Clive Barker: Mister B. Gone
Harper Collins 2007; 248 Seiten; ISBN 978-0-06-018298-4 Ausstattung: geprägtes Hardcover mit Schutzumschlag, gegilbtes Papier
Ich liebe Jakabok Botch. Seite 1, erster Satz: "Burn this Book." Eine unmissverständliche Aufforderung, in kapitalen Lettern. Clive Barker hat mich noch nie enttäuscht. Er ist und bleibt der Grossmeister der phantastischen Alpträume.
Jakabok Botch ist ein Dämon, gefangen in den Seiten des Buches, das der Leser in seinen Händen hält. Beschwörend, mit Bitten und Drohungen verlangt er, das man das Buch verbrennt und ihn so von seinem Schicksal erlöst, das ihn 1437 in dieses Buch gebannt hat.
Um sein Ziel zu erreichen, erzählt Jakabok Botch, Mister B. genannt, Kapitel für Kapitel aus seinem Leben und was er mit Gutenberg und der Erfindung des Buchdrucks zu tun hat um schliesslich auf ein grosses Geheimnis zuzusteuern, die Wahrheit hinter den ständigen Schlachten zwischen Gut und Böse.
Soviel verrät das Buch schon im Klappentext, also keine Sorge, ich habe nichts ausgeplaudert. Der Roman ist ein äusserst entzückendes Stück Geschichte voll von Witz und kleinen Abscheulichkeiten, wie sie Clive Barker liebend gerne den Lesern unter die Nase reibt. Er verwendet hier eine etwas reduziertere Sprache als man von ihm gewöhnt ist, denn der Dämon, der diese Geschichte erzählt, ist weder der der klügste noch sonderlich wortgewandt. Jakabok Botch ist eine wunderbare Figur.
Was immer Barker mit ihr vorhat, ob sie nochmal in Erscheinung treten wird, Mister B. könnte durchaus eine ähnlich begeisterte Fangemeinde erringen wie es seinem Schöpfer mit den Cenobiten gelungen ist.
Überaus bemerkenswert ist auch die Aufmachung des Buches. Das Papier der Seiten wurde gefärbt und bearbeitet, die Optik entspricht dem Alter der Erzählung. Das Papier ist gelblich gefärbt und weist Flecken auf, der Umschlag wirkt als wäre er abgegriffen. Wirklich liebevoll und sehr, sehr schön.
Meine Vermutung: Eine deutsche Ausgabe wird auf solche Spielereien bedauerlicherweise verzichten.
Clive Barker, geboren 1952 in Liverpool, UK, wurde 1984 mit Bücher des Blutes schlagartig berühmt, einer 6bändigen Sammlung von radikalen Horrorgeschichten, deren Stil und Originalität massgeblich zur Erneuerung der Horrorliteratur beitrug. 1987 verfilmte er seine eigene Novelle The Hellbound Heart zu Hellraiser, einem extrem erfolgreichen Film, dessen Hauptfigur Pinhead zu einer Art Ikone wurde.
Literarisch begann er Horror mit Fantasy zu kombinieren und monströse, in den Bann ziehende Zyklen zu entwickeln. Seine letzte Regiearbeit war 1995 der auf einer seiner Geschichten beruhende Horrorfilm Lord of Illusions, ein fesselnder Thriller über Magier und Magie, die seinen Privatdetektiv für Übernatürliches, Harry D'Amour, zum Protagonisten hat.
Seit Jahren arbeitet Barker schon an den Abarat Bänden, einer gewaltigen All-Age Saga, die mit hunderten von ihm selbst geschaffener Gemälde illustriert wird. Coldheart Canyon war vor Mister B. Gone sein letzter rein für Erwachsene gedachter Roman, ein faszinierender Horroroman und ein Schlüsselwerk über Hollywood, Starruhm und Spukhäuser.
Für die Spiele Clive Barker's Undying und Clive Barker's Jericho steuerte er u.a. Handlungselemente und Zeichnungen bei.
Fazit: absolut lesenswertes, kleines Meisterwerk