Stephen King: Sunset
Erzählungen (OT: Just after Sunset; 2008) Heyne HC 2008, ca. 480 Seiten; 978-3-453-26604-9 Aussstattung: Hardcover mit Lesebändchen, Vorwort, Nachwort zu den Erzählungen
Gesamteindruck: [**]
Der Band enthält 13 recht unterschiedliche Erzählungen, etliche davon ursprünglich in Magazinen erschienen. "Die Höllenkatze" wurde 1990 im Rahmen der "Geschichten aus der Schattenwelt" verfilmt. Insgesamt bieten die Geschichten etliche Stunden Zeitvertreib, allerdings mit recht durchmischten Gefühlen. Auffällig, viele der Geschichten streifen mehr oder weniger dominant am amerikanischen 9/11 Trauma an.
Die erste Geschichte nennt sich Willa. Eine tolle Geschichte, stimmungsvoll, irritierend und irgendwie ... eigenartig. Es finden sich die klassischen King-Elemente darin. Reise, Wanderung, einsame Straßen zu abgelegenen Orten, eine Gruppe von merkwürdigen Leuten. Leider wird zu schnell klar, worauf die Sache hinausläuft.
Gemischtwarenladen
Die letzte Geschichte nennt sich In der Klemme. Ebenfalls sehr gute Ausgangsbasis, einige überraschende Wendungen darin, spannend. Aber das Ende befriedigt nicht so ganz. Merkwürdig, denn eigentlich stimmt alles, wieder ein feiner Besuch in King-Country.
Dann wäre da N. Damit landen wir im Zentrum von King-Country, im Landstrich von Castle Rock. Was für wunderbare Erinnerungen verbinden sich mit Castle Rock, ein bedeutender Teil des früheren Stephen King. Zu diesem freudigen Ereignis schüttet King noch eine Ladung Lovecraft in einer Arthur Machen Reminiszenz. Rundum gelungen, das Ganze, wunderbarer klassischer Paranoiawahn.
Über Das Pfefferkuchenmädchen kann man nicht viel schlechtes sagen. Eine temporeiche, sadistische Geschichte. Ich habe aber keine Ahnung, warum mir das Ende nicht gefällt. Es ist passend, bringt einen schönen Abschluss und was besseres fällt mir auch nicht ein.
Harveys Traum ist daneben. Viel zu durchsichtig, vie zu simpel.
Hinterlassenschaften mutet an wie der Versuch, eine Geschichte zu schreiben, die man an das 9/11 Trauma anhängen kann.
Die direkt dahinter platzierte Geschichte Abschlusstag ist eine Variation dieses Traumas. Kurz und witzlos.
Die Höllenkatze ist super. Relativ alte Geschichte, aber genau darum den neueren Texten meist überlegen. Pointiert, grob, bizarr. Ordentlich auf den Punkt gebracht und zu einem Ende kommend. Super.
Früher war alles besser
Es gibt noch 5 weitere Erzählungen, aber ich glaube, es wird relativ klar, was ich meine. Im Grossen und Ganzen eigentlich ordentliche Unterhaltung mit ein paar Schwächen, die man inzwischen als King-typisch benennen könnte. Hauptsächlich ist es sein Problem, für die Texte, ob Erzählungen oder Romane, ein Ende zu finden.
Allerdings - und darauf kommt es auch an - ist ein King mit Schwächen immer noch weit unterhaltsamer als viele, viele seiner Kollegen am Höhepunkt ihres Schaffens. Andere hingegen haben ihn auf seinem ureigensten Terrain überrundet, so z.B. Brian Keene oder Scott Sigler.
Aber er ist King, eine eigene Kategorie.
Kurz gesagt:
- etliche gute Geschichten
- etliche schlechte Geschichten
- höchst durchwachsenes Leseerlebnis
Fazit: Kurzweilige Sammlung von Erzählungen, eher für Sammler wichtig
Danke für das Interesse. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, ect. sind jederzeit willkommen.