Georg Klein: Libidissi
Rowohlt Taschenbuch 978-3-499-24258-8 08/2006, 199 Seiten
Inhalt lt. Buch: "Libidissi ist der Name einer phantastischen orientalischen Stadt, in der der deutsche Geheimagent Spaik und seine einheimische Adoptivtochter Lieschen leben. Als aus Spaiks alter Heimat Bosheit und Vernichtungslust nach ihnen greifen, setzen sich der Agent und das Mädchen mit den Geheimnissen Libidissis, aber auch mit alten europäischen Tugenden gegen ihre Verfolger, ein selbstverliebtes Killerpärchen, zur Wehr." Klappentext Ende.
Netter Versuch, einen Inhalt zu erklären, der streckenweise so bizarr und ausgeflippt ist, das er sich eigentlich nur erlesen lässt. Georg Klein beherrscht die Kunst, mit der Sprache zu spielen und wunderhübsche ausgefallene Begriffe so einzusetzen, das die Betonung eines Satzes um den eigentlichen Punkt herumschweift und trotzdem alles klar ist.
Äh. Oder so ähnlich eben. Jedenfalls entwirft Klein in dem recht dünnen Buch einen ziemlich komplexen Kosmos mit eigener Sprache, die zur Folge hat, das Spaik von sich selbst immer als ich=Spaik spricht. Gewöhnungsbedürftig zu lesen. Ebenso wie der Umstand, das die Handlung zeitweise aus der Perspektive der beiden Killer geschildert wird, was im übrigen sehr interessante Unterschiede auf die Sicht der Dinge ergibt und die Frage aufwirft, was ist real, wer ist verrückt und überhaupt, spinnen die alle miteinander?
Was die Bücher von Georg Klein so lesenswert macht, ist die Fülle von bizarren Details, mit denen er seine Geschichten füttert. Ob es um das berauschende, einheimische Suleika Cola geht, eine Art abstossender Droge oder auch nicht, das Bestandteil absurder Riten ist, die Stadtbahn, das schräge Rohrpostsystem, die Sauna, Klein legitimiert jede Absurdität mit logischen, überzeugenden Argumenten.
Mir ist schon klar, das diese Beschreibung von Libidissi eher hilflos danach ringt, das Buch einem Interessierten näher zu bringen. Aber ehrlich, der Roman ist so eigenwillig, das er sich in gar keine Schublade pressen lassen will. Ich bin mir nichtmal sicher, ob Libidissi ein merkwürdiger Thriller, eine Art Drogenphantasie, einen Science Fiction Roman oder eine Allegorie auf die schizophren zerrissene Gegenwart Afrikas darstellen soll. Ist mir ehrlich gesagt auch herzlich egal. Libidissi ist ein grossartiges Lesevergnügen.
Fazit: Empfehlung für Leser, die gerne etwas aussergewöhnliches probieren wollen. Ich jedenfalls mache mich über alle Bücher von Georg Klein her.
Georg Klein: Barbar Rosa
Rowohlt Tb 978-3-499-24431-5 04/2007, 203 Seiten
Inhalt lt. Buch: "Ein Geldtransporter ist samt Insassen verschwunden. Dektektiv Mühler bekommt 48 Stunden Zeit, ihn zu finden. Wie ein Schamane streift er durch eine namenlose deutsche Metropole, begegnet Menschen, die uns trotz ihres Bizarrseins unheimlich vertraut erscheinen. Es ist der Mond, der schliesslich Klarheit bringt."
Oder so ähnlich eben. Dieses Buch bereitet dasselbe Problem wie Libidissi. Ein vollkommen bizarrer, aus Raum und Zeit losgelöster Roman, der mit dem Leser vertrauten Elementen spielt, um sie jedoch seitenverkehrt und verdreht herum zusammenzusetzen.
Mehr noch als bei Libidissi das Suleika Cola spielt hier eine Art flüssiger Droge namens Sucko eine Rolle. Man könnte meinen, es handle sich dabei um ein alias für Heroin, zumindest scheint es Ähnlichkeiten in der Wirkung zu geben.
Der Ich-Erzähler, der Detektiv, eine abstossende, wandelnde Sammlung von merkwürdigen Neurosen und Geisteszuständen leitet den Leser durch eine Stadt, die so menschenleer überfüllt ist, so triest und grau, das sie ihre wenigen zur Schau gestellten Bewohner richtig abstossend erscheinen lässt.
Den Protagonisten als solchen zu bezeichnen erscheint wagemutig, er erscheint mir eher wie die Verschmelzung von Protagonist und Antagonist, mit sich selbst ringend und wie eine Kugel im Flipper gegen die anderen Figuren des Romans stossend und ziellos durch die Strassen torkelnd. Barbar Rosa, warum das Buch diesen Titel trägt habe ich nicht verstanden, ist ein sehr denkwürdiges Leseerlebnis, nicht unbedingt erheiternd oder aufbauend, sondern eines jener schrägen Bücher, das einen trotz des Ekels fesselt.
Libidissi hat mich mit Begeisterung in den Bann gezogen, ich war hellauf erfreut über diesen Roman. Barbar Rosa hat mich mit unbehaglicher Irritation zurückgelassen, vor allem, weil das Buch sehr wohl in den Bann zieht. Sehr merkwürdige Sache. Sehr interessant.
Fazit: Höchst eigenartige Lektüre, wie sie nicht jeden Tag erträglich ist. Aber eine Erfahrung die es wert ist, gemacht zu werden.