Kupfer, Messing und Holz bilden mehr oder weniger die grundlegenden Materialien, die in den Welten des Steampunk vorherrschend sind. Das viktorianische Zeitalter verschmilzt mit Science Fiction und nimmt einen kräftigen Schluck von leckerem Fetischismus.
Das ist mein höchst subjektives Verständnis des Steampunk – für eine gelungene und wohl eher zutreffende Beschreibung von Steampunk als diese hier empfiehlt sich die entsprechende Seite der Wikipedia. (Auch wenn ich gegen deren Steampunk-Literaturliste einige Einwände habe, aber das ist in diesem Fall egal.)
Die Vernissage, zu der ich am 14.10. eingeladen war, hat mich sehr schnell an den Begriff Steampunk denken lassen. Wolfgang Pawlik, freischaffender Künstler und Designer, hat Werke aus seinen Apokalyptischen Visionen und aus seinem Metallbilderzyklus in seiner Galerie Studio R1 präsentiert. Und genau da ist für mich der Fetischismus ins Spiel gekommen.
Kupfer, titanbeschichtet. Soweit bin ich gar nicht falsch gelegen. Titel wie "Zeitriss", auch Science Fiction. Und ein Korsett aus Kupfer – da kommt der Fetischismus ins Spiel. Und ein Künstler, der Dinge wie »skulptraxismus« definiert(?) (skulpturaler abstrakter expressionismus) - Ein der SF würdiger Zungenbrecher oder Buchtitel.
In den Gemäuern des zwischen 1924-1926 errichteten Gemeindebaus findet sich hoch über der Stadt das Atelier, großer Raum, Fenster, die einen Blick wie durch Bullaugen gewähren, eine Decke mit tragenden Balken und eine altehrwürdige Aura.
Als wunderbarer Kontrast dazu die ausgewählten Kunstwerke, kräftige Farben, geniale Plastiken (Der Fisch ist live echt großartig und Teil eines makabren und witzigen Triptychons. Super!) und die schimmernden, glänzenden, lockenden Metallarbeiten.
Ich glaube, die davor letzte gelungene Verbindung von Erotik und verformten Metall hat David Cronenberg in seiner gleichnamigen Verfilmung des J. G. Ballard Romans Crash geschaffen. Davor war es ebenfalls David Cronenberg mit Dead Ringers. [Ja, ich bin wohl verkorkst, all diese Dinge in Gedanken zu verbinden und nein, es tut nicht weh.:-)]
Und siehe da, in natura gelingt das auch. Bemerkenswert. Ist Wolfgang Pawlik jetzt der David Cronenberg der modernen Kunst? Nein, er ist ein Original und keine Kopie.
Auch wenn es heutezutage sehr einfach ist, alle Dinge im Internet zu betrachten: Manche Sachen wirken erst so richtig, wenn man sie in Realität sieht. Und genau so ist es mit den Metallbildern. Kein Foto kann sie gut wiedergeben - weder die Größe, noch die Farbe oder die Plastizität der Werke. Mit eigenen Augen sehen ist hier das Wahre.
Natürlich wäre es unfair, Wolfgang Pawlik auf Steampunk zu reduzieren – die Galerie seiner Website zeigt mehr als deutlich die eindrucksvolle Bandbreite seiner Kreativität. Für mich als Idiot... äh ... Laien, was Kunst und vor allem das Verstehen von Kunst und Künstlern betrifft, ist Wolfgang als Tor zur Kunst und als Künstler (weil er sich durch seine ungekünstelte und umgänglich bodenständige Art den gängigen Klischees über Künstler entzieht) insofern hochinteressant, weil er mich auf einer Ebene berührt, zu der ich Bezug habe: Science Fiction.
Ich sehe überall Bezüge zu Science Fiction: Apokalypse, Dystopie, Endzeitfilme, David Cronenberg, Motive, die an Blade Runner erinnern und natürlich den eingangs erwähnten Steampunk. Mir gefällt die Intensität der Farben in seinen Werken und mir gefallen die Assoziationen, die in mir geweckt werden: Rene Magritte (warum, weiß ich nicht) sowie H. R. Giger (da weiß ich, warum). Magritte und Giger finde ich genial, habe ich aber nie kennen gelernt. Wolfgang Pawlik kenne ich und finde ich genial.
Und ich hoffe, sowohl Wolfgang wie auch ihr, die ihr euch durch mein leicht wirres und etwas hilfloses Gestammel gekämpft hat, seht mir den Mangel an wortgewandter Ausdrucksvielfalt nach.
Kunst zu beschreiben ist mehr Emotion als Worte und entsprechend schwer fällt es mir, die richtigen Worte zu finden.
(c) Kunstwerke: Wolfgang Pawlik
(c) Fotos: Helmut D.
