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Michael Marcus Thurner: Turils Reise

Turils ReiseInhalt lt. Buch: Im Kahlsack, einem vom Rest des Universums abgeschotteten Sektor, reisen die Thanatologen von Planet zu Planet, um ihren Geschäften als interstellare Totengräber nachzugehen. Sie genießen bei allen anderen Völkern absolute Immunität und bieten weitaus mehr als simple Bestatterdienste: Ausgestattet mit überlegener Technik inszenieren sie planetenweite Leichenfeiern, entsorgen aus der Mode gekommene Götter oder helfen einem abgehalfterten Monarchen über die letzte Schwelle. Turil, der jüngste Spross einer Thanatologen-Dynastie, ist als selbstständiger Leichenbestatter im Kahlsack unterwegs. Er steht jedoch nach wie vor unter der Fuchtel seines strengen Vaters und muss sich außerdem ständig gegen die Intrigen seiner Schiffs-KI zur Wehr setzen. Und dann kreuzt immer wieder eine Spezies seinen Weg, die zur Geisel des Kahlsacks geworden ist und sogar für Turil eine tödliche Gefahr darstellt: die Kitar. Diese unheimlichen Wesen werden offenbar von einer unersättlichen Zerstörungswut getrieben. Sie fallen ohne erkennbaren Grund über Welten her, bringen die gesamte Bevölkerung um und zerlegen die Planeten in ihre Bestandteile. Für Turil geht eine unerklärliche Faszination von dieser Spezies aus, und er will dem Geheimnis der Kitar auf die Spur kommen. Doch er ahnt nicht, was ihn mit diesen Mörderwesen wirklich verbindet ...

Michael Marcus Thurner: Turils Reise

Heyne 10/2009; ca. 416 Seiten; ISBN 978-3-453-52564-1

Gesamteindruck: [*****]



Der Trip des Lesers

Turils Reise ist ein überraschendes Buch. Es überrascht mit seiner Geschichte, die sich immer wieder in Richtungen bewegt, die so nicht absehbar waren. Es überrascht damit, eine Space Opera zu sein, die ohne technischen Detailwahn auskommt und trotzdem die Grandezza dieser Kategorie Science Fiction vorweisen kann. Und das Buch überrascht mit seiner wunderbar verflochtenen Kombination aus Tristesse und Buntheit, Action und innerer Bewegung voll ruhiger Momente.

Turils Reise ist ein Buch randvoll mit originellem Leben. Selten in den letzten Jahren, dass sich ein Autor derart ins Zeug gelegt hat, Lebewesen zu erschaffen, die sowohl originell wie auch gut durchdacht sind. Jeder Planet hat seine ganz eigenwilligen Bewohner, so unterschiedlich wie nur möglich in Gestalt und Geist. Das Schiff, mit dem Turil reist, hat ein eigenes Bewußtsein und ist ebenfalls ein eigener, nur schwer durchschaubarer Charakter. Turils Geschichte selbst wäre einen eigenen Roman wert.

Thurner macht es sich nicht leicht. All seine Schöpfungen sind mit genügend Hintergrund und Umwelt bedacht worden, um glaubwürdige Existenzen zu sein. Innerhalb dieses Kosmos können sie nur in der geschilderten Form existieren. Die Konstruktion ist komplex genug, um dem Autor eine leichte Flucht in eine einfache Lösung zu verwehren.

Das Bindeglied, all diese Schöpfungen dem Leser zu präsentieren, ist der Zeremonienmeister pompöser Begräbnisse, Turil. Durch seine Tätigkeit wird der Leser in die faszinierenden Schöpfungen des Autors eingeführt. Turils Reise wird dabei immer mehr zu einer Jagd nach einem Geheimnis, das eine Bedrohung für alle Lebesformen darstellt. Details und unerwartete Wendungen kristallisieren sich dabei erst nach und nach heraus und so manch scheinbare Nebenfigur ist gar nicht, was sie zu sein scheint.

Das Licht der Phantasie

Thurners Buch ist ein wunderbares Leseerlebnis. Die Lebewesen zu entdecken, die Reise und ihre Irrwege zu verfolgen, all das bereitet unheimlich viel Freude bei der Lektüre. Der Roman liest sich flüssig, strebt zügig voran und ist mit zeitweise eigenwilliger, wiewohl passender Wortwahl geschmückt. Gelegentlich läßt sich an der Verwendung der Sprache die Wiener Herkunft des Autors erahnen.

Thurner strickt Turils Verwicklungen um einen dicken Handlungsstrang, in dem alle Nebenhandlungen hineingewickelt werden. Etwas, das dem Buch eine konzentrierte Form verleiht, obwohl es sich der Autor glücklicherweise nicht nehmen läßt, in wundersamen Details zu schwelgen.

Eine klassische Reiseerzählung

Turils Reise ist im Kern eine Quest, das Grundmotiv zahlloser Romane. Was der Autor daraus gemacht hat, hebt dieses Buch aus den Massen ähnlich konzipierter Geschichten hervor. Er hat es bis zum Rand mit Begegnungen zum Staunen gefüllt. Er schafft es, seinen Leser neugierig Seite für Seite verschlingen zu lassen und sich an der bunten Vielfalt zu laben.

Zumindest ging es mir so. Für mich war dieses Buch eines der erfreulichsten Leseerlebnisse des letzten Jahres und die Entdeckung eines tollen Autors. Thurner ist den Lesern von Perry Rhodan wohl bekannt, er ist einer der zahlreichen Autoren, die derzeit an diesem nie enden wollenden Konstrukt schreiben, aber dieses Universum hat sich mir, trotz mehrfacher Versuche, nie erschlossen.

Turils Reise entläßt mich als glücklichen Leser, erfüllt von sabbernder Gier nach einer Fortsetzung.

Kurz gesagt:

  • originelles, buntes Universum

  • spannende, komplexe Geschichte

  • faszinierende Schöpfungen

Fazit: grandioses, absolut lesenswertes Buch

Vergleichsmöglichkeit (höchst subjekiv): als hätte John Meaney einen John Scalzi Roman geschrieben.



Danke für das Interesse. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, ect. sind jederzeit willkommen.

 

Kommentare

Interessant. Im deutschen

Interessant. Im deutschen Perry Rhodan Forum wird das Buch in Stücke zerfetzt. Das hier klingt aber ganz anders. Vielleicht doch ein lesbares Buch.