Skip to Content

Ein Kind zu töten

Ein Kind zu toeten CoverInhalt lt. DVD: Ein kleines spanische Küstenstädtchen im Sommer: Aus dem Reisebus steigen Tom und seine hochschwangere Frau Evelyn, die vor der Geburt ihres Kindes noch ein paar ruhige Tage am Meer verbringen wollen. Ziel ihrer Reise ist ein kleines Fischerdorf auf der abgelegenen Insel Almanzora - vier Stunden entfernt vom geschäftigen Trubel des Festlands. Als beide im kleinen Hafen anlegen, werden sie von einer Gruppe spielender Kinder empfangen. Alles scheint friedlich. Doch als sie durch die Gassen des kleinen Dörfchens schlendern, kommt es ihnen seltsam ruhig und verlassen vor. Kein Erwachsener ist zu sehen. Offenbar sind alle auf einem Fest am anderen Ende der Insel. Dann wird Tom Zeuge eines unfassbaren Vorfalls. Irgendetwas stimmt nicht mit den Kindern ...



Ein Kind zu töten

(OT: Quien Puede Matar a un Nino) ES 1975; 1.85:1; ca. 106min; B+R: Narciso Ibanez Serrador; DP: Jose Luis Alcaine M: Waldo de los Rios D: Prunella Ranome, Lewis Fiander Bonus: Soundtrack-CD; Interview mit Regisseur, interview mit DP, 15 Seiten Booklet

Bildstörung

Ein Kind zu töten wird in einer sehr schönen Edition mit Schuber mit abnehmbarem FSK Umschlag präsentiert. Ein fettes Booklet und die alten Plakatmotive runden das Erscheinungsbild ab. Der Film ist mit einem Hinweis ausgestattet, das die ursprüngliche Fassung den gesamten 7min Vorspann vermißt hat – wie dieser Film ohne diesen für irgendwen verständlich gewesen sein soll, ist mir ein Rätsel. Aber der schwachsinnige alte deutsche Titel sagt ohnehin schon alles.

Bildstörung entschuldigt sich für den schlechten Ton und die anscheinend fehldende Synchronisation – ich habe mir den Film in der spanischen Fassung angesehen und finde eigentlich, für einen so alten Film, der sicher nicht die sorgfältigste Handhabung überstehen mußte, ist eigentlich alles tadellos. Hut ab für diese sehr schöne und liebevolle Edition – das ist keine Selbstverständlichkeit.

Störung im Bild

Serrador hat einen kleinen, gruseligen Gremlin von Film geschaffen. Die Bilder des Vorspanns in Zusammenspiel mit dem Kindergelächter von der Tonspur – creepy. Von der Geschichte her und der Bildgestaltung hat sich der Film verdammt gut gehalten, nur ein paar Kleinigkeiten wie Schnauzer und ähnlich hübsche Dinge lassen das Alter erkennen, aber im Grunde ist der Film zeitlos und könnte genauso gut heute spielen – naja, fast. Die Handys aus der Geschichte zu entfernen wäre kein Problem, aber die touristischen Fleischberge, die überall herumwälzen, das ist eher das Problem.

Verstörendes Bild

Das Böse in Kindergestalt haben wir seitdem schön öfters gesehen, zahllose Filme mit einzelnen kleine Blagen, das fängt beim Omen an, Gruppen von Blagen, am beeindruckendsten bis heute im 1960er Village of the Damned,an dem das Remake von John Carpenter gescheitert ist. Aber selten noch bei strahlendem Sonnenschein, lachend, in einem idyllischen Nest, ideal für ein paar Tage Urlaubseinzweisamkeit.

Das ist die eigentliche Stärke dieser Geschichte, der Kontrast. Das freundliche Setting und dann die leeren Gassen, das Gelächter, die grinsenden Kinder, damit wird die Stimmung gebrochen und in Richtung Bedrohung gezogen.

Bilder einer Störung

Die Gewalt ist aus heutiger Sicht iin ihrer Ausführung relativ harmlos, nicht jedoch in der Wirkung. Immerhin geht es um Kinder, um Grausamkeit von und gegen Kinder und die im Rahmen des Horrorfilms unerbittliche Logik dabei.

Ich habe das Booklet jetzt noch nicht gelesen, weil ich meine eigene Interpretation nicht beeinflussen lassen möchte und für mich geht es letztendlich um die Frage, mit der ich als Zuseher aus der Geschichte entlassen werde:

Was würdest du anstelle von Tom tun?

Kurz gesagt:

  • zu Recht ein Klassiker

  • im Grund ziemlich arg

  • eine zeitlose Thematik

Fazit: absolut sehenswert

Nachtrag: Das Booklet ist jetzt gelesen. Bietet viel interessantes, relativ ausführliches rundherum zum Film und recht analytisch. Ich fürchte, ich bin da viel simpler mit meiner Frage :-)

Soweit meine Meinung. Kommentare, Widerspruch, Zustimmung, Anmerkungen, ect. sind jederzeit willkommen.