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Owl Goingback: Dunkler als die Nacht

cover dunklernachtOwl Goingback: Dunkler als die Nacht

(OT: Darker than Night, 1999) Otherworld TB 03/2008; ISBN 978-3-902607-03-4; ca. 350 Seiten Übersetzung: Michael Krug

Mike Anthony, seines Zeichens Bestsellerautor, zieht aus New York fort, in das Haus seiner verstorbenen Grossmutter, in dem er als Kind ein paar Jahre verbracht hat. Irgendwo in einer kleinen Stadt in Missouri, wo die Einwohner den Neuankömmlingen zum teil ablehnend gegenüberstehen. Das die Grossmutter schrullig, ja verrückt war, ist kein Geheimnis. Das sie gegen etwas gekämpft hat, von dem eine mörderische Bedrohung ausging, sehr wohl. Schon bald sieht sich Familie Anthony mit dem Umstand konfrontiert, das Haus nicht mehr für sich alleine zu haben. Denn etwas lauert in den Wänden...

Owl Goingback zu lesen macht Spass. Er schreibt flott, er benutzt verschiedene indianische Mythen, um seinen Geschichten eine ungewöhnlichere Perspektive zu verleihen und er weiss, was er will.

In diesem Buch hat er sich mehr oder weniger komplett ausschliesslich auf die Geschichte der Familie konzentriert und die Aussenwelt, soweit möglich, links liegen gelassen. Das bringt schöne klaustrophobische Stimmung in das Buch, das Gefühl, von aller Welt verlassen worden zu sein.

Der leise Nachteil ist, alle Figuren ausserhalb der Familie verschwimmen zu Schablonen und Andeutungen, was ihren Charakter und ihr Wesen betrifft. Sie bleiben Entwürfe. Hätte Goingback das allerdings alles fein säuberlich aufgearbeitet, wäre er mit einem 1000 Seiten Monster von Roman dagestanden und hätte vermutlich einen Stephen King Thriller geschrieben, was ja nicht der Sinn der Sache war.

Apropos King: Friedhof der Kuscheltiere fällt mir da ein, aber nur bezüglich der Indianermythologie und der - bei King oftmals präsenten - Thematik "Familie in Gefahr". Aber um auch hier das leidige und etwas lästige Vergleichen verschiedener Autoren fortzuführen, Owl Goingback, das habe ich schon bei Crota festgestellt, geht mehr in die Richtung, in der Preston/Child unterwegs sind.

Um es auf den Punkt zu bringen: Auch wenn Owl Goingback das Umfeld der Familie, das ländliche, spiessige Kleinstadtmilieu mit allem, was dazugehört wie böser Prediger, der Verrückte und ähnliche Sujets, bloss andeutungsweise skizziert, schafft er es trotzdem, eine wohlig unangenehme Stimmung zu erzeugen. Dabei spart Goingback nicht mit sarkastischen Anmerkungen zu Kirchen, zu Medien, zu unserer Gesellschaft, wohltuend ohne einen alternativen Lebensweg zu predigen, sondern einfach darauf hinzuweisen, das es schon genügen würde, ein klein wenig öfter den Verstand zum Denken zu benutzen, um einiges im Leben leichter und logischer zu gestalten.

Damit macht er etwas, das mir wirklich gut gefällt und das scheinbar bloss britische und amerikanische Autoren können: eine Botschaft, so denn eine vorhanden sein soll, so zu verpacken, das sie als hübsches Beiwerk daherkommt und nicht mit dem Holzhammer in den Schädel gedroschen wird. Das funktioniert viel besser und erweitert ein Buch um einige Stufen, was die Qualität des Werkes angeht.

Dunkler als die Nacht ist ein sehr schnell geschriebener, sehr unterhaltsamer Roman, dessen Sinn und Zweck darin liegt, für einige Stunden gut zu unterhalten. Wunderbar, wenn ein Autor sich auf dieses Ziel konzentrieren kann und es erfolgreich erreicht. Alles andere sind Bonuspunkte. Das Buch macht Spass, hat einige gute Ideen und ich bin versucht zu sagen - es ist Pulp im besten Sinn des Wortes!

Ich finde es zwar etwas schade, das der Roman nicht als Hardcover erschienen ist, so wie Crota, aber das Taschenbuch ist tatsächlich das perfekte Format für diesen schnuckeligen Horrorroman. Ich werde damit leben müssen, TB und HC nebeneinander im Regal stehen zu haben.

Fazit: Schnell, spassig, lesenswert, eine Empfehlung