Dystopische Science Fiction
Co-Autor dieses Films war Pierre Bordage, Autor des Krieger der Stille Zyklus. Der Film ist ein fabelhaft gemachter Streifen, sorgsam darauf bedacht, nur in kleinen Happen zu verraten, worum es eigentlich geht. Die Themen, die Bordage in seinem Werk als Schriftsteller und Drehbuchautor behandelt, blitzen auch hier durch. Stilistisch beeindruckend...
Eden Log
Fr. 2008; 1.85:1; ca. 98min R: Franck Vestiel B: Franck Vestiel, Pierre Bordage D: Clovis Cornillac, Vimala Pons, Cedric Jimenez Bonus 2disc set: Audiokommentar, making of, Interviews
Inszenierung: [****]
Handlung: [***]
Effekte: [****]
Gesamt: [***]

Soviel vorab: Drehbuchautor Pierre Bordage ist auch Co-Autor des Science Fiction Films Dante 01. Er ist auch Autor der grandiosen Science Fiction Trilogie der Krieger der Stille.
Wie schon Dante 01 ist auch Eden Log in der Low Budget Ecke daheim, heißt, der Bombast von Bordage wird drastisch engeschränkt. Was nicht unbedingt schlecht ist, für einen Film, aber zu einer etwas merkwürdigen Angelegenheit wird: Das bei Bordage omnipräsente Thema der Erlösung bekommt in den beiden Filmen einen schizophrenen Touch: In Dante 01 wird das Schicksal von Milliarden Menschen angesprochen - aber es geschieht irgendwie nichts.
Hier wird tatsächlich über das Schicksal von Milliarenden Menschen entschieden, ein Heil, wie auch immer es aussieht, sucht die Menschheit heim, aber man erfährt nichts darüber.
Ein Mann ohne Erinnerungen kommt in einem unterirdischen Schlammloch zu sich und beginnt eine Reise aufwärts, entlang dem gigantischen Wurzelwerk eines Baumes, entlang von Tunnels, Fahrstühlen, Labors, gehetzt von mysteriösen Uniformierten und abscheulichen Mutationen.
Worum es geht, so klar wird das nicht. Immer wieder wird der Zuseher mit einem Happen Information gefüttert, die ihm zur Orientierung in den fast farblosen, von Schatten dominierten Bildern, helfen sollen. Irgendetwas scheint in dem Mann zu stecken, etwas bestialisches, das nach einem Weg hinaus sucht.
Die Begegnungen mit anderen Menschen sind stets von Gewalt geprägt, enden mit Mord, Totschlag oder gewalttätigem Sex. Nach und nach entschlüsseln sich immer mehr Details, aber ein Gesamtbild ergibt sich daraus nicht. Dafür eine durchaus überraschende Erkenntnis und ein rätselhaftes Ende.
Der Film ist hervorragend gemacht. Dunkel, beinahe von jeder Farbe freigewaschen, ein grobkörniges, mehr aus Schatten als aus anderen Dingen bestehende Szenerien, das Wurzelwerk, der Verfall: Stimmig, cool. Endzeit, Post-Apokalypse. Mir fällt dazu der Erstlingsfilm von Luc Besson ein - Le Dernier Combat, eine postapokalyptische Science Fiction in s/w Bildern. Thematisch ganz anders und Eden Log technisch unterlegen, aber trotzdem ähnlich.
Eden Log legt keinen Wert darauf, alles zu erklären, was zwischendurch etwas irritierende ist. Der Film präsentiert merkwürdige Figuren und ... Dinge ..., läßt den Zuseher aber über die Motive im unklaren. Auch Eden Log selbst bleibt im Dunkel verborgen. Es ist geheimnisvoll und bedrohlich und hat etwas von einem allmächtigen, faschistisch anmutenden System, aber genaueres werden wir nicht wirklich erfahren.
Auch hier, so wie in Dante 01, ist Bordage als Co-Autor unverkennbar. Zwar ist er nicht dafür verantwortlich, trotzdem erinnern einige Sequenzen in ihrer Gestaltung an die Comic-Romane von Jodorovsky.
Eden Log ist ein sehr guter, sehr stimmungsvoller Film, der vielleicht einen Hauch zu wenig von sich preisgibt. Aber das ist allemal besser als platt alles aufs Auge gedrückt zu bekommen.
Fazit: Anspruchsvolle Science Fiction, echt sehenswert.