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Cody McFadyen: Ausgelöscht

McFadyen - AusgeloeschtInhalt lt. Buch: "Ich bin ganz nah, und ich habe ein Geschenk für dich, Special Agent Barrett." Smoky Barrett sieht von ihrem Handy auf. Die anderen Hochzeitsgäste beobachten gespannt das Brautpaar vor dem Altar. Da durchbricht Motorenheulen die Stille. Ein Lieferwagen hält auf dem Parkplatz. Die Türe öffnet sich, und eine Frau wird auf die Straße gestoßen. Ihr Kopf ist kahl geschoren, und sie trägt ein weißes Nachthemd. Sie taumelt auf das Brautpaar zu und fällt auf die Knie. Ihre Haut ist von blutigen Ritzern übersäht. Sie verzerrt das Gesicht und stößt einen lautlosen Schrei aus. Wer ist diese Frau? Smoky findet heraus, dass sie vor sieben Jahren spurlos verschwunden ist. Aber sie kann nicht über das reden, was ihr zugestoßen ist: Jemand hat eine Lobotomie an ihr durchgeführt und die Nervenbahnen ihres Gehirns durchschnitten. Sie ist nicht tot, vegetiert aber als leblose Hülle vor sich hin. Smoky hat es mit einem Serientäter zu tun, der weiß, dass es für einen Menschen Schlimmeres gibt als den Tod. Nur eines ist sicher: Es wird weitere Opfer geben. Und Smoky könnte das nächste sein.



Cody McFadyen: Ausgelöscht

(OT: Abandoned; 2009); Lübbe 2010; 459 Seiten:; ISBN 978-3-7857-2390-6; Übersetzung:Ausstattung: Hardcover, Schutzumschlag, geprägter Titel Angela Koonen, Dietmar Schmidt;

Eine spoilerfreie Rezension

Ausgelöscht ist nach Blutlinie, Der Todeskünstler und Das Böse in uns der vierte Thriller um Smoky Barrett und ein Buch von exquisiter Perversion. Also Cody McFadyen pur. Herrlich. Ungebremst und unverfälscht. Wie vor allem in den ersten beiden Romanen ist hier die Verschmelzung von psychischer Grausamkeit und körperlicher Gewalt perfekt gelungen.

Das Buch strahlt geradezu Bedrohung aus. Bei jedem umblättern befürchtet man, mit grausigen Details konfrontiert zu werden. Genau das, was ein Thriller dieser Sorte machen soll - den Leser in Atem halten. Pausenlos. Von der ersten Seite an bis zum Ende. Ein wunderbarer Thriller, der gekonnt auf der Klaviatur des Grauens klimpert. Hmm.

Die große Schwester von Clarice Starling

McFadyens Heldin, die geschundene FBI Agentin Smoky Barrett, entwickelt sich auch in diesem Buch gehörig weiter und wie schon in den Romanen davor bekommt der Leser einen weiteren kleinen Einblick in die Abgründe ihrer Psyche. Die Unterschiede zu jenen kranken Gehirnen, die sie jagt, sind nur klein aber bedeutend.

Übrigens empfiehlt es sich, die Serie chronologisch zu lesen. Die Bücher sind zwar unabhängig voneinander und in jedem Band wird Einblick in die Vorgeschichte gewährt, aber die persönliche Entwicklung von Smoky und den Beteiligten sozusagen live zu verfolgen, macht den besonderen Reiz dieser Romane aus. Von den detaillierten Schilderungen der Morde und den bizarren Welten der kranken Hirne ganz zu schweigen

McFadyens Genie liegt darin, den Leser um Smoky bangen zu lassen, obwohl man um einen kommenden weiteren Smoky Roman Bescheid weiß. Und wenn man nicht gerade um Barrett fürchtet, dann um einen der liebgewonnenen Charaktere in ihrer unmittelbaren Nähe.

Das Überleben ist für keine Figur gesichert und bis zum Endes des Romans können Leser auch nie sicher gehen, dass Smoky nicht wieder eine horrende persönliche Tragödie erleiden muss. Auch Ereignisse, die im Grunde freudig sind, stellen in McFadyens Büchern für seine Leser stets eine Quelle von schlimmen Befürchtungen dar. Ganz fies.

Psychopathologie des Alltags

Ausgelöscht beschäftigt sich wieder mit einer bizarren psychischen Abartigkeit, ihrer Herkunft und ihren Auswirkungen. Der Roman ist verflucht spannend und ausführlich in seinen Schilderungen von Ermittlungsmethoden, privaten Momenten und Augenblicken der Gewalt. Und die Geschichte bleibt stets im Rahmen des Realismus, was die Wirkung beträchtlich verstärkt.

So wie sich Smoky Barrett von Buch zu Buch entwickelt, so unterlaufen auch die Fälle eine Wandlung. Der psychologische Teil nimmt von Fall zu Fall breiteren Raum ein. Ich nehme an, McFadyen recherchiert ausgiebig für seine Bücher und schildert Dinge, die in der Realität existieren, in fiktiver Form.

Wirklich gruselig, welch abnorme psychische Zustände es gibt und in welcher Form sie sich zeigen. Man könnte fast meinen, der Mensch wäre ein ziemlich defektes Lebewesen, das am besten aussterben sollte, wenn es solche Psychen hervorbringen kann.

Thriller und Killer

McFadyen ist sicher einer der besten Thrillerautoren der letzten Jahre. Er hat Thomas Harris mit seinem Hannibal Lecter den Rang abgelaufen, er übertrifft mit Leichtigkeit die wirklich sehr gute Reihe um die Serienkillerin Gretchen Lowell, er ist auch dem ausgezeichneten Mark Nykanen überlegen.

Er ist ein brutaler Autor, aber da die Gewalt nie um ihrer Selbst geschildert wird, sondern als Folge psychischer Zustände, ist sie einerseits erträglich, andererseits um so schlimmer. Sie ist direkter und ... verständlicher. Das ist gelegentlich beängstigend.

In Verbindung mit dem Realismus des Romans und den unzähligen Details, die das Buch mit echten Charakteren ist McFadyen ein echter ... naja, Genuss ist irgendwie das falsche Wort, aber es trifft trotzdem zu. McFadyen schreibt faszinierende Bücher mit Charakteren, um die man als Leser stets bangen muss.

Kurz gesagt:

  • spannender vierter Roman der Serie

  • wieder extrem in seinen Schilderungen

  • erneut Freude auf Fortsetzung weckend

Fazit: absolut lesenswert, für Fans harter Thriller

Kleine Anmerkung am Rande: Die Inhaltsangabe ist in der Form, wie sie das Buch im Klappentext anbietet, nicht wirklich korrekt. Aber das merkt man nach einigen Seiten ohnehin nicht mehr ...



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