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Doomsday [uncut]

doomsday plakatEin apokalyptischer Schweinestall, geschmackvoll mit Blutsuppe angereichert, mit Punks und 80er Jahre Duftnote gewürzt, angereichert mit Zitaten und satirischem Augenzwinkern. Wenn ein Regisseur zugleich Fan ist und stilsicher inszenieren kann, um klassische Zutaten gehaltvoll und unterhaltsam zu variieren und zitieren, dann bekommt man einen Film wie Doomsday ... lecker, schmecker, gut...

Doomsday [unrated]

UK 2007; 2.35:1, ca. 108min B+R: Neil Marshall D: Rhona Mitra, Malcolm McDowell, Bob Hoskins, Alexander Siddig Bonus: Audiokommentar, div. Dokus, BluRay



Action: [*****]

Inszenierung: [*****]

Handlung: [****]

Gesamt: [*****]

dvd doomsdayDas war ja schon zu erwarten, als die DVD letztes Jahr herauskam. Kein Audiokommentar, in diesem Fall verdächtig. Jetzt hat der Film fast 10min mehr zu bieten. Dies ist die ungekürzte, vollständige Fassung. Geliefert in einer sehr hübschen Aufmachung, mit fettem Booklet mittendrin und einem hinterhältigen Bonus: die zweite Disc ist eine BluRay. Damit erwischt man auch Verweigerer der BluRay. Ätsch, reingefallen. Von der Marketingidee her nicht schlecht, aber sonst, naja.

Apokalypse fast Now

An der Handlung hat sich nichts geändert: Das Reaper Virus entleert 2008 Schottland von seiner menschlichen Bevölkerung. Britannien zieht eine unüberwindbare Mauer auf. Die Welt isoliert Britannien. 30 Jahre später taucht das Virus im überbevölkerten, verslummten London auf, während in Schottland Überlebende entdeckt werden. Eine kleine Kampftruppe soll nach Glasgow vordringen, wo ein Virologe, Dr. Kane, noch am Leben sein könnte. Doch der Trupp zahlt blutigst für seine Neugierde.

Angesichts der medialen Panikmache in Bezug auf H1N1, die Schweinegrippe, wirken die Szenen am Anfang beinahe, naja, zugegegen etwas sehr übertrieben, authentisch. Hihi.

Entzückend, neben den uneingeschränkt blutigen Details sind all die Spielereien, die Neil Marshall eingefügt hat. Doomsday ist eine einzige Hommage an das späte 70er und das 80er Jahre Action Kino im allgemeinen, an John Carpenter, George Miller und Walter Hill im speziellen. Gradlinige, politisch unkorrekte Filme mit ambivalenten Hauptfiguren, kuriosen Gangs und Antihelden, einem an der Menschheit zweifelnden Subtext und jede Menge sinnfreier Spaß.

Die Klapperschlange beißt verrückte Warrior Punks

Was die lässigsten Filme dieser Zeit, Escape from New York, The Warriors, Mad Max und wie sie alle hießen, so fein machte, war, das sie sich einen Dreck um gewisse Details scherten. Benzin Jahrzehnte nach Zusammenbruch der Zivilisation? Wurscht, gibt es eben. Waffen aller Art? An jeder Ecke zu finden.

Doomsday macht diesbezüglich keine Ausnahme, im Gegenteil, augenzwinkernd wird hier die logische Unlogik auf die Spitze getrieben. Vollgetankte Autos die Jahrzehnte in Bunkern eingemottet auf Action warten? Na klar! Paketeweise Satellitentelefone? Natürlich. Benzin in rauen Mengen für die Mad Max Punks? Selbstverständlich. Einfach so, eine auf das Mittelalter zurückgeführte Gemeinschaft, die in Rüstungen und zu Pferd agiert? Warum nicht! Fehlen darf auch nicht der durchgeknallte Wissenschaftler sowie noch ein paar Gestalten aus dem Lehrbuch der Klischees. Wenn über allem eine Schicht Puderzucker von augenzwinkernder Ironie verteilt liegt, paßt die Sache wie die Faust aufs Auge.

Doomsday ist ein Spaß, der sich daran ergötzt, die Dinge auf die Spitze zu treiben. Die ungekürzte Fassung bietet einige phantastische und deftige Splattereinlagen, die den ohnehin schon blutrot getunkten Film vollends einfärben. Grandios auch der Auftritt von Oberpunk Sol vor seinen Gesellen in Glasgow. Das wirkt, als hätte Stanley Kubrick sein Uhrwerk Orange mit Carpenters Escape from New York gepaart. Die Warriors von Walter Hill noch in die Menge geworfen und ein paar Idioten und Fahrzeuge aus Mad Max II importiert, ein paar Kübel Blutsuppe und Ka-wumm dazu und die Melange schmeckt perfekt.

Das Heldin Sinclair die große Schwester von Snake Plissken ist, darauf braucht man, glaube ich, nicht gesondert hinweisen.

Der Mann, der das Genre liebt

Regisseur Marshall ist ein Fan, der Filme für Fans macht. Doomsday ist sein dritter Film nach Dog Soldiers und The Descent. Drei Volltreffer. Werwolf, Monster, Apokalypse. Feine Themenauswahl. Sein kommender Film wird Centurion sein, ein Spektakel über einen Trupp römischer Soldaten hinter feindlichen Linien. Und dann steht da noch Burst auf dem Plan, ein Film, in dem Personen spontane Selbstentzündung erleiden. Wir dürfen gespannt sein.

Kurz gesagt:

  • selbstironischer deftiger Actionfilm

  • liebevolle Sammlung von Zitaten

  • Spaß und Blut ohne Ende

Fazit: immer wieder ein Heidenspaß. Sehenswert