Inhalt lt. Buch: Die ferne Zukunft: Die Menscheit hat sich über den Spiralarm der Galaxis ausgebreitet und eine riesige Konföderation, bestehend aus über hundert Planete, geschaffen. Doch nun steht diese Konföderation vor ihrer größten Herausforderung: Die Scaythen - skrupellose Wesen, die mit der Kraft ihrer Gedanken töten können - haben eine der Herrscherfamilien unterwandert und stehen kurz davor, die macht über das gesamte Sternenreich an sich zu reißen. Aber es gibt eine alte Legende: von den "Kriegern der Stille", die das Talent besitzen, sich gegen tödliche Gedankenkraft zu schützen. Nur wenige Menschen beherrschen diese Kunst. Als der junge Tixu Oty eines Tages die mysteriöse Reisende Aphykrit vor einem Scaythen-Kommando rettet, begreift er, dass er einer dieser Auserwählten ist - und das er vor dem größten Abenteuer steht, das das Universum je gesehen hat ...
Pierre Bordage: Die Krieger der Stille
(OT: Les guerriers du silence; 1993) Heyne 06/2007; Trade Paperback; ISBN 978-3-453-53050-8; ca. 752 Seiten; Übersetzung: Ingeborg Ebel Ausstattung: Grossformat mit geprägtem Autorennamen
Ein gewaltiges Science Fiction Epos, bei dem sich der Vergleich mit der Mutter aller SF Epen, Der Wüstenplanet von Frank Herbert, geradezu aufdrängt. Komplex, verschachtelt, mit zahlreichen Handlungssträngen, die sich nach und nach immer mehr ineinander verschlingen. Eine bombastische, barocke Oper.
Der Vergleich mit Herbert ist auf mehrere Arten tauglich: Zum einen verzichtet Bordage auf jegliches modernes Technogebabbel. Wie diverse Apparaturen funktionieren, wie weit gespannt das gewaltige Sternenreich mit seinen tausenden Welten tatsächlich ist, in realistisch anmutenden Angaben, das spielt nur eine untergeordnete Rolle. Das war bei Herbert nicht anders und dort hat es auch funktioniert.
Zum anderen geht es Bordage darum, einfach ein monströs gewaltiges und von phantastischen Einlagen überbordendes Drama von galaktischen Dimensionen zu schildern. Hier übertrifft er Herbert in seiner Vielfalt sogar.
Und zu guter Letzt mischt er seine vorhandene Technologie mit etwas, das sich verdächtig nach Magie und Fantasy anhört, aber aufgrund der barocken Farbenfreude in keiner Weise fehl am Platz scheint.
Der Schwerpunkt dieses Romans ist es. eine knallbunt ausgeschmückte Oper der Welten und Kulturen zu sein, der barocken Monarchien und grössenwahnsinnigen Diktaturen. Der von Sadismus und absolutistischer Intoleranz geprägten Kirche, die ihre Dogmen mit den Mitteln der Inquisiton um jeden Preis vorantreibt.
Eine Kaste, die mittels Gedanken töten kann und so der Kirche des Kreuzes und Herrscherhäusern den Weg zur Allmacht über das Galxien umspannende Sternenreich ebnet. Einzelne Welten und häufiger allein gelassene Personen versuchen, dieses aufkeimende Zeitalter der Unterdrückung aufzuhalten. Eroberer, Eroberte und Widerständler sehen sich dabei von zahllosen internen und externen Intrigen und Machenschaften bedroht und unterwandert.
Was Bordage bewegt sind seine Protagonisten und Antagonisten, ihr Wachsen und Scheitern an ihren Aufgaben und ihre Weiterentwicklung. Überraschend das immer wieder unvermutete Ableben von Hauptfiguren, die Intrigen zum Opfer fallen und auf grausame und bizarre Arten zu Tode gebracht werden. Folter, Sadismus, Intrigentum, Machtgier, Hinterhältigkeit, Kleingeistigkeit und Wahnsinn, darin schwelgt Bordage uneingeschränkt, farbenfroh und detailreich.
Inquisition, Vergewaltigung, Zensur, Sklaverei, Genozid, Verschwendung, Kastendenken, übelstes monarchisches Gebären, in seinem Sternenreich gehören sämtliche negativen Eigenschaften der Menschen zum akzeptierten Alltag.
Leider habe ich übersehen, das es eine Trilogie ist und muss jetzt bis Jänner 09 bzw. Juni 09 auf die Weiterführungen warten, denn der erste Band hört mitten in der Geschichte auf. Was mich wundert ist, das der Roman in Frankreich schon vor 15 Jahren erschienen ist, bevor er auf Deutsch publiziert wurde. Eine relativ lange Zeitspanne.
Ob es an der Übersetzung liegt oder am Autor, der erfolgreich hohes Tempo mit exzessiven Ausschweifungen in der Handlung verbindet, kann ich schwer sagen. Hin und wieder holpert das Buch stilistisch etwas und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als wäre hier oder da ein Geduldsfaden gerissen und so wird ganz abrupt mit einem einzigen Satz das Setting gewechselt oder in der Zeit vorangesprungen.
Aber das sind Kleinigkeiten, die dem Bombast dieser Inszenierung keinerlei Schaden zufügen. Es war höchst erfreulich, wieder einmal eine so schön altmodisch barocke Space Opera zu lesen.
Kurz gesagt:
- bombastische Space Opera
- barock und hypermodern
- fesselnd von der ersten Seite an
Fazit: Absolut lesenswert
Nachbemerkung: Meine Besprechung zur Fortsetzung: Terra Mater
Danke für das Interesse. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, ect. sind jederzeit willkommen.