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Stephan R. Bellem: Bluttrinker

Bellem BluttrinkerInhalt lt. Buch: Der Kontinent Kanduras ist ein wildes Land, gezeichnet von menschlichen Abgründen: Während die Fürsten um die Krone des nordens ringen, erhebt sich im Süden ein Mann, Karandras, der im Bann des Dämonengottes steht. Und der Einzige, der ihn von der Vernichtung der Götter abhalten könnte, ist ein Bauer, Throndimar, der immer tiefer in die Abgründe seiner Rachsucht gestoßen wird. Doch auch im Kampf um die Krone wird mit hohem Einsatz gespielt: Wie weit wird Iphelia gehen, um ihr Leben und das ihres neugeborenen Sohnes zu verlängern? Iphelia kämpft gegen Fürst Barsjk und um den letzten Rest ihrer Menschlichkeit, doch sie schwindet mit jedem Tropfen Blut, den sie trinkt.



Stephan R. Bellem: Bluttrinker

Ueberreuter 02/2010; 435 Seiten; ISBN 978-3-8000-9515-5; Ausstattung: Trade Format, Klappbroschur, geprägter Titel

Vom Leiden an der Schizophrenie

Auweh! Mich schmerzt ein Schmerz. Stephan R. Bellem hat mir wehgetan, um es so zu formulieren. Das Wort für diesen Schmerz: Schizophrenie. Diese hat dann nachfolgende Vision ausgelöst:

Ich habe mir vorgestellt, wie Bellem daheim vor dem PC sitzt und in die Tasten drischt, ohne sich wirklich entscheiden zu können, ob er jetzt einen High Fantasy Roman oder einen Sword & Saucery Roman schreiben will. Anders ausgedrückt, entweder eine Art Herr der Ringe oder doch Conan der Barbar. Stephan Bellem hat sich nicht entschieden.

Bluttrinker hat von beiden Extremen reichlich Spurenelemente und Mineralien enthalten. Das scheint auf den ersten Blick gehaltvoll und lecker, verursacht aber letztendlich wegen Unverträglichkeit Magendrücken. Anders formuliert: Bluttrinker ist ein Bastard, der weder hier noch dort daheim ist. Das schlägt mit voller Wucht auf den Stil des Buches durch.

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Der Quell der Schmerzen

Bellem schreibt, als würde er das Buch mit einem schartigen, abgenutzten Schwert in vertrocknetes Holz dreschen und dabei einen Regen aus ungleichmäßigen Spänen verursachen. In diese derbe Sprache mischen sich immer wieder Sätze mit verdreht anmutender Wortstellung, deren Holprigkeit eigentlich das Vornehme eines High Fantasy Romans bilden sollte. Vermute ich.

Ich bin eigentlich der Letzte, der sich über sprachliche Unperfektion mokiert (die mir ohnehin fehlt). Im Gegenteil, ich bevorzuge es von jeher, eine fesselnde Geschichte erzählt zu bekommen. Der Stil ist für mich dabei eher zweitrangig, er sollte nur zur Geschichte passen. Was nutzt mir die perfekte, wunderschön komponierte Sprache von Thomas Mann, wenn ich mich bei den Buddenbrooks nach wenigen Seite zu Tode langweile? Eben!

Das Problem, vor dem ich allerdings bei Bluttrinker stehe, ist die unausgegorene Mixtur, die der Geschichte weder einen richtigen Stil verleiht, noch bei allen Figuren funktioniert und dem Lesefluß gar nicht gut tut. Es ist auch nicht so, das der Stil kapitelweise hüpft, um sich den Figuren des Romans anzupassen. Das wäre zum Beispiel eine tolle Methode gewesen, aus der schmerzhaften Schizophrenie einen findigen Bonus zu generieren.

Es tut mir unheimlich leid, beim Lesen von dieser groben Stillosigkeit ausgebremst worden zu sein. Ich mag High Fantasy recht gerne, ich mag Sword & Saucery sehr gerne, fast noch lieber. Aber womit ich nur schwer zurecht komme ist eine unverdauliche Mischung aus beidem.

Ich glaube, Bellem hat sich beim Schreiben gehetzt, weil er von der Geschichte vorwärts getrieben wurde. Throndimar und Iphelia sind Getriebene und das hat den Autor vielleicht in ein hohes Tempo gezwungen, bei dem textliche Kollateralschäden entstanden.

Der Quell der Freude

Bemerkenswert finde ich die Idee der Bluttrinker. Das ist eine sehr clevere und erfreuliche Erweiterung eines klassischen Fantasy-Settings. Vor allem auch deshalb, weil die damit einhergehende Unberechenbarkeit der entsprechenden Figuren sehr viel Stoff für Überraschungen liefern könnte. Wirklich, sehr hübsch.

Auch gefällig ist die Vierteilung der Handlung und ihre ab der Hälfte des Romans überraschende Dynamik. Da beginnt das Buch an Tempo zuzulegen und wird zunehmend spannend.

Ein sehr nettes Detail ist auch die recht ausführliche Schilderung der Vorgeschichte der Götter, ihrer Kämpfe und Intrigen. In diesen Momenten tanzt der Barde Bellem durch die Seiten des Romans.

Was auch hervorsticht sind die Schlachten, die für Fantasy zum Teil recht blutig ablaufen. Sie geraten zu richtig deftigen Gemetzeln, in denen es von herumfliegenden Körperteilen und hervorquellenden Eingeweiden immer wieder nur so wimmelt. Bellem, der Splatterfan. Gemetzelt wird ordentlich. Gefällt mir gut. Bellem killt übrigens mehr Personal als man meinen möchte. Cool, weil es die Erwartungshaltung untergräbt und somit für Spannung sorgt.

Die Quellen der Inspiration

Bellem hat viel Fantasy gelesen. Wir haben neben den für meinen Geschmack langsam etwas abgegriffenen Tolkien-Standards Elfen, Orks, Zwergen und weisen Übermagieren auch den Helden einfacher Herkunft, die klassischen Intrigenspiele und natürlich auch Schlachten. Alle Lebensformen sind auch nach den entsprechenden Grundmustern ausgerichtet. Hier bleibt Bellem auf sicherem Terrain, obwohl er ruhig da oder dort Klischees hätte aufbrechen und verdrehen können.

Nicht falsch verstehen, das kritisiere ich gar nicht. Fantasy hat gewisse Grundelemente, die mehr oder weniger verfremdet immer wieder auftauchen und weitergesponnen werden. Das ist wunderbar so und lädt natürlich ein zu raten, woher man welches Motiv wohl kennt.

Bellem gelingt es immer wieder, frischen Wind in die Settings zu bringen, verläßt sich zwischendurch dann aber doch immer wieder zu sehr auf die klassischen Motive, um mit seiner Geschichte voranzukommen. Auch diese Eigenheit scheint durch das getriebene Schreiben begründet. Wie gesagt, dieses Buch ist eine schizophrene Erfahrung.

Würde ich eine Fortsetzung lesen? Ja. Warum? Weil das Buch trotz aller Mängel gute Ideen zu bieten hat. Weil es doch noch in der Lage war, mir spannende Unterhaltung zu bieten. Weil ich neugierig auf die Bluttrinker bin.

Oh und ich kann mir vorstellen, dass ein wenig mehr Sex einer Fortsetzung durchaus keinen Schaden zufügt. Vor allem nicht, weil der Titel ohnehin auf ein erwachsenes Publikum ausgerichtet ist. Aber bitte keinen Blümchensex, sondern mehr abgründigeren Stoff, etwas, das zu den Bluttrinkern paßt.

Kurz gesagt:

  • klassische Fantasy mit einigen bemerkenswerten Elementen

  • stillistisch leider störend unausgegoren

  • hätte durchaus Potential zur Fortsetzung

Fazit: ein höchst schizophrenes Leseerlebnis, das kein eindeutiges Für/Wider erkennen ergibt.



Danke für das Interesse. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, ect. sind jederzeit willkommen.