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Guillermo del Toro & Chuck Hogan: Die Saat

Guillermo del Toro Die Saat

Inhalt lt. Buch: Das Ende der Welt beginnt. New York, John-F.-Kennedy Flughafen. Eine Maschine aus Europa landet - und kommt unvermittelt zum Stehen, alle Lichter gehen aus, der Funkkontakt bricht ab. Was ist geschehen? Ein Terroranschlag? Ein Seuchenausbruch? Oder etwas ganz und gar Unvorstellbares... ... ...

Guillermo del Toro & Chuck Hogan: Die Saat

(OT: The Strain; 2009) Heyne HC 2009; ca. 524 Seiten; ISBN 978-3-453-26639-1 Übersetzung: Jürgen Bürger, Kathrin Bielfeldt Ausstattung: Hardcover, Lesebändchen, geprägter Umschlag



Gesamteindruck: [****]

Sie waren immer hier. Unter uns. Sie haben gewartet. In der Dunkelheit. Jetzt ist ihre Zeit gekommen ... Schreit der Klappentext in blutroten Lettern. Recht hat er!

Guillermo del Toro ist ein begnadeter Regisseur und Drehbuchautor. Blade II, Pan‘s Labyrinth, Hellboy I & Hellboy II, The Devil‘s Backbone, Cronos, um einige seiner Filme zu nennen. Derzeit arbeitet del Toro daran, für Peter Jackson in Neuseeland Der Hobbit zu verfilmen. Del Toro hat einen Sinn für Tempo, für Settings, für poetische Momente und für Geschichten, die in klassischen Situationen ihren Ausgang nehmen, um sich dann Schritt für Schritt zu etwas Unerwartetem zu wandeln.

Der milde Schrecken des vertrauten Terrains

Die Saat folgt dieser Tradition. Der Roman startet mit einer kurzen Einführung in eine rumänische Legende, um dann mit einer unheimlichen Begegnung zu eröffnen. Auf dem JFK Flughafen von New York landet ein Flieger aus Europa, rollt aus und verdunkelt. Nichts und niemand rührt sich. Als endlich eine Spezialeinheit ins Innere der Maschine vordringt, findet sie sämtliche an Bord befindlichen Personen tot vor, ohne sichtbare Verletzungen. Aber der Schein trügt.

Soweit die klassiche Eröffnung, der dann ein Reigen von Figuren folgt, die sich in unterschiedlichen Ausgangssituationen wiederfinden und deren Handlungen sich Schritt für Schritt zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Das ist alles sehr klassich, fast bieder, möchte man meinen. Aber Die Saat ist der erste Band einer Trilogie und das Finale dieses Buches deutet einige interessante Entwicklungen an.

Überdies sind die Kreaturen, die man vorläufig einmal mit dem Hilfsausdruck Vampire benennen kann, eine recht interessante Schöpfung. Zum ersten gibt es eine Agenda. Zum zweiten haben sie nichts mit der romantischen Twilight Scheiße zu tun. Zum dritten sind sie Kreaturen, die eine Verschmelzung mehrerer Schreckgestalten mehr ähneln als dem klassichen Onkel Spitzzahn.

Spiel mit mir Verstecken

Es kann das Vergnügen nur steigern, die Filme Blade II sowie 28 Days Later gesehen zu haben. Es ist auch ein Vergnügen über eine Figur zu stolpern die den Namen Eldritch Palmer trägt. (siehe Philip K. Dick: Die drei Stigmata des Palmer Eldritch) Das ist vielversprechend.

Der Roman hat ein hohes Tempo, ist sprachlich schnörkellos und nur etwas komplexer wie ein Drehbuch geschrieben, bietet viel Action, eben diese sehr netten Anspielungen und bewegt sich szenenweise auf dem klassichen Terrain von Guillermo del Toro: Vergangenheitsbewältigung, Kindheitstrauma, die Selbstverständlichkeit des Übernatürlichen, die Suche nach dem ewigen Leben, die begleitenden Katastrophen. Kinder in Ausnahmesituationen. Bedeutungsschwangere Orte. Mutationen. Ich kann für mich sagen, beinahe aus jedem der Filme des Regisseurs ein Motiv wiedererkannt zu haben.

Hut ab vor dem dicken Mexikaner

Vor allem für Mutationen hat del Toro einen Faible, er zeigt sie in seinen Filmen sehr gerne und er schildert sie im Buch auch recht deutlich. In gewisser Weise weist das Werk von del Toro eine Ähnlichkeit mit jenem von Regisseur David Cronenberg auf. Was Cronenberg in seinen Meisterwerken Die Fliege oder Die Unzertrennlichen auf die Spitze trieb, hat del Toro auf andere Art in Mimic (der gerade auf seinen Director‘s Cut restauriert wird), Blade II und natürlich in Cronos exerziert: Einen Clash zwischen zwei Arten, die Mutation des eigenen Fleisches und die horrenden Folgen.

Zurück zum Buch: Wenn man an dem Roman etwas bekritteln will, dann den Umstand, das die Sprache schlichter gehalten ist. Zugegeben, ein paar der Einlagen und Vorahnungen vor allem am Anfang des Buches sind etwas ... kitschig und klischeehaft (Aber del Toro mag hin und wieder Kitsch gerne, das sieht man in seinen Filmen). Das Tempo ist genau richtig, die technischen und medizinischen Details sind lecker süßer Streusel auf dem Blutkuchen des Buches und in der Geschichte schimmert mit all den Anspielungen und Vorausschauen ordentlich Potential da.

Mehr als nur Blutsauger

Ich würde mich nicht unbedingt darauf versteifen, daß die Trilogie ein Vampirepos ist. Dazu sind die Kreaturen zu stark vom üblichen Blutsauger entfernt, dazu erwähnt eine der Nebenfiguren viel zu oft eine andere Art Monster, was man leicht überliest, da diese Nebenfigur ein Kind ist. Aber zumindest in diesem Buch läßt sich die Geschichte auf alle Klischees im Zusammenhang mit Vampiren ein, ein Haufen davon wird verworfen, ein paar werden behalten, das Ergebnis ist interessant.

Ach ja, da wäre noch Chuck Hogan, der Co-Autor: von ihm gibt es ein paar Taschenbücher. Thriller. Habe ich noch nie gelesen. Die Inhalte seiner Thriller klingen nicht so, als würden sie mich interessieren, auch sehen die Bücher nicht sonderlich interessant aus. Tja. Und vielleicht irre ich mich gewaltig. Oder auch nicht. Egal.

Für mich ist der Roman jedenfalls ein typischer Guillermo del Toro und darum werde ich natürlich auch die Fortesetzungen lesen. Ich hoffe, Heyne wird die Hardcovergestaltung beibehalten und mich nicht bereuen lassen, die deutsche anstelle der englischen Ausgabe erworben zu haben.

Zusammenfassung:

  • vielversprechender Auftakt einer Trilogie

  • originelle, typische del Toro Momente

  • flott und einfach geschrieben

Fazit: sehr unterhaltsame Lektüre für lange Nächte



Danke für das Interesse. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, ect. sind jederzeit willkommen.

 

Kommentare

Danke für die wirklich tollen

Danke für die wirklich tollen Buchempfehlungen, die machen Lust auf mehr!