William Gibson: Quellcode
(OT: Spook Country, 2007) Klett Cotta HC 2008; ca. 448 Seiten; ISBN 978-3-93769-5 Übersetzung: Stefanie Schaeffler Ausstattung: Hardcover mit Schutzumschlag
William Gibson ist endgültig dort gelandet, wo er hingehört: Beim Science Fiction Thriller ohne Fiction. Das war bei Mustererkennung schon unübersehbar und ist jetzt Tatsache. Und das ist gut so, denn diese beiden Bücher sind absolut Spitze in ihrer Schilderung der Welt im Hier und Jetzt.
"Die Zukunft hat schon begonnen. Sie ist nur sehr ungleichmässig verteilt." wird Gibson am Umschlag zitiert. Und dieses Ungleichgewicht der Verteilung führt er uns vor Augen, die Vernetzungen, die zahlreichen Variationen dessen, was daraus als Wahrheit erscheint.
Hollis Henry, ehemaliger Rockstar, jetzt dabei, sich als Journalistin durchzuschlagen, wird angeheuert, für ein im Erscheinen begriffenes Magazin einen Artikel über Medienkunst zu verfassen. Oder?
Dann ist da noch Tito der Kubaner, der ihm unverständliche Aufträge durchführt, aber sein volle Vertrauen in diverse Gottheiten legt. Brown, wer auch immer er ist und was warum er auch immer tut, er wird begleitet von Milgrim, seiner Geisel. Alle werden sie überwacht, manipuliert, geführt und verführt. Alle sind sie Figuren in einer Art Wettrennen um einem Frachtcontainer, der sich irgendwo auf dem Meer befindet.
Formal ist Quellcode ein Popkultur-Thriller, der sich mit modischem Schnickschnack auseinandersetzt, moderner Kunst, einer zweiten Welt hinter unserer, der totalen Überwachung, die so viel einfacher möglich ist als man glauben möchte. Was den Reiz des Buches ausmacht, William Gibson hat eine merkwürdige irritierende Art zu erzählen. Er findet immer wieder ausgefallene Arten, eine Farbe zu erklären oder Sätze zu konstruieren und er benutzt gerne immer wieder selten gebraucht Worte.
Der bizarre Thriller, der dieser Roman ist führt dazu, das bei den sich aus logischer Konsequenz ergebenden Actionszenen der gesamte stattfindende körperliche Einsatz fast anachronistisch altmodisch anmutet. Kommt witzig rüber.
William Gibson öffnet seinen Lesern die Augen. Wie er die Zusammenhänge und Entwicklungen schildert, das wirft zum Teil ein völlig neues Licht auf vermeintlich klare Dinge.
Weder Mustererkennung noch jetzt Quellcode sind Science Fiction. Neuromancer war Science Fiction pur. Liest man jetzt jedoch Quellcode, hat man das Gefühl, sich eine logische Fortführung von Neuromancer zu Gemüte zu führen, vollkommen absurd, aber trotzdem. Nimmt man aus Neuromancer die Fiction, bleibt die Science, mit der sich Quellcode beschäftigt. Hier und Jetzt.
Fazit: Unbedingt lesenswert