Beinahe 30 Jahre nach Inferno, dem nach Suspiria zweiten Teil der Trilogie um die drei Mater, furzt Argento den letzten Teil und so unendlich Leid es mir tut, das zu sagen, aber es geht einfach nicht anders: Der Film ist ein Schas! Echt! Es ist wirklich kein gutes Zeichen, wenn man sich beim Betrachten darüber Gedanken macht, ob Asia Argento weicher als noch vor ein paar Jahren erscheint, was für eine tolle Frau sie ist und wenn Dario Argento dann auch noch ihre Brüste filmt ... hm? Was? Film? Oh, der Film! Ups!
La Terza Madre: The Third Mother
(OT: La Terza Madre) It 2007; 2.35:1; ca. 97min B+R: Dario Argento M: Claudio Simonetti D: Asia Argento, Daria Nicolodi, Moran Atias, Udo Kier
Splatter: [***]
Story: [*]
Kultfaktor: [*]
Gesamteindruck: [**]
Dario Argento ist alt geworden. Alt und lustlos. Dario Argento dreht immer noch Splatter. Horror. Obwohl der nichts mehr mit dem Inhalt der Filme zu tun hat. Er filmt immer noch nackte Brüste und dralle Hintern. Und er hat in diesem Film ein paar grotesk brutale Morde aufgenommen. Er ist inzwischen pathologisch grausam. Aber langweilig. Und er arbeitet daran, seinen Ruf endgültig zu zerstören.
Guten Tag, hier ist der italienische Uwe Boll
Lieber Himmel, Dario! Warum drehst du überhaupt noch Filme, wenn sie dich so wenig interessieren? Du bist der Mann, der in Opera mit der Kamera einer Pistolenkugel gefolgt ist, aus dem Lauf, durch einen Türspion in ein Auge, durch den Kopf und wieder hinaus...! Du bist der Regisseur, der die hübsche Jennifer Connelly mit hübsch ekeligen Maden und Leichen konfrontiert hat. Der in Tenebre eine vollkommen irre Kamerafahrt um und in ein Haus mit der treibenden Musik von Goblin kombinierte.
Nie waren Sex und Gewalt verführerischer in ihrem Zusammenspiel als in einem Film von Dario Argento. Tenebre, Suspiria, Opera, Inferno, Phenomena, Profondo Rosso. Großartige, kunstvoll gestaltete Filme voller Fetischismus, Angst und Gewalt. Dieser wunderbare, poppig aufgepeppte Gothic Horror seiner Filme, die im Kontrast dazu oftmals extrem unterkühlten Bilder, die Vermengung von psychosexuellen, pathologischen Fetischen, der Farbenrausch und die Morde, die Musik von Goblin.
Und dann dieser Film: Suspiria drehte sich um Mater Suspiriorum und spielte in Freiburg. In Inferno ging es um Mater Tenebrarum in New York und jetzt der Abschluß, Mater Lacrimorum in Rom. Ich habe den Film lange rausgezögert, weil die bisherigen Reaktionen von Begeisterung bis Kotzen gereicht haben und verstehe jetzt, warum. Zu sagen, das knausrige Budget wäre Schuld an diesem Desaster, ist wohl eine zu simple Ausrede, denn es ist nicht nur das Budget.
Extreme 80er Jahre Emo-Goth-Punks?!? Vollkommen sinnlose und so absolut schäbig, billig, idiotisch wirkende Einlagen dieser Frauen, wie sie durch die Gegend pöbeln. So, als würden die Filme immer noch aussehen wie zur Hochblüte der Bud Spencer Terence Hill Klamotten. Die Gewalt, die in Rom ausbricht? Eine Handvoll Statisten die sich bemüht, mit dem zertrümmern von Schrottautos Action zu spielen? Der haarsträubend holprige Schnitt des Films mit all den unlogisch wirkenden Anschlüssen?
Kacke am Dampfen
Wie kann Mater Lacrimorum, als gerade frisch und irrtümlich wieder erweckte Hexe billige Silikonbrüste zur Schau stellen? (wirklich billig, so ein richtig unecht aussehender amerikanischer Plastikbusen) Das ist die Hexe, die im Film einmal als wunderschön bezeichnet wird? Mater Lacrimorum verkrümelt sich in einen Keller eines verfallenen Hauses? Ihre Anhänger, ihr Kult, die schlimmste Gruppe billiger Statisten der letzten Jahre? Geh, bitte! Das darf doch nicht wahr sein

Ja, ich liebe derbe Splatterszenen in Filmen. Aber herrje... wenn eine Person einer anderen mit den Zähnen den Darm aus dem Arsch zieht, eine andere sich lustvoll windet, während ihr der Rücken längs der Wirbelsäule aufgeschnitten wird und andere Leckereien dieses Kalibers präsentiert werden, dann stellt sich mir schon die Frage: Hä? Dario?
Wie gesagt, das ist für sich genommen alles in Ordnung, aber La Terza Madre läßt alles andere vermissen: Spannung, schöne Bilder, Dialoge, die kein Ohrenbluten verursachen, Tempo, irgend etwas. Und das Finale, meine Fresse. Es reicht, einen mit magischen Symbolen bestickten alten Fetzen vom Leib der Hexe zu reißen und ins Feuer zu werfen, um den ganze Spuk zu beenden? Ein billiger CGI Effekt noch hinten drauf und aus die Maus! WTF?
Was zum Teufel ist mit Argento passiert? Sein Phantom der Oper (1998) war ja schon grenzwertig schlecht und auf die Brüste von Asia Argento konzentriert. Bei Non ho sonno (Sleepless) (2001) hat er sich scheinbar wieder gefangen, um dann mit The Card Player 2004 wieder auszurutschen, einen Fernsehfilm zu drehen und dann zwei Episoden für die Masters of Horror Serie, nämlich Jenifer (2005) und Pelts (2006), wobei ersterer wirklich absolut Scheiße ist und nur mehr aus derbem Sex und Kannibalismus an Kinderleichen besteht und keinerlei Sinn und Verstand besitzt. Pelts ist ... ja, es gibt ihn eben. Trauma (1996) ist meiner Einschätzung nach der letzte halbwegs brauchbare Argento Film.

Kotz dich aus
Nochmal, kein Problem mit Splatter. Aber bemerkenswert ist schon, das mit abnehmender Qualität der Filme die Exzesse in ihrer Brutalität und Abartigkeit zunehmen. Von der Eleganz und der übertriebenen, originellen Art, die Figuren zu Tode zu bringen, wie man es von Dario Argento gewohnt war, ist nichts übrig geblieben. Einfach nur derbe Grausigkeiten, Hauptsache, der Zuschauer verspürt den Würgereflex des Erbrechens.
Der erste Mord in La Terza Madre findet nach knapp 8 Minuten statt. Dabei werden dem weiblichen Opfer mit einem Schlag alle Zähne im Mund zertrümmert und sie bekommt einen Bauchstich verpaßt, steht nochmal auf, ihr fallen die Gedärme aus der Stichwunde, ehe sie mit ihrem eigenen Darm schlußendlich erwürgt wird. Bäh!
Spätestens mit dem Auftritt von Udo Kier muß selbst dem größten Optimisten klar sein, das der Film nicht mehr zu retten ist. Kier, verlässlicher und im Grunde guter Darsteller in zahllosen Filmen, liefert als Priester eine derartige Schmiere von Darstellung ab, wie sie seit den seligen 80er Jahren C-Movies kaum mehr zu sehen war. Das er den kurzen Auftritt nicht überlebt ist wohl klar. Sein Tod ist ebenfalls absolut grausig inszeniert und das nur Augenblicke nach jener Szene, in der man gerade begriffen hat, das die Mörderin ihr Kind halb aufgefressen hat. Bäh!
Asias hoffnungsloser Rettungseinsatz
Aber Asia Argento ist eine sehr attraktive Frau und ihr zuzusehen, wie sie reglos und gelangweilt durch die Szenerie holpert und läuft, auf ihren hübschen Pumps, naja, das entschädigt letztendlich nicht für diese groteske Mischung aus ärgerlicher Langeweilie und sinnloser Gewalt, die der Film darstellt. Und wenn nichtmal mehr Asia Argento unter der Dusche hilft, hilft gar nichts. Aber ihre Pumps, die haben es in sich. Sie hätten auch beinahe für eine der wenigen stimmigen Szenen gesorgt, wenn Dario nicht so schlampig gewesen wäre.
Ein Film für die ganze Familie
Von der lachhaften Einlage mit Daria Nicolodi als Gespenst reden wir gar nicht erst. Nicolodi spielt hier die Mutter von Asia, ist es auch in Wirklichkeit, so wie sie die Exfrau von Dario ist. Claudio Argento, Darios Bruder, war auch noch an diesem Debakel beteiligt. Ein echter Familienfilm also.
Auch ein Rätsel für mich ist die Musik von Claudio Simonetti. Langweilig, uninspiriertes Gedudel, das in jeden Film hineingestopft werden könnte. Hallo?!?!?!? Simonetti = Goblin = Stimmung = unverwechselbare Themes. Bei diesem Film funktioniert nicht einmal das mehr. Seufz.
Nun, was kann ich noch zu La Terza Madre sagen? Bei einem unbekannten Regisseur, bei einem Amateurfilm in der Liga eines Olaf Ittenbach, da hätte ich mich nicht aufgeregt. Aber das ist ein Werk von Dario Argento und dieser Mann hat immerhin Filme gedreht, die für die Bildsprache von Horrorthrillern wegweisend waren. Er hat elegante Kamerabewegungen und Kreativität in den Horror gebracht. Seine Stärke waren weder die Führung von Schauspielern noch vollständig durchdachte Geschichten, aber seine handwerkliche Meisterschaft hat diese Mängel immer verdeckt. Hier wurden sie vollkommen entblößt. Das ist bitter.
Kurz gesagt:
-
krankhaft brutal
-
grauenhaft inszeniert
-
Asia kann nichts retten
Fazit: Eine herbe Enttäuschung