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Star Trek

Star Trek BlurayNach ewig langer Verweigerung habe ich mich schließlich von meinem besten Freund doch noch überreden lassen, mir Star Trek anzusehen. Es hat mich Überwindung gekostet. Letztendlich, das gab den Ausschlag, ist es ein Science Fiction Film und ich liebe Science Fiction Filme (Episode I, II, III sind davon ausgenommen). Ich mag die majestätischen, düsteren Filme mit langsamer Bewegung, die dystopischen Werke, die Alieninvasionen, auch die Parodien, wenn sie Witz haben. Ich liebe Raumschiffe, die durch das Weltall ziehen. Kurz gesagt, ich bin ein Science Fiction Fan. (noch eine Ausnahme: Indiana Jones 4). Und ich mag, natürlich, auch quietschbunte Actionspektakel. Ich mag auch Science Fiction in Fernsehserien, meistens jedenfalls. Ich mag die Star Trek Serien. Ich mag die Star Trek Filme. Und dann ist da der schizophrene Effekt namens Star Trek ...



Star Trek

USA 2009; 2.35:1; ca. 127min; R: J.J. Abrams B: Roberto Orci, Alex Kurzman; D: Chirs Pine, Zachary Quinto, Leonard Nimoy, Eric Bana, Karl Urban, Winona Ryder, Zoe Saldana

Action [*****]

Spannung [***]

Science Fiction [*****]

Story [***]

Gesamteindruck [***]

Bezüglich SPOILER: Ich habe an dieser Stelle groß posaunt, wie sehr ich das verabscheue, wenn Rezensionen spoilern. Jetzt passiert mir selbst derartiges. Es ist so gut wie unmöglich, Spoiler zu vermeiden, wenn man Star Trek Alt mit Star Trek Neu vergleicht. Ich gehe aber davon aus, dass jeder, der sich für Star Trek interessiert, den neuen Film ohnehin schon gesehen hat. Sonst würde ich vorschlagen, diese Review ab dem Zwischentitel Affektierte Seelenlosigkeit nicht mehr zu lesen.

To boldly go ...

Star Trek ist ein clever durchdachter Film. Er stützt sich auf den Namen, ein paar Mythen und Figuren und geht zugleich auf Distanz, ist vollkommen eigenständig. Niemand wird den Film nicht kapieren, wenn er die alten Filme oder die Serien nicht kennt.

Mit dem Trick des Alternativen Universums umgeht der Film auch geschickt die existierenden Vorgaben und kann so beinahe komplett unabhängig eine neue Serie aufbauen, neue Rassen einführen, vertraute Charaktere ändern und noch viel mehr tun, ohne dabei auf die Rückendeckung durch die alten Werke verzichten zu müssen.

Dieser Star Trek ist eine Abkehr von der alten Serie. Der neue Film ist quietschbunt, ununterbrochen mit Action vollgeräumt, liefert Schauwerte ohne Ende und unterhält durchgehend. Die Effekte sind spektakulär, noch nie hat ein Star Trek Film so gut ausgesehen. Die Schlachten und Kämpfe, toll in Szene gesetzt und randvoll mit Lärm, Licht und Bewegung. Ganz so wie man es von einem Action Film erwartet. Mit Nero ist eine ausgezeichnete Bedrohung gelungen die Übergabe der tragenden Rolle von Spock an Spock ist absolut makellos.

Zachary Quinto ist ein überraschend guter Spock. Das Spiel mit den unterdrückten Emotionen beherrscht er, sein Spock ist glaubwürdig. Er hält sich recht wacker gegenüber Leonard Nimoy, dessen Auftritte höchst erfreulich sind. Stark gealtert, aber höchst würdevoll und eine tolle Stimme.

Auch an Karl Urban als McCoy gibt es nicht viel auszusetzen. Urban (Eomer in den Lord of the Rings Filmen, Vaako in Chronicles of Riddick) als miesepetriger McCoy, zurückhaltend, präsent und mit Leichtigkeit gespielt, bietet keinen Grund zur Klage. So wenig wie Eric Bana, ein wunderbarer Nero. Zerfressen vom Wahnsinn, gefangen in seinem Verlangen nach Rache und Zerstörung. Die normalerweise entzückende Winona Ryder als Mutter von Spock ist leider eine komplette Verschwendung. Ihr steht zu wenig Raum zur Verfügung, um Amanda Grayson Bedeutung zu verleihen. Ich hab sie erst gar nicht erkannt. Huch.

Witzlose Figuren

Der Unterhaltungswert des Films kann seine teilweise beträchtlichen Mängel nicht ganz übertünchen. Der Humor ist jämmerlich: Die Pointen sind total lieblos und berechenbar genau dorthin gerotzt, wo sie nach Lehrbuch zu erwarten wären, damit überflüssig, weil nicht zweckdienlich.

Es gibt keine Überraschung. Die Rolle des Chekov auf eine technisch versierte Witzfigur zu beschränken finde ich idiotisch. Chekov hat immer wieder für eine heitere Note gesorgt, aber er war nie lächerlich. Dieser Checkov ist, meiner Meinung nach, peinliche Schmiere. Das ist in die Hose gegangen (Anton Yelchin, der Darsteller, ist eine wandelnde Witzlosigkeit. Man sehe sich nur Terminator: Salvation an, in dem er sein rührend bescheidenes Können genauso eindrucksvoll zur Schau stellt).

Die beste Figur bezüglich Skurrilität und Humor ist immer noch Reginald Barclay aus The Next Generation. Diese Figur des Nerd ist wunderbar und genau so würde es auch für Chekov passen. Oder Montgomery Scott, was das betrifft.

Simon Pegg ist ein großartiger Schauspieler. Siehe Shaun of the Dead, siehe Hot Fuzz. Sein Scotty könnte etwas werden, in dieser Neuinterpretation des Montgomery Scott steckt jede Menge noch nicht entfaltetes Potential. In diesem Film ist er haarscharf an der Grenze des Blödsinns vorbeigestreift, was nicht die Schuld von Simon Pegg ist.

Vielleicht liegt es auch an mir und ich bin zu blöd für diese Art Humor. Vielleicht ist der Witz dieses Star Trek Films so verschroben und hinterhältig, das er bei mir mangels Verständnis nur als doof ankommt. Auf der anderen Seite ... Abrams/Kurzman/Orci könnten auch humorlos sein und nur so tun, als wüssten sie, was Pointen sind.

Chris Pine als Kirk ... hm. Die Figur des Kirk war immer ein ignoranter Weltraumprolet, der sein Hirn nicht allzu oft in Verwendung hatte. Aber er war auf seltsame Art nicht unsympathisch und gelegentlich auch mitfühlend und sensibel. Das fehlt dem neuen Kirk komplett. Er ist mir nicht sympathisch. Pine porträtiert einen ehrgeizigen Streberarsch und die Autoren meinen, mit ein paar berechnet gesetzten Witzchen einen Kumpel aus ihm machen zu können. Eindeutig nein. Im übrigen spielt Pine genauso gut wie Shatner, gelegentlich haarscharf an der Schmiere vorbei, manchmal voll hinein. Aber seinem Kirk fehlt es dafür an Charisma.

Affektierte Seelenlosigkeit

Was mich auch gewaltig stört, und da bin ich vielleicht durch Jahrzehnte Star Trek voreingenommen, ist die Beziehung zwischen Spock und Uhura. Das geht gar nicht. Vulkanier werden nur alle sieben Jahre geil und rasten dann total aus. Nennt sich Pon Farr und kann für einen Vulkanier unter Umständen tödlich enden. Alternatives Universum hin oder her, das ist eine Vermenschlichung der Vulkanier und eine sinnlose Verwässerung von Eigenschaften einer der originellsten Spezies in der Science Fiction. Das führt mich zu dem eigentlichen Problem, das ich mit diesem Film habe.

Star Trek ist ein auf dem Reißbrett konstruiertes Vehikel, das danach trachtet, ein komplett neues Zielpublikum zu angeln, als es die Fans der alten Filme und Serien waren. Star Trek ist ein Film für Leute, die nicht älter als Mitte Zwanzig sind, die Vorgängerwerke nicht kennen und eine relativ geringe Spanne an Aufmerksamkeit vorweisen können. Das Zielpublikum sind Personen, die ihre Zeit totschlagen wollen, bis sie sich ins Koma saufen können oder warten müssen, bis die Auserwählten in Stimmung sind für einen Fick. Der Film dient nur als kurzweilige Überbrückung und so sieht er auch aus.

Star Trek ist ein politisch korrekter Film, der seine Hauptfiguren so umgeformt hat, das für so ziemlich jeden anvisierten Zuschauertyp etwas dabei ist. Wandernde Klischeepuppen als Projektionsflächen, kaum mehr. Ein wenig Liebesgeschichte, in wirklich regelmäßigen Abständen jegliche Art von Action in ständig wechselnden Umgebungen, Zwei gleiche Schauplätze, lieber Himmel, da könnte es ja langweilig werden.

Schauwert auf Schauwert auf Schauwert ... atemlos hetzt die Geschichte von einem Szenario zum nächsten. Auf der Strecke bleibt dabei die Größe, eine Grandiosität, die dem Film die Qualität einer Space Opera hätte verleihen können.

Die Inszenierung von JJ Abrams ist schnörkellos auf tolle Bilder und überragende Eindrücke ausgelegt, alles andere wird diesem Effekt untergeordnet. Die Geschichte ist Mittel zum Zweck, die Figuren gibt es, damit die Geschichte erzählt werden kann und alles zusammen zielt darauf ab, die größtmögliche Masse an Zuschauern ins Kino zu locken.

Das ist natürlich nichts Schlechtes. Immerhin hat es Abrams geschafft, tatsächlich einen Blockbuster zu inszenieren. Aber in den meisten Fällen, so wie bei diesem Film, sind eine Menge Kompromisse erforderlich.

Was ich am Team Abrams/Kurzman/Orci nicht leiden kann ist, dass sie ihr Schaffen stets auf Massentauglichkeit ausrichten. Sei es eine Serie wie Alias, sei es Mission Impossible III, oder auch Fringe. Alles hat den Mief von perfekter Abstimmung auf ein maximal erreichbares Publikum.

Ich gehe noch einen Schritt weiter und behaupte, Abrams ist der Quell dieser Berechung des maximal effektiven Einsatzes aller Mittel zur Massenbetäubung. Siehe Cloverfield, den er als Produzent betreut hat. Siehe Armageddon, den er geschrieben hat. (und den kitschigen Mel Gibson Scheiß Forever Young und eine der übelsten Harrison Ford Schnulzen, In Sachen Henry.)

Aber zurück zu Star Trek und Abrams/Kurzman/Orci und der Abstimmung auf die breite Masse: Heraus kommt etwas, das nicht sonderlich überraschend ist, angenehm die Zeit vertreibt und anschließend genauso leicht wieder vergessen wird. Das ist durchaus in Ordnung. Abrams und sein Team sind einfach effektive Unterhaltungsmanager, die verschiedenste Zielgruppenstudien verinnerlicht haben und als Grundlage ihrer Arbeit nehmen.

Ihre Werke sind handwerklich perfekt, von höchster Durchschnittlichkeit und bar jeglicher überraschender Kreativität. Sie sind gerade raffiniert genug, sich mit dem Anschein kreativer Erneuerung zu schmücken, aber ihr Kern ist jeweils ein alter, abgetragener Filzhut. Sie sind keine Künstler, sie sind keine Kreativen, sondern sie managen. Abrams ist der leitende Manager eines Entertainment Teams, das filmische McBurger fabriziert. Fast Food.

Am Anfang wird auf die Tränendrüse gedrückt, um eine emotionale Bindung zu erzeugen. Dieser Moment absoluter Berechnung stößt an dem Film besonders unangenehm auf. James T. Kirk wird geboren, während sein Vater gerade den Heldentod stirbt. Geh bitte, was für ein abgelutschter Kitsch.

Alles was danach folgt, ist eine Reihung von Klischees, die Händchen haltend den Zuschauer umtanzen, schöne Bilder werfen und zahllose Feuerwerke zünden. Keimfrei, jugendfrei, überraschungsfrei. Emotionsfrei.

Alles aus dem Baukasten zusammengestückelt, Szene für Szene aus Dutzenden bewährten Vorbildern zu einem gefälligen Film gematscht. Star Trek ist vollkommen beliebig geworden, austauschbar. Es ist egal, ob ich Star Trek oder Transformers sehe, beides ist laut, lang, bunt, doof. Ob der rebellische, Recht habende, selbstgefällige Arsch, der nach dem Stuhl des Captains strebt, jetzt Kirk oder Quasimodo genannt wird, das ist egal. Uhura kann zwar drei romulanische Dialekte, aber wir bekommen keinen zu hören, weil Nero tadellos Englisch spricht. Und ein Universum ohne den Planeten Vulkan? Man rettet zwar angeblich die kulturelle Geschichte, vernichtet aber die Welt?

Star Trek ohne sich selbst

Abrams und sein Team haben sehr geschickt den Ballast des gesamten Franchise mehr oder weniger abgeschüttelt, um Star Trek zu etwas Neuem zu formen. Dagegen gibt es nicht viel einzuwenden, denn, seien wir ehrlich, der Trek ist nach all den Jahrzehnten müde geworden, keine Frage. Nemesis war ein Versuch, wieder Schwung in die Sache zu bringen, ist aber unverdienterweise gescheitert.

Also konnte ein – was für ein beschissenes Wort – »Reboot«, nicht schaden. Abrams und die Autoren haben den Namen genommen, ein paar der Rosinen des Star Trek Universums herausgepickt und den Rest kurzerhand weggeworfen. Übrig geblieben ist ein beeindruckendes Spektakel, bunt, schön, laut, kurzweilige, unterhaltsame Science Fiction. Ein – noch ein beschissenes Wort – »gepimpter« 80er Jahre Science Fiction Film.

Aber Star Trek ist kein Star Trek Film.

Für mich am bewegendsten waren die (leicht abgewandelten) von Leonard Nimoy gesprochenen, berühmten Worte, die Star Trek eingeleitet haben und die jetzt am Filmende zu hören sind: »Space, the final frontier....!«

Der Rest des Films waren tolle Schauwerte und Action und ... nichts mehr.

Kurz gesagt:

  • technisch toller Film

  • laut, bunt unterhaltsam

  • aber kein Star Trek

Fazit: nicht wirklich schlecht, nicht wirklich gut, irgendwie unterhaltsam, beliebig