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Chuck Palahniuk: Die Kolonie

cover kolonieChuck Palahniuk: Die Kolonie

Manhatten HC (Random House) 978-3-442-54609-1; 472 Seiten

Für 13 Möchtegern Schriftsteller wird die Einladung zur Klausur, um ihr Meisterwerk zu schreiben, zu einem Alptraum, den sie in keinster Weise voraussehen konnten und der ihren wahren Charakter zum Vorschein kommen lässt.

Schön langsam scheint man bei Random House einen der originellsten Autoren endlich auch auf Deutsch zu einem bekannteren Namen gemacht zu haben. Palahniuk ist der Autor von Fight Club, der mit Brad Pitt und Edward Norton so wunderbar gestört verfilmt wurde. Kein einziges der Bücher von Palahniuk entspricht dem, was man als normales Leseerlebnis bezeichnen könnte. Jedes ist auf seine Art ein vollkommen bizarrer Trip in eine sehr merkwürdige Welt.

Die Kolonie setzt dem Ganzen noch die Krone auf, indem wir 13 verschiedene Perspektiven auf die Welt, das Leben und den Zustand der Protagonisten geliefert bekommen. Was den Leuten passiert ist grotesk, was diese daraufhin aufführen ist grotesk und grausig und was die jeweilige Geschichte der Betroffenen angeht, so sind diese teilweise grotesk bis zum kotzen.

Palahniuk liefert seinem Leser ein recht verstörendes Weltbild, dessen mildere Auswirkungen Paranoia und Ekel vor den Mitmenschen sein können. Der Autor serviert die Widerlichkeit der Menschen mit brutaler Ironi und Komik, die eigentlich nicht lustig ist, obwohl sie erheitert. Klingt bescheuert, ich weiss. Aber irgendwie fällt mir einfach keine bessere Art ein, Chuck Palahniku und seine Bücher zu beschreiben. Ganz egal, welches Buch man von ihm in die Finger bekommt, es ist stets etwas anderes, als man denkt. Kannibalismus, Nekrophilie, Drogenwahnsinn, religiöser Wahnsinn, Alltagswahnsinn, tödliche Wiegenlieder, sexuelle Perversionen der interessanten Art, das Universum von Chuck Palahniuk ist wirklich sehr, sehr bizarr. Nicht ungefährlich, auf seine vertrackte Art, aber allemal eine Forschungsreise wert.

In der ersten Schilderung eines Protagonisten, den wir nur als Sankt Prolaps kennen werden, werden knapp sieben Seiten lang Vorschläge zum onanieren geliefert, mit allen dazu gehörenden Peinlichkeiten, die vielen von uns selbst passiert sind, von denen dann eine Idee in ein derartig katastrophales Missgeschick ausufert, dass dem Leser so richtig schlecht dabei werden kann.

Chuck Palahniuk macht mörderisch viel Spass, wenn man bereit ist, sich auf richtig merkwürdige Literatur einzulassen. Eine dringende Empfehlung an alle Leser, die gerne mal ein literarisches "wow" Erlebnis erfahren möchten.

Fazit: Palahniuk ist Pflichtlektüre