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Daniel Keohane: Das Grab des Salomon

cover keohaneDaniel G. Keohane: Das Grab des Salomon

(OT: Salomon's Grave) Otherworld HC11/07; ISBN 978-3-902607-00-3; ca. 347 Seiten Übersetzung: Michael Krug Ausstattung: Geprägtes Hardcover mit Schutzumschlag, Lesebändchen

Nathan Dinneck, frisch geweihter Priester, tritt sein Amt als Pastor in seiner Heimatgemeinde an. Dabei kommt er einer Sekte in die Quere, die einem Schatz hinterherjagt, der auf dem Friedhof des kleinen Ortes Hillcrest verborgen liegt. Für den Pastor beginnt ein wirres Spiel um sein Leben, seine Liebe, seine Familie und seine Zukunft...

Soweit, so gut. Das Grab des Salomon ist ein Mysterythriller in der Tradition - um einen abgelutschten Vergleich heranzuziehen - von Dan Brown. Die Zutaten sind alle vorhanden: eine über die Jahrhunderte währende Verschwörung, ein Geheimbund, ein grosses Geheimnis, ein Held wider Willen und so weiter, und so weiter.

Meine Probleme mit dem Buch sind mehrere Punkte: Zum einen ist es mir zu offensiv religiös - die Hauptfigur kommt mir streckenweise wie ein Kirchenposterboy. Auch das unbedingte beharren darauf, alles ausserhalb der christlichen Welt als Böse, Sektentum u.ä. zu schildern stösst mir etwas sauer auf.

Die andere Sache mit dem Buch ist sein Stil. Es ist geschrieben wie ein Erstlingsroman, der es anscheinend auch ist (so schlau werde ich aus des Autors Homepage aber nicht). Jeder, der schon einmal probiert hat, einen Roman zu schreiben, weiss was ich meine. Das Bemühen, einen gefälligen, sprachlich gewandten Stil zu fabrizieren, das mangels Übung in einer etwas holprigen Sprache endet, ist bei diesem Roman allgegenwärtig.

Das mag sich jetzt harsch anhören, aber ich meine es nichtmal so. Mich stören solche Stolpereien normalerweise überhaupt nicht, weil ich es faszinierend finde, in den folgenden Werken eines Autors die zunehmende Sicherheit im Umgang mit der Sprache zu erlesen und so die Entwicklung eines Schriftstellers mitzuverfolgen. Das gefällt mir ungemein.
Aber: Keohane hat in diesem Roman einen Hauch zu wenig Biss. Die Geschichte wandelt auf sicheren Pfaden und vermeidet jeden überraschenden oder unerwarteten Twist.

Wiederum: Das muss nichts schlechtes sein! Das Grab des Salomon ist ein hervorragendes Buch, wenn man für ein, zwei Stunden vor dem Schlafen seinen Verstand ausschalten will und gemütliche Unterhaltung sucht. Das Buch hat Tempo, einen sehr gut gelungenen Bösewicht und ein Finale, das auf eine Fortsetzung schliessen lässt. Aber was Keohane fehlt sind Routine und mehr Mut zu unerwarteten Wendungen.

Trotz meiner Kritik und obwohl ich inzwischen zu viele Romane dieser Thematik gelesen habe und diese Art Thriller langsam überdrüssig bin, hat mich das Buch bis zum Ende bei Laune gehalten. Genug um eine sicher erscheinende Fortsetzung ebenfalls zu lesen. Die Andeutungen und grundsätzlichen Gedankenspiele von Keohane sind nämlich recht gut. Und im zweiten Roman hat er sicherlich seinen etwas zu passiven Posterboy von Helden besser im Griff.

Wenn er jetzt noch den Rest in den Griff bekommt, hat er durchaus das Potential, zu einem bekannten Namen im Thrillergenre zu werden. Und das wiederum wäre eine interessante Entwicklung zum verfolgen. Das Grab des Salomon ist ein vielversprechender Anfang mit beinahe typischen Schwächen, die aber ausgemerzt werden können. Von den Büchern des Otherworld Verlages, die ich bisher gelesen habe, siehe Wurmgötter, Siqqusim, Crota ist Das Grab des Salomon sicherlich das schwächste, aber eines mit viel Potential. Wer sich für die Entwicklung eines Autors interessiert, bekommt hier neben einem angenehm unterhaltenden Buch auch einen Einblick in die Werkstatt eines Autors, der am Beginn seiner Karriere steht. Ein hübsches Hardcover ist das Buch obendrein. Nur das predigen sollte er lassen, das nervt etwas.

Fazit: leichte, angenehm spannende Unterhaltung für Fans von Mystery Thrillern und Verschwörungsromanen.