
Action-Fantasy-Fetisch-Eskapismus:
Schwülstige Männerträume von ästhetischer Gewalt, Angelina Jolie mit einer beeindruckend fetischistischen Rückenansicht und ein geschmackloser, durchgeknallter russischer Regisser mit kindisch unterhaltsamen Spaß an maßloser Übertreibung und Zerstörung...
Wanted
USA 2008; 3.35:1; ca. 106min R: Timur Bekmambetov B: Michael Brandt, Derek Haas, Chris Morgan LV: Mark Millar, J.G. Jones M: Danny Elfman D: James McAvoy, Angelina Jolie, Morgan Freeman, Terence Stamp, Thomas Kretschmann
Action: [*****]
Inszenierung: [*****]
Handlung: [***]
Gesamt: [*****]

Anschnallen, Hirn aus, Sinn für Realismus über Bord, Vergnügungsschalter auf höchste Stufe und los geht die Action. Das hier ist ein selten verrückter Film. Voriges Jahr hat ein Video im Internet für Aufsehen gesorgt, das einen Angestellten in einem Großraumbüro beim ausrasten zeigte. Der Clip war ein Marketinggag für diesen Film .
Wanted ist die Geschichte eines langweiligen Büroschlaffis, der von seiner Freundin mit seinem besten Freund beschissen wird, von seiner Vorgesetzten tyrannisiert und von seinen Angstzuständen terrorisiert wird. Also ein Leben, wie es viele von uns kennen. Traurig, aber höchst witzig in seiner Darstellung.
Bis diese aufregende Frau in sein Leben tritt und mit ihr ein Feuerwerk aus Ballereien, Gewalt, absurder Action, Verrat, Betrug, ein Rachefeldzug, ein irrer Selbstfindungstrip. Büroschlaffis Vater war Mitglied einer Geheimorganisation, einer Bruderschaft, die Bruderschaft heißt, wurde getötet und Sohnemann Wesley soll an seine Stelle treten.
Morgan Freeman ist cool und seriös wie immer, James McAvoy ein hervorragender Schlaffi. Terence Stamp hat leider einen viel zu kurzen Auftritt, Thomas Kretschmann habe ich erst gar nicht erkannt, obwohl er eigentlich eher schwer zu verkennen ist.
Der Knaller ist aber Angelina Jolie. Sehr sexy, sehr elegant und mit einer phantastischen Rückenansicht, die ihre direkte Inspiration bei Luis Royo Zeichnungen geholt haben dürfte. Wow! (Den Comic, auf dem der Film beruht, kenne ich nicht, Vergleiche nach dort kann ich deshalb nicht anstellen.)
Wahnsinn in Höchstgeschwindigkeit
Wer die Wächter Filme von Bekmambetov kennt, hat eine ungefähre Vorstellung davon, wie großartig absurd einige, eigentlich alle, Actionsequenzen hier ausgefallen sind. Rollenschlagende Autos, Kugeln die um Kurven fliegen, wahnwitzige Sprünge, eine wuchtige Zugentgleisung, explodierende Ratten! Wilde Kameraspielereien, absurde Blickwinkel, Superslomo, beschriftete Pistolenkugeln.
Auch sehr skurril: Die Methode, nach der die Bruderschaft entscheidet, wer wann wie sterben muß und welche Folgen zu tragen sind, wenn der Auftrag nicht oder zu spät erfüllt wird. Eine feine Methode, eine Mythologie zu etablieren.
Die Schauwerte des Films sind zahllos, der Unterhaltungswert ausgesprochen hoch. Regisseur Bekmambetov ist ein Meister der geschmacklosen Übertreibungen, dem es gar nicht bunt und durchgeknallt genug sein kann.
Der Verstand ist ein Hund
Aber irgendwie schafft er es dabei, seinen Filmen Sinn und Logik innerhalb ihrer eigenen Mythologie zu verleihen und ihnen zugleich eine elegante Optik zu verleihen.
Den Film als hirnloses Entertainment abtun wäre zu leicht. Er erhebt zwar keinerlei Anspruch darauf, in den Arthaus Schienen untergebracht zu werden, aber er ist cleverer als man erwarten würde.
Und da er sich und seiner eigenen Logik treu bleibt, hat man als Zuseher niemals das Gefühl, verarscht zu werden. Durchgeknallter Eskapismus, der nicht mehr sein will und nicht unterfordert.
Und sowieso ein absolutes Muß für Fans von Tattoos und Angelina Jolie!
Fazit: Durchgeknallter Heidenspaß! Eine uneingeschränkte Empfehlung!