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Brian Keene: Der lange Weg nach Hause

cover keene wegBrian Keene: Der lange Weg nach Hause

(OT: Take the long way home; 2006) Otherworld TB 03/2008; ca. 146 Seiten; ISBN 978-3-902607-01-0 Übersetzung: Michael Krug Ausstattung: Vorwort von John Skipp, Nachwort von Brian Keene

Zu allererst einmal: Das Vorwort von John Skipp ist super! Schade, das dieser altgediente Splatterschreiber bei uns nicht mehr veröffentlicht wird. Schade auch, das sich aussen am Taschenbuch nirgends ein Hinweis auf ihn findet, Skipp hat dieselbe Zielgruppe wie Brian Keene.

Gut, jetzt zum eigentlichen Buch. Eine Novelle, schnell durchgelesen und trotz ihres bescheidenen Umfangs voll ausgestattet. Alles da. Vergnüglich und trotz der Abwesenheit der Keene'schen Monster ein typischer Keene in seiner schnörkellos zügigen Sprache, direkten Schilderung von Brutalitäten und dem immer leichten, meist ironischen Unterton, der da mitschwingt, wenn man genau hinhört.

Ein gewaltiger Ton, ein Unfall, Leute verschwinden und schon ist die Apokalypse angebrochen und das Chaos nimmt seinen Lauf. Die Hauptfigur ist gerade auf dem Weg nach Hause, als das Inferno ausbricht und muss seine Heimreise zu Fuss antreten. Dabei erlebt er was passiert, wenn die Regeln der Zivilisation verschwinden... So simpel klingt die kurze Geschichte und doch ist da alles drinnen, was ein klassischer, guter Apokalypsenthriller braucht.

Nimmt man das Urgetüm dieses Genres zum Vorbild, The Stand von Stephen King, dann behauptet sich das Bändchen von Keene tapfer gegen den Meilenstein. Wo King in die Weite geschweift ist und seinem Leser ein gewaltiges Panorama des Chaos geboten hat, konzentriert sich Keene ganz auf einen winzigen Ausschnitt, auf ein Umfeld, das man mit eigenen Augen erfassen kann.

Ich weiss, ich vergleiche Keene immer wieder mit King, aber das macht Sinn: King ist ein Autor, der für ein Publikum schrieb, das in den 80er Jahren gross wurde. Er wusste die ganzen 80er Jahre bis ungefähr in die frühen 90er Jahre hinein ganz genau, wie er begeistern konnte. Dann verlor er den Faden oder er wollte einfach nicht mehr.

Keene weiss ebenfalls für wen er schreibt und wie er schreibt. Er schreibt für sich selbst und für alle Leser seiner Generation. Er schreibt, was ihm selbst gefallen hat, er schreibt womit er aufgewachsen ist.

Er hat Stephen-King-Country übernommen und richtet es neu ein. Herrlich.

Fazit: Kurz, grob, unterhaltsam, eine Empfehlung.