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Jonathan Barnes: Königshaus der Monster

Cover Jonathan BarnesInhalt lt. Buch (Rückseite): Glauben Sie diesem Buch kein Wort! Es kündet vom letzten Krieg, vom Untergang des britischen Königshauses, von der Vernichtung unserer Welt. Es treiben Serienkiller ihr Unwesen, die sich wie Schuljungen kleiden, Männer mit Fischköpfen, mörderische Rockmusiker und körperlose Agentinnen. Und da ist Henry, ein Archivar im öffentlichen Dienst, dessen Leben bisher langweilig und ereignislos war. Er ist auserwählt, dem Grauen Einhalt zu gebieten. Doch Sie dürfen ihm nicht vertrauen! Er ist ein Lügner. An seinen Händen klebt Blut - das Blut der ganzen Welt.



Jonathan Barnes: Das Königshaus der Monster

(OT: Domino Men; 2008) Piper Tb 03/2010; 396 Seiten; ISBN 978-3-492-26750-2; Übersetzung: Biggy Winter; Ausstattung: Taschenbuch

In der Theorie ...

... haben wir hier eine gute Geschichte mit einigen sehr witzigen und guten Ideen, eine Geschichte, die sich aus der bürokratischen Enge einer Behörde bis hin zu einem nahezu apokalyptischen Finale hocharbeitet. Das Buch ist nicht unbedingt auf lustig getrimmt, was mein ursprünglicher Eindruck war, sondern lebt von skurrilen Momenten, die sich aus Handlung und handelnden Personen ergeben.

Die zwei Killer in Schuluniform sind so ein Beispiel. Das, was zwischen Henry und seiner Vermieterin abläuft, ist ebenfalls situationsbedingte Komik. Und das kaum verkennbare britische Königshaus in seiner Schrulligkeit lässt schmunzeln. Für Briten sicher sehr lustig. Aber wie gesagt, das ist kein Buch, das unbedingt lustig sein möchte.

Cool, um es mal so auszudrücken, ist, dass kaum eine Figur das ist, was sie zu sein scheint und das sich nach und nach ein wildes Geflecht aus Beziehungen entblättert. Wenn Jonathan Barnes eines wirklich gut gelungen ist, dann diese Menge an merkwürdigen Personen, die durch die Seiten stolpern und die gelegentlichen Einschübe mitten in der Geschichte, die daran zweifeln lassen, ob denn unser Held überhaupt die Wahrheit erzählt ...

In der Praxis ...

... hat das Buch eine entscheidende Schwäche: Den Erzählstil von Barnes. Ich würde das als Ankündigungsschreibe bezeichnen. Für meinen Geschmack enden viel zu viele Kapitel damit, dass Henry meint, wenn er gewusst hätte, dass – und darauf folgt dann etwas apokalyptisches. Leider wird dieses große angekündigte Bedrohung dann nie in der Form umgesetzt.

Auch die etwas steife Art, Details oder Gedankengänge einzuflechten oder eine kleine Schilderung hinzuzufügen, bremst das Lesetempo beträchtlich ab und raubt dem Buch damit bis zu einem gewissen Grad an Spannung.

In der Theorie mündet das Buch in eine sehr liebevolle Parodie auf H. P. Lovecraft, die, wie auf Seite 2 im Buch angeführt, Spuren von Neil Gaiman und Clive Barker aufweist. Wobei ich einwenden möchte, Clive Barker in seinen sanften fünf Minuten. Aber Kafka und Conan Doyle? Wirklich?

In der Gesamtheit ...

... ist für mich ein Buch geblieben, das ich vorwiegend der wirklich guten Ideen und skurrilen Figuren wegen gelesen habe. Das hat mir wirklich gut gefallen. Zwischendurch beinahe das Handtuch geworfen habe ich zweimal, weil mich die umständlich anmutende Erzählweise immer wieder ausgebremst hat. Für die paar hundert Seiten habe ich ein Drittel länger gebraucht, als ich es gewöhnt bin und das bei einem Buch, das keine sonderliche Herausforderung an den Intellekt stellt, sondern auf Unterhaltung aus ist.

Irgendwie sehr schade wegen der, ich wiederhole mich, guten Ideen.

In der Qualität des Buches ...

... aua! Ich lese Bücher entspannt und gemütlich, aber sie sehen danach trotzdem wie neu aus. Hin und wieder gibt es unrühmliche, aber nicht unerwartete Ausnahmen. Dass ich jetzt allerdings ein Piper Taschenbuch mit verzogenem Rücken daheim habe, überrascht mich schon etwas.

Kurz gesagt:

 

  • etliche wirklich coole Ideen
  • leider bremsender Erzählstil
  • gemischter Gesamteindruck

 

Fazit: ein etwas gespaltenes Leseerlebnis



Soweit meine Meinung. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, etc. sind jederzeit willkommen.