Chuck Palahniuk: Das Kainsmal
(OT: Rant; 2007) Manhatten Pb 2007; 978-3-442-54632-9; ca. 350 Seiten
Chuck Palahniuk: Wer ihn kennt, weiss, was zu erwarten ist. Für Einsteiger die einen Abriss über den Autor und sein Werk suchen empfiehlt sich als Überblick eine sehr gute Seite der englischen Wikipedia über ihn. Die Biographie weist Elemente einer Horrorgeschichte auf, die aus seiner Feder stammen könnte, so 1999 die Ermordung seines Vaters und dessen Freundin durch den Exfreund der Frau. Ebenfalls einen hochinteressanten Einblick in das Phänomen Palahniuk gewinnt man über die offizielle Website. Sie ist eine der meistbesuchten Seiten eines Schriftstellers überhaupt.
Das Kainsmal (Rant) ist erneut ein Roman voller Überraschungen, was Wendungen und Drehnungen in der Handlung betrifft. Hauptfigur ist Buster "Rant" Casey, von Kindheit an ein Aussenseiter, der seinen Kick im Suchen von giftigen Tieren findet, ehe er auf Crash-Parties umsteigt. Deren Kick ist das verursachen von Autounfällen, die bestimmten Regeln folgen müssen. Erzählt wird die Geschichte aus zahlreichen unterschiedlichen Perspektiven, die sich nacheinander zu einem sehr bizarren, unerwarteten Bild zusammenfügen.
Den Dreh, seinen Leser mit einer Wendung der Geschichte total zu verblüffen, schafft Palahniuk in diesem Buch zumindest zweimal. Ebenso genial ist seine extrem bildhafte Schilderung von ganz alltäglichen Banalitäten, die durch seine Worte zu einem grotesk komischen, teilweise sehr ekelhaftem Bild geraten, das sich vor dem inneren Auge des Lesers aufbaut.
Wunderbar!
Rant, so der Originaltitel des Romans, ist der erste einer Trilogie, steht aber für sich alleine und kann ganz bequem als Einzelwerk gelesen werden. Laut Palahniuk waren auch Lullaby (Lullaby), Das letzte Protokoll (Diary) und Die Kolonie (Haunted) eine Trilogie, ohne einen inhaltlichen Zusammenhang zu bilden.
Rant ist ein sehr unterhaltsames Buch und die Erzählform ein faszinierendes Leseerlebnis. Für Fans von Palahniuk sowieso Pflichtlektüre, für Einsteiger eine ungewöhnliche Begegnung mit einem faszinierenden Autor.
Im übrigen muss an dieser Stelle dem deutschen Verlag von Palahniuk, Goldmann (Manhatten) ein Lob ausgesprochen werden: Die Covergestaltung der Palahniuk Romane ist hervorragend gelungen. Nach einigem Hin und Her, erst Taschenbücher, dann Hardcover, ist auch mit der Klappbroschur das angemessene Format gefunden. Gratuliere.
Das amerikanische Hardcover von Rant ist ebenfalls hervorragend gelungen, wie gut gelungen es ist sieht man erst, wenn man das Buch in Händen hält.
Fazit: Das Kainsmal gehört ins Bücherregal. Punkt.