Cornelius Medvei: Mr Thundermug
C.H.Beck HC, 01/2008 ISBN 978-3-406-57032-2; ca. 118 Seiten Übersetzung (Englisch): Sabine Roth Ausstattung: s/w Fotos
Mr Thundermug ist ein Pavian mit gewählter Ausdrucksweise. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in einem Abbruchhaus und gerät immer wieder in Schwierigkeiten mit diversen Behörden und dem Umstand, ein sprechender Pavian zu sein. Die Geschehnisse werden vom Erzähler geschildert.
Nun denn: Bevor man zu lesen beginnt, fällt einem zu dem Thema sofort Will Self mit seinem grossartigen Roman Die schöne Welt der Affen ein (der bei uns leider nicht mehr erhältlich ist). Der Vergleich ist natürlich unfair, da die Geschichten ganz anders sind und Mr Thundermug vom Umfang her kaum mehr eine Erzählung ist, während Will Self einen ausgewachsenen Roman vorgelegt hatte.
Was in der Kürze des Buches kaum möglich ist - leider - ist die Schilderung der Stadt, in der sich die Geschehnisse begeben. Die Andeutungen lassen nämlich auf eine höchst interessante Fiktion schliessen, die es wert scheint, in einem eigenen Roman erkundet zu werden.
Cornelius Medvei hat ein schmales, sprachlich sehr gewähltes kleines Buch vorgelegt, das leider einige Schwächen vorweist, die das Vergnügen etwas trüben. So gelingt es dem Autor nicht wirklich, zu einem brauchbaren Schluss zu kommen, obwohl die letzten Zeilen vollkommen zum Stil der Geschichte passen. Die vielen Andeutungen wecken Neugierde, die sprachliche Gewandtheit von Mr Thundermug, von der die Rede ist, wird gerade ein einziges Mal dem Leser offenbart.
Viel zu viel bleibt lediglich angedeutet - wiederum: Da der Erzähler nur nach hörensagen wiedergibt, passt diese vage Art ausgezeichnet zur Geschichte, aber genau das kann man ihr auch als Schwäche ankreiden. Vielleicht aber arbeitet der Autor an einem fetten Roman und die vorliegende Erzählung stellt bloss einen Appetithappen dar.
Wenn dem so ist, ich hätte schon einen Gusto auf mehr. Aber bis dahin bleibt das einzig wahre Meisterwerk dieser Art immer noch Die schöne Welt der Affen von Will Self.
Fazit: entzückende Idee mit Schwächen in der Ausarbeitung.