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Karl Schroeder: Planet der Sonnen

Karl Schroeder SonnenInhalt lt. Buch: Das Universum in ferner Zukunft: Die Welt namens Virga besteht aus tausenden kleiner Asteroiden und Himmelskörper, die um einen zentralen Stern kreisen. Dessen Licht und Gravitationskraft sind allerdings schwach, und so haben die Menschen, die diese Welt bevölkern, nicht nur damit begonnen, sich selbst künstliche Sonnen zu bauen und künstliche Schwerkraft zu erzeugen, sondern auch, sich darum aufs heftigste zu bekriegen - denn Licht und Gravitation sind kostbar. Der junge Hayden Griffin muss das auf bittere Weise erfahren, als seine Eltern bei einem Angriff des feindlichen Staates Slipstream umkommen, der die neu gebaute Sonne der Nation Aerie zerstören sollte. Hayden schwört blutige Rache. Sein Ziel: der Tod von Admiral Chaison Fanning, dessen Luftflotte für den Angriff auf Aerie verantwortlich war. Doch während Hayden seinem Ziel gefährlich nahe kommt, tritt ein Ereignis ein, das Haydens Schicksal für immer verändern wird und das möglicherweise die größte aller Fragen beantworten kann: Was für eine Welt ist Virga eigentlich - und wer hat sie gemacht?



Karl Schroeder: Planet der Sonnen

(OT: Sun of Sons; 2006) Heyne Tb; 03/2010, 447 Seiten; ISBN 978-3-453-52626-6; Übersetzung: Irene Holicki; Ausstattung: Taschenbuch

Dampfschiff-Utopie

Um Steampunk handelt es sich bei Planet der Sonnen eindeutig nicht. Der Roman, Auftakt einer Serie, ist ein ganz eigenes Geisteskind. Der Reiz der Geschichte ist der kuriose Widerspruch von Virga selbst: einerseits technisch in einer frühen Entwicklung stecken geblieben, vielleicht mit Anfang 20. Jahrhundert zu vergleichen. Andererseits die künstlichen Sonnen, die eine technische Meisterleistung darstellen, die den Bewohnern der Hohlwelt namens Virga gar nicht zuzutrauen ist.

Virgas Technik hat etwas archaisches und post-apokalyptisches an sich: schwerter und Verbrennungsmotoren, Enterhaken und Pistolen, hölzerne Raumschiffe und mit Seilen aneinander gebundene Habitatringe. Eine wilde Melange von unvereinbaren Elementen, die hervorragend zusammenpassen. Ein funktionierender Widerspruch.

Was? Wie? Warum? Das sind die entscheidenen Fragen, die sich nach und nach dem gar nicht heldenhaften Helden stellen, dessen schlimmster Feind in manchen Augenblicken niemand anderer als er Selbst zu sein scheint. Der Versuch, Antworten zu finden, artet in die quietschbunte und spannende Geschichte aus, die eine Art Low-Tech Space Opera geworden ist.

Das Boot

Vielleicht kann man so erklären, was die Faszination des Buches ausmacht: Man nehme das Wirrwarr der Intrigen und Täuschungsmanöver aus Piraten der Karibik, mische in den Schlachtszenen Das Boot hinein, schüttle durch Corioliskräfte und unterschiedliche Schwerkrafträume bedingte kuriose Effekte hinzu und mixe den Cocktail in eine kräftige Melange aus Rachsucht. Jugendliche Unbedarftheit, Liebe, Mord und Enttäuschung sind in diesem Fall natürliche Geschmackskomponenten.

Dieses bunte Mischmasch hat einen sehr leckeren, vielschichtigen Geschmack. Es schmeckt nach spannendem Abenteurroman in einem fremdartigen und faszinierenden Universum. Als Sahnehäubchen mitsamt Schirmchen sind da noch Anspielungen auf vertraute irdische Elemente enthalten, die wahrscheinlich Sinn machen, aber in diesem ersten Buch noch nicht näher erklärt werden.

Planet der Sonnen steckt voller liebevoller Details, die ausführlich geschildert werden, ist voll von Leben, prall gefüllt mit Action und Tempo. Langeweile kommt in keiner Sekunde auf. Dabei verzichtet der Roman keinesfalls auf einen gewissen Anspruch. Die Eigenwilligkeit von Virga und die daraus resultierenden Phänomene stellen immer wieder eine vergnügliche Herausforderung an die Vorstellungskraft dar.

Sonnensturm

Planet der Sonnen macht Spaß. Das Buch ist auf vertraute Art neu und auf jeden Fall in seiner Form als physikalisch realistischer (im Rahmen der Geschichte) Abenteuerroman auf der originelleren Seite daheim. Die Figuren sind gut erdachte, sehr unterschiedliche Charaktere, die etliche Überraschungen parat haben und stets glaubwürdig bleiben.

Mit einem Satz: Ein clever durchdachtes Konzept sehr gut ausgeführt.

Auch sehr positiv zu verbuchen ist der Umstand, das man den Roman als beendet sehen kann, wenn man das möchte. Zwar werden nicht alle Rätsel gelöst und Schicksale geklärt, aber das Ende ist trotzdem befriedigend, falls man nicht den nächsten Band weiterlesen möchte.

Kurz gesagt:

  • origineller Weltenentwurf

  • faszinierende Geschichte

  • vielversprechend bezüglich Fortsetzungen

Fazit: unbeschwertes Lesevergnügen, absolut empfehlenswert

Soweit meine Meinung. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, etc. sind jederzeit willkommen.