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Will Elliott: Hölle

Piper Elliott HoelleInhalt lt. Buch (Seite 2): Als Jamie eines Nachts beinahe einen Clown überfährt, der urplötzlich vor seiner Motorhaube auftaucht, ist nichts mehr, wie es war. Jamie erhält unheimliche Drohungen, und eine Horde mordgieriger Geschöpfe in Clownskostümen macht Jagd auf ihn. Die Clowns entführen Jamie in den Pilo-Zirkus, eine bizarre, jenseitige Welt, beherrscht von unheimlichen Akrobaten, Zwergen, Freaks und Wahrsagern. Ein geheimnisvolles Pulver erfüllt jeden Wunsch, und auch Jamie verfällt ihm. Doch wer es einnimmt, wird zum erbarmungslosen Killer. Wenn Jamie dieser Hölle entkommen will, muss er nicht nur den Zirkus zerstören, sondern auch seinen größten Feind besiegen - die eigene dunkle Seite ...



Will Elliott: Hölle

(OT: The Pilo Familiy Circus; 2007) Piper Tb 12/2009; 388 Seiten; ISBN 978-3-492-26709-0 Übersetzung: Birgit Reß-Bohusch; Ausstattung: Taschenbuch, Titel geprägt

Ha ha, said the Clown ...

Hölle ist ein Roman über Horrorclowns. Clowns sind vorgeblich komische Gestalten in lustiger Kleidung, die gerne Scherze und Possen zur Schau stellen. Hölle allerdings zeigt vielmehr, was hinter dieser Fassade stecken könnte und – oh Mann – das ist gar nicht lustig. Der Roman ist kein komisches Buch, das will er gar nicht sein. Ganz im Gegenteil

Die Clowns aus diesem Roman sind entfernte Verwandte von Pennywise, dem Clown aus Stephen King‘s Es, dem unbestritten wohl fiesesten Clown aller Zeiten. Und die Clowns in Hölle sind auch mit jenen verwandt, denen wir in dem vergnüglichen B-Movie aus dem Jahr 1988 begegnet sind – wie war der Titel nochmal? Ach ja, Killer Klowns from Outer Space. Komisch-ekelige Gruselclowns.

Die bizarre Bande aus Hölle gehört zur selben Familie. Selbes Haus, eine Tür weiter. Sie sind schräg und bizarr und hinter dem gefletschten Lächeln verbergen sich mörderische Abgründe. Mörderische, bösartige Clowns nicht von dieser Welt.

Platz da, hier kommt Gonko!

Akrobat schööön!

Jeder, der Clowns nicht leiden kann (ich keinen kaum jemanden, der Clowns mag), sie sogar fürchtet, wird an diesem Roman seine helle Freude haben. Folglich hat mir das Buch ziemlichen Spaß gemacht. Im Grunde sind Clowns gar nicht komisch, sondern gruselig und obszön. Das starr aufgemalte Grinsen, der knallrote Signalmund, brrr. Clowns haben etwas Obszönes an sich, dann die Hinterhältigkeit ihrer Scherze, nein danke. Clowns sind gar nicht lustig.

Todschick an dem Buch ist jedoch, das Clownfans und Clownhasser gleichermaßen ihren Spaß an der Geschichte haben können. Will Elliott nimmt die Clowns, tunkt sie durch einige geschmackvolle Horrorsaucen, würzt sie mit der Groteske von Monty Python und garniert den Zirkus mit den Freaks aus dem gleichnamigen Filmklassiker von Tod Browning. Der Qeull des Übels, der Pilo Zirkus, beherbergt eine Vielzahl merkwürdiger Gestalten, grotesk und komisch, zugleich auch bedrohlich und mitleiderregend.

Dieses lecker zusammengestellte Gericht aus duftendem Mischmasch ergibt einen sehr unterhaltsam, streckenweise richtig spannenden Roman mit regelmäßig aufkeimender, brutaler Gewalt, jeder Menge an Demütigungen und Ausflügen in das Terrain der Dark Fantasy und Alternativwelt.

Elliott verwischt ein wenig Genregrenzen, bringt Fantasy und Horror zusammen. Das ist in diesem Fall rundum gelungen, da sich alles letztendlich der Geschichte unterordnet und nicht zum aufgesetzten Effekt gerät. Der klare, schnörkellose Stil trägt seinen Teil zum Gelingen bei.

Carnival of Souls

Unser ... ähm, Held ... Jamie ist eine Figur, die sowohl Mitleid erweckt wie auch Schadenfreude hervorruft. Hehehe, so ein Trottel. Er ist vor allem zu Beginn nicht sonderlich sympathisch, trotzdem beginnt man nach und nach Mitleid für seine Situation zu empfinden. Die stets leichte Distanz zu Jamie hilft, sich näher mit den wirklich wunderbar gezeichneten Clowns und all ihren verrückten und beängstigenden Eigenheiten zu beschäftigen.

Elliott hat ein sehr gut ausbalanciertes Gleichgewicht zwischen komisch und gruselig, zwischen Detailreichtum und Tempo gefunden. Das Buch wird nie langatmig oder langweilig und befriedigt auch die Neugierde in Details. Die vorwiegend triste Stimmung und das ständige Gefühl der Bedrohung tragen ihr übriges dazu bei, Hölle zu einem gelungenen Roman zu formen.

Elliott beginnt das Buch ohne Umscheife, baut von der ersten Zeile an Stimmung auf und steigert die Surrealität der Realität – die WG von Jamie – zu einer echt surrealen Surrealität – Jamie begegnet den Clowns.

Hölle ist ein sehr gutes Buch, wenn man sich darauf einlassen will, weder einen reinen Horrorroman noch einen reinen Fantasyroman zu lesen, sondern von beidem etwas. Für mich hat diese Mixtur tadellos funktioniert, das Buch war vergnügliche Lektüre.

Kurz gesagt:

  • Pflichtlektüre für Clownhasser

  • witzig bizarre Angelegenheit

  • rundum befriedigende Lektüre

Fazit: Das Standardbuch zum Thema Gruselclowns. Lesenswerter Spaß.

 

Danke für das Interesse. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, ect. sind willkommen.