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Richard Morgan: Glühender Stahl

Richard Morgan StahlInhalt lt. Buch: Für die meisten ist Ringil ein gefeierter Held und der beste Schwertkämpfer der Tieflande. Für alle, die ihn etwas näher kennen, ist Ringil lediglich ein heruntergekommener Haudegen, der in einem Provinznest seine Zeit mit Schaukämpfen und halbherzigen Affären totschlägt. Als eines Tages seine Mutter, die Herrin seines Klans, in der Tür steht, wird Ringil jäh aus seiner Tristesse gerissen: Er soll eine entfernte Kusine wiederfinden, die in die Sklaverei verkauft wurde. Doch Ringil muss schon bald erkennen, dass seine Kusine nicht nur in einer weit größeren Gefahr schwebt, als alle bisher glaubten - sondern dass diese Gefahr die ganze Menschheit bedroht. Im Verborgenen sind die Dwenda, uralte, gottgleiche Wesen, wieder erwacht, und sie wollen die Herrschaft über die Menschen erneut an sich reißen. Ringils einzige Verbündete gegen die Dwenda sind seine alten Kampfgefährten: Archeth, Tochter eines längst verschollenen Volkes, und Egar, Barbarenhäuptling und Drachentöter. Denn so viel steht für Ringil fest - die Rettung der Welt wird eine blutige Angelegenheit ...



Richard Morgan: Glühender Stahl

(OT: The Steel Remains; 2008) Heyne 03/2010; 574 Seiten; ISBN 978-3-453-52591-7; Übersetzung: Alfons Winkelmann Ausstattung: Trade Paperback

Science Fantasy Sex Epos

Richard Morgan ist den meisten Lesern für seine harten und komplexen Science Fiction Romane bekannt, vor allem für die Werke rund um Takeshi Kovacs. Glühender Stahl ist sein erster Ausflug in die Fantasy und ein Triumph. Morgan hat sämtliche Klischees der Fantasy vermieden, das angestaubte Personal aus Zwergen, Elfen und Orks rausgeschmissen und statt dessen Dwendas und Kiriath angesiedelt, importiert von anderen Welten.

Richard Morgan hat Götter und Magier entmachtet, um sie durch mangelndes Verstehen und aufkeimende Wissenschaft zu ersetzen. Er treibt seine Figuren durch eine zerrissene, von den Folgen mörderischer Kriege geschundene Welt, führt Sklavenhandeln und Absolutismus vor und zeichnet insgesamt ein Zerrbild unserer Welt, wenn auch stark verfremdet so doch deutlich erkennbar.

Richard Morgan ist so weit gegangen, seine Helden von Klischees zu befreien. Archeth, die Tochter des verschollenen Volkes ist ebenso wenig die strahlende oder gebrochene Heldin oder gar die Schurkin wie Egar der Barbarenhäuptling tatsächlich ein Barbar ist. Bis hinunter zu den Nebenfiguren entfernt Morgan die Schimmer der High Fantasy, schmirgelt es rau und ungleichmäßig ab. Und die winzigen Elemente, die zurückbleiben sind als ironischer Kommentar zu verstehen.

Vor allem über Archeth und die Dwenda gewährt Morgen den Einblick in Welten, die äußerst interessant zu sein scheinen. Der Leser erhascht einen flüchtigen Blick auf komplexe Beziehungen zwischen Völkern, die miteinander nicht können und in wechselnden Bündnissen übereinander hergefallen sind und jetzt mit den Folgen zu kämpfen haben.

Der größte Clou des Buches ist jedoch die Hauptfigur, Ringil. Bewaffnet mit einem Schwert, das den absurden Namen Willkommen im Horst der Raben und anderer Aasfresser in den Fußstapfen von Soldaten, vulgo Rabenfreund, trägt, kämpft und fickt sich der schwulste aller Schwertkrieger mit bitterem Zynismus durch das gewaltige Epos. Ringil ist eine komplexe, interessante Figur voller Widersprüche, Selbstzweifel, er besitzt eine umfassende Bildung, hat aber Anfälle von idiotischem Benehmen und ist von ausgeprägter Sturheit. Ein toller Held, weil er so gar nicht dem typischen Helden entspricht.

Schwertkampfporno

Der Roman liest sich wie ein elegantes Ballett zwischen Heldendemontage, Splatterorgie, Pornoschinken und Satire. Ringil benutzt sowohl sein Schwert wie seinen Schwanz um an sein Ziel zu kommen und gebärdet sich zwischendurch wie ein schwuler Conan der Barbar. Sex ist überhaupt ein ziemlich dominantes Thema in diesem Buch. Wenn nicht gerade gekämpft und intrigiert wird, gibt es Sex. Sex in allen Varianten und vor allem sehr explizit.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass Richard Morgan sehr viel Spaß an diesem Buch hatte. Er hat die Fantasy mit der gleichen Leichtigkeit im Griff wie die Science Fiction. Eine gewisse Bitterkeit im Grundton ist trotz Ironie und Komik ständig anwesend. Der Roman trägt unübersehbare soziale Themen mit sich, aber er drängt sie seinen Lesern nicht auf. Wer einfach deftige Fantasy der allerfeinsten Sorte lesen will, viel Vergnügen. Das Buch bietet reichlich.

Eifrige Leser von High Fantasy werden von dem Buch sicherlich weniger angetan sein. Kein Pinup Elf, keine Magier, keine Romantik. Harter Sex, harte Gemetzel, harte Menschen. Richard Morgan hat mit diesem Roman eine neue Seite der Fantasy gezeigt und sie als Trägermaterie für Allegorien auf die Gegenwart tauglich gemacht. Sehr gut. Und noch besser, der Autor lässt dem Leser die Wahl.

Kurz gesagt:

  • deftig, originell, ordinär

  • jenseits aller Klischees

  • großartige Unterhaltung

Fazit: uneingeschränkte Empfehlung

Soweit meine Meinung. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, etc. sind jederzeit willkommen.