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Chelsea Cain: Grazie

caover cain grazieChelsea Cain: Grazie

(OT: Sweetheart, 2008) Limes 2008 HC 978-3-8090-2534-4 ca. 378 Seiten Übersetzung: Fred Kinzel

Die Furie ist zurück und ihr williges Opfer, Detecktive Archie Sheridan ebenfalls, kaputt wie eh und je, lebensüberdrüssig und süchtig nach der geilsten und schönsten Serienkillerin der Literaturgeschichte.

Auch einige der Protagonisten aus dem ersten Buch kommen wieder zum Vorschein und so findet sich der Leser in einer angenehm vertrauten Umgebung voller Personen wieder, die er liebgewonnen hat. Der Hauptstrang der Handlung ist diesmal eine Mordserie, deren Spuren in eine für die Ermittler unangenehme Richtung deuten und die scheinbar auch noch mit Gretchen Lowell zusammenhängen, der es gelingt, aus dem Gefängnis zu entkommen und so Sorge zu tragen, das Archie immer mehr verfällt.

Es ist eine recht beliebte Spielart bei Thrillern, den Helden als kaputten Typen zu schildern, der sich nur aufgrund seiner Sturheit und des wohlschmeckenden Alkohols noch nicht umgebracht hat.

Chelsea Cain setzt dem Ganzen noch eines oben drauf, indem ihr kaputter Detektiv der mörderischen Furie mit allen Sinnen verfallen ist und nicht mehr von ihr loskommt. Archie Sheridan ist ein Gretchen Lowell Junkie, was man ihm auf perverse Art nichtmal verdenken kann.
Das blöde an der ganzen Sache ist nur, dieser Roman ist sowas von definitiv ein zweiter Teil, das es beinahe schmerzt. Es ist sonnenklar, Chelsea Cain hat hier den Grundstein für einen dritten Teil gelegt, der, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, so richtig scheusslich und krank sein wird.

Aber das ist auch das Problem: Der zweite Roman ist deutlich schwächer als Furie, weil er zum einen zu wenig an Gretchen Lowell bietet, zum anderen zu sehr auf ein horrendes drittes Buch vorbereitet.

Sicherlich, Grazie bietet genügend an blutigen Scheusslichkeiten und gehirnkranken Spielereien, aber der Spannungsbogen des ersten Romans wird nicht erreicht.

Hier greift zur Rettung (puh!) die kranke Ader der Serie: Als Leser will man trotzdem unbedingt wissen, wie die Sache mit Archie und seiner phantastischen Nemesis weitergehen wird. Grazie wäre ein sehr befriedigender Thriller, wenn Furie nicht die Erwartungen so sehr in die Höhe geschraubt hätte.

Fazit: Eine Fortsetzung mit Schwächen, aber allemal eine Sünde wert