grandios bösartiger Werke wie Dr. Ratte oder den unglaublich geilen Nachtgeschichten tatsächlich veröffentlicht hat?
Wie dem auch sei, ich hatte mich sehr gefreut, als mir ein Science Fiction Roman von dir in die Hände fiel. Cool, habe ich gedacht, Kotzwinkle, der verrückte Hippie, hat eine Space Opera geschrieben. Jetzt habe ich das Buch gelesen und irgendwie möchte ich dich fragen: Was bei allen heulenden Höllenhunden ist das für ein Buch?
Ich meine ja, klar: Du hast Alastair Reynolds gelesen, den Grossmeister der bombastisch gewaltigen Space Opera. Du hast dich mit Charles Stross beschäftigt, dem Meister der anarchistich chaotischen Science Space Opera, die ihren Leser an den Rande des Verstehens führt. Du hast deinen Stephen Baxter sehr genau studiert, all die Entwürfe von Leben in seinen Werken.
Du hast sie alle gelesen und verstanden und dann, verzeih mir, William, hast du dich hingesetzt und versucht, eine ernsthafte Parodie auf diese Werke zu verfassen. Das Problem für mich ist nun folgendes: Dein Buch ist nicht lustig. Es ist auch nicht bombastisch im Entwurf. Es präsentiert einige ordentliche und originelle Ideen, die ihren Witz haben, aber es ist hingeschludert.
Dein grosses Weltraumabenteuer, lieber William Kotzwinkle, liest sich wie die Schundheftversion einer Space Opera, oder wie der erste Entwurf eines derartigen Buches. Aber es ist keine Space Opera, es ist keine Parodie darauf, es ist nichtmal ein guter Roman.
Das Amphora Projekt ist ein hastig heruntergeschriebenes Etwas, das all die Funken von Wahnsinn, originellen Ideen, absurden Gedanken und Handlungsentwürfe vermissen lässt, für die ich dich so sehr schätze. Oh, ein paar Ideen sind hervorragend, unbestritten. Vor allem das Roboterleben scheint es dir angetan zu haben, in diesen Momenten merkt man deine Liebe zur Materie und den absurden Möglichkeiten, die sie bietet - warum hast du sie nicht genutzt?.
Es sind keine neuen Ideen in deinem Buch zu finden, sondern bloss teils witzige Variationen von Dingen, die du in den Werken der Meister der Space Opera gelesen hast, verdreht, verknotet und komisch gemeint. Leider hast du nur halben Erfolg dabei gehabt, dir diese Wirrnisse untertan zu machen.
Versteh mich nicht falsch. Ich will natürlich, das sich ein Autor weiterentwickelt, nicht bei einem einmal erfolgreichen Schema stehenbleibt, um Himmels Willen, wer braucht denn noch einen sich selbst wiederholenden Dan Brown!?!?!? Ich kritisiere dich ja gar nicht dafür, einen Science Fiction geschrieben zu haben, ich liebe dieses Genre und ich liebe dich. Aber du hast halt in die Scheisse gegriffen, verzeih mir. Du hast etwas geschrieben, das sich liest, als hättest du einen Vertrag erfüllen müssen, schnell, schnell den Text runternudeln, um das ungeliebte Werk hinter dich zu bringen. Das ist mein Eindruck, sei er nun richtig oder falsch.
Lieber William Kotzwinkle, ich werde dir gewiss die Treue halten, weil ich sicher bin, du wirst wieder zu deiner meisterhaften Form des literarischen Unfugs auflaufen, für die du berechtigterweise berühmt bist und die von deinen Lesern so sehr geschätzt wird.
Ich wünsche dir ein paar heftige Dorkie Tage mit einem Wabberflutscher und einen Strom herrlich bizarrer und origineller Ideen, die du ungebremst in dein nächstes Manuskript laufen lassen kannst.
Auf bald, dein Fan!
Fazit: leider gescheiterte Space-Opera Satire