Inhalt lt. Buch: Kurz nach einem rassistisch motivierten Mord fällt ein seltsamer, schwarzer Regen auf die Kleinstadt Bixby. Seine warmen Schauer versetzen jeden, der sie auf der Haut spürt, in ekstatische Verzückung.
Doch der Regen weckt auch die pure Mordlust. Polizisten erschießen diejenigen, die sie beschützen sollen, harmlose Passanten fallen über ihre Mitmenschen her.Immer mehr Einwohner werden Opfer dieses unheimlichen Phänomens - erfüllt von Hass und Wut ziehen sie aus, um diejenigen, die den schwarzen Tropfen entkommen sind, zu töten.
Aus ehemals freundlichen Nachbarn werden unbarmherzige Psychopathen und schon bald senkt sich der finstere Regen wie ein Leichentuch über die Stadt.
Richard Laymon: Der Regen
(OT: One Rainy Night; 1991); 10/2009, Heyne Tb; ISBN 978-3-453-67554-4; ca. 446 Seiten Übersetzung: Helmut Gerstberger Ausstattung: Taschenbuch mit geprägtem Cover
[Gesamteindruck: ****]
Vom Ficken & Schlachten im Regen
Klingt ordinär, ist aber so. Darum dreht sich alles in diesem Buch. Der schwarze Regen kommt, berührt die Haut und jegliche Sicherung im Hirn fliegt. Beinahe quälende Lust und der unstillbare Trieb jemanden zu töten reduziert die Betroffenen auf zuckende Bündel nackter Instinkte, auf Tiere. Wobei, tschuldigung, Viecher!
Laymon konzentriert die gesamte Handlung auf eine Nacht, verfolgt abwechselnd mehrere Personen auf ihrem Weg durch die Stadt bzw. beim Versuch, am Leben zu bleiben. Er benutzt ein standartisiertes Personal, wie es dem Leser aus entsprechenden Filmen und Büchern vertraut ist. Der Sheriff, die Kellnerin, der Babysitter, die Outlaws und andere Figuren. Dann mischt er einen Berg Statisten dazu, bewaffnet alle Personen mit unterschiedlichen Gerätschaften und hetzt sie gegeneinander.
Kein Tier würde die Dinge aufführen, die Menschen verbrechen. Was in diesem Buch geschieht, im Laufe einer Nacht, läßt jeden Torture-Porno wie Saw & Co harmlos aussehen. Laymon hat das Talent, auch die Sexkram-Ferkeleien, die man in Erwartung einer Anmache lesen würde, zu etwas abstoßendem, einer ekelhaften Angelegenheit werden zu lassen.
Der Regen vermengt Sex beinahe ausnahmslos mit Vergewaltigung und sadistischen Gewaltphantasien, deren detailreiche Schilderung nicht unbedingt für sensible Gemüter geeignet ist. Messer, Grillgabeln und andere Spielsachen kommen hier gezielt und rabiat schmerzhaft zum Einsatz.
Was die Gewalt angeht – von Zähnen bis zur Schrotflinte, alles, was dem menschlichen Körper Schaden zufügen kann, wird gegen ihn verwendet. Exzessiv. Detailliert geschildert. In Massen. Leichen an jeder Ecke.
Das Tier im Mensch
Keine der Figuren, auch nicht die so genannten Helden, kommen in dem Buch davon, ohne das der Leser einen Blick in die Abgründe ihres Ich geworfen hat. Laymon geht davon aus, das jeder Mensch, egal wie zivilisiert er scheint, im richtigen Moment seine tierische Seite loslassen kann, ein auf Raserei und Blutdurst reduziertes Wesen, gegen das nur mehr der Einsatz von Waffengewalt hilft.
Zu den wenigen positiven Dingen, die es bei Laymon über Menschen zu sagen gibt, gehört, das manche von uns ihre viehische Seite auch wieder in Griff bekommen können.
Magisches, blutgetunktes (Happy) End
Haarsträubend unsinnig und, als wäre es Laymon bewußt gewesen, fast beiläufig, wird die Charade zu einem Ende geführt. Die wirklich totale Unsinnigkeit des Endes ist auch der einzige Schwachpunkt, dem man dem Buch vorwerfen kann. Obwohl es in seiner Art durchaus passend scheint, eine Auflösung dieser Art herzunehmen, spielt sie doch auch gekonnt mit Vorurteilen, Ängsten und Klischees und spiegelt darum wieder, was Laymon letztendlich in den Menschen gesehen hat: Alles, nur nicht viel Hoffnung.
Laymon ist 2001 gestorben. Er war, wie Rex Miller, so wie es auch Jack Ketchum ist, einer jener Autoren, die ihren Pessimismus bezüglich der Menschen explizit zum Ausdruck gebracht haben. Und er hat es verstanden, den grotesk überzogenen und deshalb zeitweise ziemlich erheiternden Gewaltexzessen eine Komponente Unbehaglichkeit beizumengen.
Kurz gesagt:
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radikal in seiner Gewalt
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innerhalb einer Nacht spielend
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schnell und mitreißend geschrieben
Fazit: Laymon wie immer echt lesenswert, nur eine saublöde Auflösung
Danke für das Interesse. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, ect. sind jederzeit willkommen.