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Bio: Takeshi Kitano

takeshi kitano kikujiro

Es ist der 18. Jänner 1947. Sein Geburtstag. Seit zwei Jahren ist der Krieg zu Ende, doch die Welt hat sich auf alle Zeiten verändert. Das Gewehr, die Kanone, die Fliegerbomben wurden durch einen neuen Schrecken getoppt. Die Atombombe.

Den Vater wird er viele Jahre später in einem Interview als aussergewöhnlich schüchternen Mann beschreiben, als direkt ängstlich. In einem anderen Interview sagt er, das sein Vater ein Yakuza war, wenn auch ein so schlechter, das kaum jemand für ihn arbeiten wollte und er sich darum einen richtigen Job als Handwerker suchen musste. Angeblich hat sein Vater nur dreimal mit ihm gesprochen.

Die Mutter, aus einer Militärfamilie stammend, hält Ordnung im Chaos der Familie, die im Osten Tokios in einer Arbeitersiedlung beheimatet ist. Sie ist es auch, die dafür sorgt, das der Junge im Tokio der späten 60er Jahre ein wissenschaftliches Studium beginnt, das dieser aber ohne Abschluss abbricht um sich fortan mit einer Reihe verschiedenster Jobs durchs Leben zu schlagen.

Darunter findet sich auch die Arbeit als Kassier in einem Stripladen. An Orten wie diesen legt er den Grundstein für seine Karriere. Er lernt in den Kabaretts und Clubs das Handwerk als Stand-up Comedian.

1989 wird die japanische Welt von Takeshi Kitanos erster Regiearbeit Violent Cop wie von einem Hammer mitten ins Gesicht getroffen. Kitano, ursprünglich nur Hauptdarsteller, springt für den vorgesehenen Regisseur ein und schreibt gleich das Drehbuch um. Schon dieser Film legt seinen Stil fest:

Eine distanzierte, beinahe teilnahmslose Kamera die auch in Momenten grösster Gewalt nicht zur Seite schwenkt. Diese Art der Inszenierung wird eine Art von Markenzeichen. So gut wie nie erspart einem die Kamera die Brutalitäten und wenn sie wegschwenkt, dann wird das ungesehene dadurch noch stärker betont und erzeugt im Kopf der Zuseher Bilder, die noch grausamer sind als die sichtbaren Inszenierungen.

Zusätzlich verstärkt werden diese Eindrücke durch die emotionslose Darstellung der Gewalt. Es gibt keine Schnittorgien, Slow Motion Stuntorigien, keine Bombastmusik und keine strahlenden Helden.

Bei Kitano passiert die Gewalt einfach und beinahe immer steht die schweigsame Figur im Mittelpunkt, die der Regisseur selbst darstellt. Stoisch, gebrochen, abgeklärt, mit einer Scheiss-drauf Einstellung zum Tod. Gewalt, Ehre, Treue, Einsamkeit, Yakuzas. Das werden die dominierenden Themen in seinen Filmen.

Fortan ist Kitano nicht mehr zu bremsen. Eine Zeit lang ist er im japanischen Fernsehen in neun Shows pro Woche zu sehen. Das Publikum liebt ihn für seine Sketche, seinen vor allem für Japaner zugänglichen Humor. Takeshi's Castle ist auch in den Sportsendern im deutschen Fernsehen zu bewundern und zu belachen, auch wenn sich die Europäer anfangs ein wenig schwerer tun mit dieser derben Art von Humor.

Zwischendurch dreht er mit Regelmässigkeit seine meisterhaften und vielschichten Gangsterfilme. Werke, die bei den Zusehern in Japan weniger Anklang finden als seine Spässe.

Zu erschreckend ist diese Seite dem Publikum, das ihn als komischen Mann kennt, der sie und sich veralbert und alle unterhält. Zu düster und zu brutal sind die Dinge, zu schonungslos ist die vorgeführte Tristesse dieser Geschichten, die Takeshi Kitano ihnen zumutet. Hier kann man nicht lachen. Das ist nicht gut. Wo ist der Mann, der die absurdesten Witze und Action in die japanischen Wohnzimmer bringt? Nicht im Kino, das steht fest.

Aber Kitano geniesst einen eigenen Status. Seine zunehmenden privaten Ekzesse, seine Schläger, die er auf unliebsame Kritiker hetzt, die Affären und Skandale und nicht zuletzt der merkwürdige Unfall mit dem Motorroller, der ihn für sein restliches Leben mit einem Nervenschaden im Gesicht zurücklässt. All das wird von den Japanern akzeptiert, ohne das seine immense Popularität darunter leidet. Er ist einfach Takeshi. Nach dem fatalen Unfall fängt sich Kitano wieder, wird wieder ruhiger und findet seinen Weg.

Über seine Scherze hinaus versteht sich der Regisseur auch ausgezeichnet auf Malerei. Seine Bilder sind in den Filmen Hana-Bi und in Kikujiros Sommer zu bewundern. Er schreibt Novellen, Kurzgeschichten, Poesie. Im Westen wird man spät auf Kitano aufmerksam. Entdeckt wird er im Zuge der Popularisierung des Eastern, die dem aus Hongkong in die USA übersiedelten Meister der Stilisierung John Woo zu verdanken ist.

Erst mit Hana-Bi, der trotz einiger für Kitano typischer Gewaltausbrüche berührenden und sensiblen Geschichte eines Ehepaares in auswegloser Situation erlangt Takeshi Kitano 1997 auch ausserhalb der Cineastenkreise im Westen grössere Bekanntheit. Zuerst nur auf Video, in den Asienreihen englischer Labels. Dann in den kleinen alternativen Nischenkinos, die ein Programm suchen, das ihnen das Durchhalten den Multiplexcentern gegenüber ermöglicht. Kitanos frühere Filme werden neu entdeckt und aufgrund ihrer Eigenwilligkeit und ihrer formalen Strenge, dem nüchternen Stil und dem in ihnen verborgenen bitteren Humor zu Meisterwerken erklärt, ähnlich wie es John Woo passiert ist, der plötzlich zum Vorbild für zahllose meist peinliche Nachäffer wurde.

Mit Kikujiros Sommer dreht Kitano 1999 eine für seine Verhältnisse geradezu ausgelassene Komödie - was man allerdings relativ sehen sollte, denn auch dieser Film ist durchtränkt von melancholisch depressiver Grundstimmung und verweigert wie sonst auch üblich bei Kitano ein wirkliches Happy End. (Kikujiro war der Name seines Vaters) Wie zum Ausgleich setzt er 2000 mit Brother (dafür dreht er erstmals ausserhalb Japans in den USA), eines seiner harten Gangsterepen nach. Die Geschichte eines Yakuzas, der ins Exil geschickt wird, aber eben nichts anderes als Yakuza gelernt hat und dieser Tätigkeit auch in den Staaten nachgeht – mit bitterster Konsequenz.

Kitano inszeniert auch Filme, in denen er nicht selbst spielt und er spielt auch in Filmen, die er nicht selbst inszeniert, so 1983 in Furyo: Merry Christmas, Mr. Lawrence neben David Bowie oder in Johnny Mnemonic 1994 neben Keanu Reeves und 1995 im japanischen Gangsterdrama Gonin und anderen Filmen wie dem Aufreger Battle Royale. Er spielt 1999 die Hauptrolle in Nagisa Oshima's Gohatto. Daneben ist er in der Miniserie Hyaku-nen no monogatari (2000) zu sehen, spielt 2003 in der Miniserie Musashi mit und lässt sich 2003 auch einen weiteren Auftritt als Kitano im Nachfolgefilm Battle Royale II nicht nehmen. Dadurch wird selbst diese eigentliche Nebenfigur verständlicher, wenn auch nicht unbedingt sympathischer?

Als Regisseur dreht er 2002 den Film Dolls, einen recht eigenwilligen Episodenfilm über Liebe, etwas, das nur auf den ersten Blick nicht in sein sonstiges Werk passt. Wie zum Ausgleich folgt 2003 Zatoichi, ein Samuraiepos, in dem er sich selbst (mit blondem Haar!!) gewohnt blutig in Szene setzt und auf interessante und vor allem unterhaltsame Art und Weise Stilbrüche in seine Arbeit einbringt. Der Film, den Kitano selbst als reinen Abenteuerstreifen benennt, wird ein Bombenerfolg. 2004 bringt Kitano als Schauspieler unter Fremdregie wieder zurück, er spielt für den vielleicht sogar noch extremeren Regisseur Takashi Miike in Izo.

Sich selbst als bekannten Schauspieler Beat Takeshi, der einem Double namens Kitano, einem erfolglosen Schauspieler, begegnet, inszeniert er 2005 in der surrealen Groteske Takeshi's. Nach einem Beitrag für den 2007 entstandenen Episodenfilm Chacun son Cinema inszeniert er sich in der Komödie Kantoku Banzai! 2007 als Regisseur in Schwierigkeiten, um Ende 2008 die Komödie Akiresu to kame folgen zu lassen. Derzeit dreht er ein noch unbetiteltes Drama, dessen Starttermin 2010 vorgesehen ist.

 

takeshi kitano brothers

Als Regisseur:

 

Sono otoko, kyobo ni tsuki / Violent Cop; 1989

3-4x jugatsu / Boiling Point; 1990

Ano natsu, ichiban shizukana umi / A scene at the sea; 1991

Sonatine / Sonatine 1993

Minna-yatteruka / Getting any!; 1995

Kidzu ritan / Kids return; 1996

Hana-bi / Fireworks; 1997

Kikujiro no natus / Kikujiros letzter Sommer ; 1999

Brother / Brother; 2000

Dolls / Dolls; 2002

Zatoichi / Zatoichi; 2003

Takeshis' / Takeshis'; 2005

Chacun son cinéma (Segment: One fine Day); 2007

Kantoku Banzai!; 2007

Akiresu to kame; 2008

Untiteled Takeshi Kitano Projet; 2010

 

Als Drehbuchautor u. Schriftsteller:

 

Sono otoko, kyobo ni tsuki / Violent Cop; 1989

3-4x jugatsu / Boiling Point;1990

Ano natsu, ichiban shizukana umi / A scene at the sea; 1991

Sonatine / Sonatine 1993

Kyoso tanjo / Many happy returns; 1993 - Roman, verfilmt von Toshihiro Tenma

Minna-yatteruka / Getting any!; 1995

Kidzu ritan / Kids return; 1996

Hana-bi / Fireworks; 1997

Kikujiro no natus / Kikujiros letzter Sommer ; 1999

Brother / Brother; 2000

Dolls / Dolls; 2002

Zatoichi / Zatoichi; 2003

Takeshis' / Takeshis'; 2005

Katoku Banzai!; 2007

Akiresu to kame; 2008

 

Als Schauspieler:

 

Makoto-chan; 1980

Sukkari... sono ki de!; 1981 als Beat Takeshi

Manon; 1981 ... Shinobu

Danpu wataridori; 1981

Merry Christmas, Mr. Lawrence; 1983 als Takeshi ... Sgt. Gengo Hara

Jukkai no mosquito; 1983 als Beat Takeshi

Kanashii kibun de joke; 1985 als Beat Takeshi ... Hiroshi Igarashi

Yasha; 1985 als Beat Takeshi ... Yajima

Komikku zasshi nanka iranai!; 1986 als Beat Takeshi

Anego; 1988 als Beat Takeshi

Sono otoko, kyobo ni tsuki / Violent Cop; 1989 als Beat Takeshi ... Azuma

3-4x jugatsu / Boiling Point; 1990 als Beat Takeshi ... Uehara

Sakana kara daiokishin!; 1992 als Beat Takeshi ... Azuma

Erotikkuna kankei / Erotic Liaisons; 1992

Sonatine / Sonatine; 1993 ... Aniki Murakawa

Kyôso tanjô / Many happy returns; 1993 ... Daisuke Shiba

Minnâ-yatteruka! / Getting any?; 1995

Johnny Mnemonic / Johnny Mnemonic; 1995 als Takeshi ... Takahashi

Gonin; 1995 als Beat Takeshi ... Kyoya

Hana-bi / Hana-bi; 1997 als Beat Takeshi ... Yoshitaka Nishi

Tokyo Eyes / Tokyo Eyes; 1998

Kikujiro no natsu / Kikujiros letzter Sommer; 1999 als Beat Takeshi ... Kikujiro

Gohatto / Taboo; 1999 als Beat Takeshi ... Captain Toshizo Hijikata

Brother; 2000 als Beat Takeshi ... Aniki Yamamoto

Hyaku-nen no monogatari; 2000 TV Serie

Batoru rowaiaru / Battle Royale; 2000 als Beat Takeshi ... Kitano

Takeshi's Castle; 2002 TV Serie (Archivmaterial) ... Count Takeshi

Musashi; 2003 TV Serie ... Shinmen Munisai

Battle Royale II; 2003 als Beat Takeshi ... Kitano

Zatôichi; 2003 als Beat Takeshi ... Zatoichi

Izô: Kaosu mataha fujôri no kijin; 2004 als Beat Takeshi

Chi to Honne / Blood and Bones; 2004 ... Joon-pyong Kim

Takeshis' / Takeshis'; 2005 als Beat Takeshi ... Beat Takeshi/Mr. Kitano

Chacun son Cinema; 2007

Kantoku Banzai!; 2007 als Beat Takeshi ... Takeshi Kitano

Dots and Lies; 2007 TV Mini-Serie als Beat Takeshi ... Torikai

Ten to sen; 2007 TV Mini-Serie ... Torikai

Girara no gyakushu: Toya-ko Samitto kikiippatsu; 2008 als Beat Takeshi (voice)

Akiresu to kame; 2008 ... Machisu Kuramochi

Ano senso wa nandattano ka - Nichibei kaisen to Tojo Hideki; 2008 (TV) ... Kideki Tojo

Kochira Katsushika-ku Kameari koen mae hashutsujo; 2009 (TV, 1 Epiosode)

Untitled Takeshi Kitano Project; 2010