Mark Nykanen: Der Fallensteller
(OT: Search Angel, 2005) Limes HC 2007, ISBN 978-3-8090-2472-9, 384 Seiten
Suzanne Trayle ist Spezialistin darin, Adoptivkinder und leibliche Eltern zusammenzuführen. Doch es taucht ein extrem brutaler Killer auf, der es auf Frauen abgesehen hat, die ihre Kinder weggegeben haben. Dann holt sich der Killer auf brutalste Weise Suzannes Datensammlung. Sie überlebt und setzt alles daran, dem Killer eine Falle zu stellen, nicht wissend, das er ihr schon einen Schritt voraus ist ...
Mark Nykanen benutzt eine fein geschliffene, schwere Axt. Damit hämmert er seinem Leser voller Wucht in den Kopf. Sein Buch ist von rabiater Brutalität mit krankhaft erscheinenden Zügen. Das Schlimme daran ist, man kann den Mörder, der kapitelweise aus der Ich-Perspektive erzählt, durchaus verstehen, auch wenn das pervers erscheint. Was er den Frauen antut ist von grausiger Konsequenz und ekelhafter Logik.
Das erste auf Deutsch übersetzte Buch von Nykanen, Totenstarre, war vielleicht einen Tick eleganter ausgefeilt, was die Handlung betraf, hatte dafür darin einen dummen Schnitzer vorzuweisen. Überdies spielte es, um es so auszudrücken, mit unangenehmen Elementen der Minderjährigkeit.
Der Fallensteller verzichtet darauf zugunsten der gradlinigen Brutalität, dem simplen Morden, das durch die hervorragend geschilderten Zwänge und Psychosen unabwendbar ist. Das kann Nykanen wirklich ausgezeichnet. Die kranke Welt des Killers vollkommen verständlich und nachvollziehbar erscheinen lassen.
Muss ich mir jetzt Sorgen um mich machen?
Diese Gradlinigkeit, der "Mangel" an ausgefeilter Handlung, ist aber rein logisch aus der Persönlichkeit von Protagonist und Antagonist zu erklären. Insofern ist diese leichte Simplifizierung der Handlung schon wieder bewundernswert, da sie bewusst eingesetzt ist, etwas, das bei den meisten Thrillerschreibern aufgrund mangelnder Fähigkeit passiert.
Auch dem Limes Verlag kann man ein dickes Lob aussprechen: Die zwei bisherigen Buchcover weisen ein gefälliges, sehr passendes Autorendesign auf. Zwar ein idiotisches Detail, aber trotzdem: Im Regal daheim macht sich das verdammt gut und das ist wohl auch wichtig. Mark Nykanen besitzt zwar nicht diese morbide Eleganz, die Cody McFadyen vorweisen kann, aber seine derbe Perversion hat ihren ganz eigenen Reiz.
Fazit: Spannend, lesenswert.