Der folgende Text ist etwas, das für ein Online-Magazin (welches, spielt keine Rolle) gedacht war und 02/2011 erscheinen sollte. Daraus wurde irgendwie nichts. Bevor das Ding Opfer der virtuellen Verwesung wird, darf es hier sein Dasein fristen:
Bizarres Scheitern
Der Autor dieses Beitrags gibt unumwunden zu, daran gescheitert zu sein. Aber, widerspricht der Leser, hier ist doch ein Text. Das stimmt schon, aber ursprünglich geplant war etwas ganz Anderes.
Die Idee war ein Artikel über Bizarro. Das ist eine eigenwillige, im deutschen Raum beinahe unbekannte Literaturform, in der verrückte Geschichten extrem & explizit erzählt werden. Genau deshalb interessant, dachte der Autor. Er wollte über Bücher berichten, in denen sich eine Salzgurke in einen Pfannkuchen verknallt. Über Bücher mit Titelen wie Apeshit, Brain Cheese Buffet, Shatnerquake. Bizarre Bücher eben.
Das und vieles mehr fand der Autor skurril und unterhaltsam. Aber der Text floss nicht. Also schwenkte er um: Ein geraffter Überblick über Science Fiction Literatur sollte es werden. Das war naheliegend, da Bizarro auch SF Elemente beinhaltet. Reisende mit ihrer Zeitmaschine bruchlanden im Garten Eden. Es gibt Kreaturen, Mutanten und Ass Goblins. Jetzt, mit Tron Legacy im Kino, war auch ein Aufhänger vorhanden. Aber das Schicksal sah die Sache anders.
Der Artikel geriet zum Manuskript eines arroganten, belehrenden Vortrags, langweiliges, kontraproduktives Geschwätz. Verdammt, dachte der Autor, ich hätte bei meiner ersten Idee bleiben sollen. Zurück zum Anfang, zu den Bizarro Büchern. Du bist davon begeistert. Lass die Leser deine Begeisterung spüren!
Gesagt, getan. Jetzt wollte er über Carlton Mellick III erzählen, den populärsten & bisher einzigen Bizarro Autor, der auch auf Deutsch erscheint. Ein Vorwand, um eine Lanze für den publizierenden Festa Verlag zu brechen. Auch ein Vorwand, um darauf zu verweisen, dass Bizarro Bücher streckenweise ziemlich grausig & pervers daherkommen, dahinter aber tiefschwarze Satire und bitterböse Bezüge zu Realität & Alltag verborgen sein können. Das liegt bei Büchern, in denen ein Geist in einer Vagina spukt, natürlich auf der Hand.
Selbstverständlich hatte der Autor Hintergedanken: Werbung für die eigene Website, auf der es unter anderem etliche Rezensionen von Bizarrotiteln gibt. Werbung für die eigenen Bücher, zwei Bände voll ... bizarrem und explizitem Horror. Auch das liegt auf der Hand.
Dann schlug die Realität in Form einer Schreibblockade zu. Bizarr. In Bizarrobüchern sind Gliedmaßen, Innereien und anderes nichts, das mit dem Körper in Verbindung stehen muss. Auch das Gehirn nicht. Der arme Autor hingegen hat nicht einmal genug Haare am Kopf, um sie in seiner Verzweiflung auszureißen.
Über viele Dinge wollte er berichten: Die Kannibalen von Candyland, über Razor Wire Pubic Hair, Crab Town und die Barbarian Bitches of the Badlands, über Spaghettiwestern mit rülpsenden Pistolen und Massen von merkwürdigen Fetischen.
Geworden ist daraus leider nichts. Aber der Autor ist guten Mutes, demnächst wieder in Form zu sein, um über ein interessantes Thema zu berichten. Solange er nicht von fliegenden Haien verspeist wird, besteht Hoffnung.