Inhalt lt. Buch: Ein schwarzer Chevy rollt durch die Nacht und hinterlässt eine Spur des Grauens. Wer immer den Nightrunners begegnet, muss mit dem Schlimmsten rechnen. Ihr Ziel ist ein einsames Ferienhaus, in dem Becky und ihr Mann über ein traumatisches Ereignis hinwegzukommen versuchen. Doch das Schlimmste steht ihnen noch bevor.
Joe R. Lansdale: Der Gott der Klinge
(OT:The God of the Razor; 2007), Heyne TB 12/2008; ISBN 978-3-453-6755-5; ca. 400 Seiten; Übersetzung: Walter Hartmann u. Frank Darbock Ausstattung: Einleitung u. sämtliche Vorworte von Joe R. Lansdale
Gesamteindruck: [*****]
Vorab Erstens: Joe R. Lansdale ist ein böser, ausgezeichneter Autor, der in der englischsprachigen Welt in einer Reihe mit Richard Laymon, Jack Ketchum und Co gereiht wird. Was ihn auszeichnet, ist streckenweise bizarrer Humor. Bubba Ho-Tep, der wunderbare Film über eine ägyptische Mumie in einem texanischen Altersheim, die dort Elvis und einen Schwarzen, der glaubt, JFK zu sein, in Atem hält, ist einfach ein Meisterwerk der liebenswerten Schrulligkeit. Nach einer Erzählung von Joe R. Lansdale.
Vorab Zweitens: Auf dem Umschlag der deutschen Ausgabe das Wort Thriller zu
lesen, ist eine ziemlich grenzwertige Sache. Zum einen enthält das Buch einen Roman und sechs thematisch dazu gehörende Erzählungen. Zum anderen, das Hauptwerk ist ein Roman mit übernatürlichen Elementen, die eindeutig dem Horror zuzuorden sind und zwar im Clive Barker‘schen Sinne, sprich, Hellraiser-artig. Von daher ist der Begriff Thriller etwas irreführend, Thrillerleser werden weniger Freude mit dem Buch haben.
Auf das Maximum reduziert
So, jetzt endlich zum Buch selbst: Großartig. Sadistisch. Krankhaft. Ekelerregend. Unglaublich brutal. Gestört. In sich logisch und konsequent, mit einem wirklich großartigen Element, dem Gott der Klinge. Das ist eine Figur purer, auf das Maximum reduzierter Bösartigkeit, die wunderbare Schauder der Unbehaglichkeit auslöst.
Wir wandern als Leser durch die Psychen mehrer vollkommen derangierter Jugendlicher, die mit einem schwarzen Wagen durch die Nacht streifen und sich in Sadismus, Vergewaltigung und Folter üben. Wir nehmen teil an der Verstörtheit einer Frau, die eine Vergewaltigung durch diese Bande überlebt hat und jetzt versucht, ihre Sinne wieder zu sammeln. Wir streifen durch etwas, das entweder widerwärtige Realität oder abscheuliche Geistesstörung ist.
Irritation pur
Lansdales Roman, der im übrigen den Originaltitel Nightrunners trägt, ist kein Buch, das seinen Leser unberührt zurück in die Realität entlässt. Es ist ekelig, es ist ordinär und es ist die meiste Zeit über schauderhaft realistisch von dem her, was passieren kann. Manche der Sachen begegnen einem gelegentlich in den Nachrichten.
Die Erzählungen drehen sich alle mehr oder weniger direkt um den Gott der Klinge. Besonders bemerkenswert ist dabei die Story Nicht aus Detroit, die ein nebensächliches Element des Romans nimmt und zu einer eigenen Geschichte ausweitet, die erstaunlich milde, liebenswert und auf heiter-melancholische Art berührend. Das zottelige Haus ist vollkommen durchgeknallt und überraschend anders. Die titelgebende Erzählung Der Gott der Klinge ist ebenfalls auf einem Element des Romans aufgebaut und schön fies. Insgesamt würde ich bis auf die letzte und neueste Geschichte, die mehr wie ein Prolog für eine Fortsetzung von Nightrunners daherkommt, alle Erzählungen als uneingeschränkt lesenswert bezeichnen.
Meister der Kurzgeschichte
Lansdale ist bei uns leider nicht sonderlich bekannt. Es gab zwar den Roman Nightrunners vor vielen Jahren einmal als Taschenbuch, auch Dumont hatte in seiner längst aufgelassenen Reihe einen seiner Thriller, aber sonst erscheinen nur einige seiner Bücher in kleineren Verlagen wie Shayol und fanden außerhalb von Sammlerkreisen kaum Leser. Hoffentlich ändert dieses Buch etwas an seinem Status, denn es gilt, einen bei uns unbekannten Autor mit ganz scharfem Blick für Bösartigkeit, Witz und Absurdität zu entdecken, wovon etliche englische Sammlungen von Erzählungen zeugen.
Kurz gesagt:
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wirklich starker Roman
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sehr gute Erzählungen
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tolles Buch um Lansdale zu entdecken
Fazit: absolut eine Empfehlung
Danke für das Interesse. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, ect. sind jederzeit willkommen.
