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Artikel: Versponnene Gehirnblähungen

Ein bunter Reigen

Dieser versponnene kleine Beitrag ist eine Art Nachwehe zu seinem Vorgänger, dem Bericht über den Max Steiner Life Achievement Award. In seiner grundlegenden Form wartet dieser Artikel seit ein paar Tagen darauf, das Licht des Elektroversums, sprich Internet, zu erblicken. Ich habe mich bei der Erstellung gut unterhalten, jetzt darf er in die Welt hinaus.

Seilschaftenstrudel

Die Auswahl der bei der Verleihung aufgeführten Stücke hat mich ins Grübeln gebracht. Warum kamen ausgerechnet diese Kompositionen zum Zug? Warum blieb so viele grandiose Musik unberührt, während zwei Komponisten dafür doppelt vertreten waren?

Zugegeben, im Endeffekt sind das keine wirklich wichtigen Fragen und für einen Abend, der mich gerade mal halbwegs gut unterhalten hat, finde ich diese Gedanken überzogen. Aber sie haben sich eingeschlichen und ich habe mich damit beschäftigt. Zugegeben, nicht allzu verbissen, dazu fehlte es mir in diesem Fall an Zeit und Geduld sowie echtem Interesse. Aber ein klein wenig Neugierde war vorhanden.

Ich habe versucht, mich kurz zu halten und eher stichwortartig vorzugehen, da der Überblick sonst vollkommen verloren geht.

Gute Unterhaltung!

Who is who

Ob tot, lebendig, anwesend oder abwesend, folgende Komponisten und Filmschaffende haben an diesem Abend eine Rolle gespielt:

Maurice Jarre, Komponist

David Arnold, Komponist

Bruce Broughton, Komponist

John Williams, Komponist

Harald Kloser, Komponist

Barbara Broccoli, Produzentin

Kate Barry, Tochter von John Barry

John Barry, Komponist

Nicholas Dodd, Komponist und Conductor

Robert Dornhelm, Regisseur

Nicholas Dodd orchestriert und spielt die Soundtracks von David Arnold ein. David Arnold ist der Nachfolger von John Barry in Sachen Bondmusik. Von Barry empfohlen, von Bond-Produzentin Barbara Broccoli, Tochter des legendären Bond-Produzenten Albert "Cubby" Broccoli, unter Vertrag genommen.

Nicholas Dodd war bei Kull the Conqueror für die Musik als Arrangeur zuständig. Produzentin des Films war Raffaella De Laurentiis, Tochter des legendären Dino De Laurentiis. Komponist der Musik war Joel Goldsmith, Sohn von Jerry Goldsmith.

Joel Goldsmith schreibt unter anderem die Musik für diverse Stargate TV-Serien, deren Thema auf dem Leitmotiv des Bond-Komponisten David Arnold beruht, welches dieser für den Kinofilm von Roland Emmerich geschrieben hat.

Ach ja und dann ist da auch noch Moon 44, Roland Emmerichs erster größerer Film. Komponist der Musik: Joel Goldsmith.

Im übrigen wurde der Roland Emmerich Film The Patriot von John Williams mit Musik unterlegt.

David Arnold hat für Roland Emmerich komponiert. Zum Beispiel den Soundtrack für Independence Day, Gozilla oder den zuvor erwähnten Kinofilm (nicht die Serie!) Stargate. Nach Gozilla hat Arnold aufgehört, für Emmerich zu komponieren. Es gibt da ein hübsches Zusammenspiel mit Filmen, die von Scott Rudin produziert wurden und Filmen, die von John Singleton inszeniert wurden, aber das ist in diesem Fall ohne Belang.

Harald Kloser ist ebenfalls durch die Emmerich Schule gegangen. Er hat für diesen die Produktion The Thirteenth Floor vertont und den Soundtrack für die Emmerich Filme The Day After Tomorrow, 10.000 BC und 2012 geschrieben. Inzwischen ist Kloser auch Co-Autor und Co-Produzent bei Emmerich.

The Thirteenth Floor wurde von Josef Rusnak inszeniert, ebenso wie Quiet Days in Hollywood, ein Film, der ebenfalls von Kloser musikalisch unterlegt wurde.

Zu Klosers früheren Werken zählt die Musik für Requiem für Dominik sowie Der Unfisch, beides Filme von Robert Dornhelm, die auf Büchern von Michael Köhlmeier basieren. Ebenso die Dornhelm Filme A Further Gesture und The Venice Project.

Verwirrend? Lauter Namen und Zusammenhänge und die Fragen was, wer, wie, wann? Ach, macht nichts. Das war noch der einfachere Teil. Richtig komplex wird es erst jetzt. Tief durchatmen und los:

Wenn jeder mit jedem

Maurice Jarre war der Vater von Jean Michel Jarre, dem berühmten Elektronikmusiker. Aber das steht hier in keinem Zusammenhang, sondern ist nur eine nette Anekdote.* Aber: Maurice Jarre war auch der Vater des Produzenten und Drehbuchautors Kevin Jarre. Dieser Kevin Jarre hat 1993 das Drehbuch für den Western Tombstone geschrieben. Die Filmmusik dafür stammt von Bruce Broughton.

Werden wir noch ein wenig bizarrer: Kevin Jarre hat die Story geschrieben, basierend auf den Figuren des verfilmten Romans von David Morrell, daraus wurde ein Drehbuch von James Cameron und Sylvester Stallone: Rambo 2.

Der Regisseur von Rambo 2 war George P. Cosmatos. Dieser hat 1997 den Film Shadow Conspiracy gedreht, für den Bruce Broughton die Musik schrieb.

Zwei Filme, an denen Kevin Jarre beteiligt war, wurden von Jerry Goldsmith mit Musik versehen: Story und Exec. Produzent bei Die Mumie und die Story von Rambo 2.

Regisseur George P. Cosmatos hat drei Filme inszeniert, bei denen Jerry Goldsmith die Musik schrieb: Eben Rambo 2, The Cassandra Crossing (1976) sowie Leviathan (1989).

Ich finde das interessant, vor allem, da Maurice Jarre bei der Gala mit zwei Stücken vertreten war, Jerry Goldsmith hingegen gar nicht. Das ergibt zwar angesichts der Verbindungen überhaupt keinen Sinn, aber es kommt noch ein wenig verwickelter:

Kevin Jarre schrieb am Drehbuch des Harrison Ford & Brad Pitt Vehikels The Devil‘s Own. Harrison Ford, Superstar, ist der Lieblingsschauspieler von George Lucas. (Siehe Star Wars, siehe Indiana Jones). Der Lieblingskomponist von George Lucas: John Williams.

Ein Produzent von Devil‘s Own ist Lawrence Gordon, auch Produzent von Leviathan des Regisseurs George P. Cosmatos. Gordon war auch Produzent des Walter Hill Films Driver, weibliche Hauptrolle: Isabelle Adjani, ehemals liiert mit Jean-Michel Jarre.

Zickzack: George P. Cosmatos ist italienischer Herkunft. Sein von Jerry Goldsmith mit Musik versehener Film Leviathan wurde von Aurelio De Laurentiis produziert, einem Neffen des berühmten Produzenten Dino De Laurentiis, Vater der eingangs erwähnten Produzentin Raffaella De Laurentiis, für die der ebenfalls eingangs erwähnte Joel Goldsmith, Sohn von Jerry Goldsmith, Musik komponiert hat.

Dino de Laurentiis ist Italiener. Ennio Morricone, italienischer Komponist von Weltrang, hat für Dino De Laurentiis Musik geschrieben, aber weder für Albert Broccoli noch Barbara Broccoli. Dino De Laurentiis produzierte 1976 einen King Kong Film, dessen Musik von John Barry stammt. Und er produzierte The White Buffalo, ebenfalls mit John Barry als Komponist.

Nächster Zickzack: Der alte All-Star Actionfilm The Cassandra Crossing weist als einen der Produzenten Carlo Ponti auf. Carlo Ponti war Filmproduzent italienischer Herkunft und hatte unter anderem für Filmmusik auch das eine oder andere Mal Ennio Morricone unter Vertrag.

Ennio Morricone wurde an diesem Abend nicht gespielt.

Nicht alle für jeden und keiner für alle

Weiter im Durcheinander an Verbindungen: Carlo Ponti hatte 1965 die Produktion von Doktor Schiwago über. Sein Regisseur: David Lean. Der Komponist der Musik: Maurice Jarre.

1956 produzierte Carlo Ponti den King Vidor Film Krieg und Frieden. Die Musik zu diesem Film stammte vom Italiener Nino Rota, der für den Italiener Fellini komponierte, aber wirklich international berühmt mit seiner Musik zu Der Pate wurde.

Der Pate stammt von Regisseur Francis Ford Coppola und entstand nach einem Roman des Italieners Mario Puzo.

Coppola kommt aus einer italienisch-amerikanischen Familie. Francis Ford Coppola und George Lucas sind befreundet und haben mehrfach zusammen gearbeitet. So produzierte Coppola den Film THX 1138, den George Lucas inszenierte. Lucas wurde schwerreich und weltberühmt mit Star Wars. Der Komponist dieser Filmserie ist John Williams. In Coppolas weltberühmten Apocalypse Now wird eine Nebenrolle von Harrison Ford gespielt. Francis Ford Coppola hat auch den Film Peggy Sue Got Married inszeniert. Der Score stammt von John Barry. Ebenso jener von Coppola‘s The Cotton Club.

Coppola war auch einer der Produzenten des Wim Wenders Film Hammett. Musik: John Barry.

Die George Lucas Produktion eines Steven Spielberg Films mit Harrison Ford in der Hauptrolle, nämlich Jäger des verlorenen Schatzes, (Musik von John Williams), wurde von Drehbuchautor Lawrence Kasdan geschrieben.

Im übrigen war George Lucas Produzent des Films Howard the Duck, dessen Musik von John Barry stammt.

Lawrence Kasdan war 1985 als Regisseur und Autor des Westerns Silverado tätig. Musik: Bruce Broughton. John Barry hat für einen Lawrence Kasdan Film, Body Heat, komponiert. Ein Nebendarsteller in Silverado war Ex-Monty Python John Cleese, der in zwei Bond Filmen als Q auftrat. Kasdan schrieb und inszenierte 1994 den Western Wyatt Earp. Hauptdarsteller und Produzent: Kevin Costner, dessen erfolgreichster Film Dances with Wolfes einen John Barry Soundtrack vorweisen kann. Am Kevin Costner Spektakel Waterworld war als Produzent im übrigen auch Lawrence Gordon beteiligt.

In dem 80er Jahre Film Frances, Musik von John Barry, taucht in einer winzigen Nebenrolle der Name Kevin Costner auf.

Die mit den Seitensträngen tanzen

Bruce Broughton hat übrigens die Musik für die Serie Dallas geschrieben.

David Arnold hat für die Sketchserie Little Britain Musik geschrieben und ist mit Regisseur (Judge Dredd, Ich weiß noch immer, was du...) und Produzenten Danny Cannon (C.S.I.) befreundet.

Hui, Paranoia, Verschwörung, Hollywood in italienischer Hand?

Was ist mit Martin Scorsese? Der kommt auch aus einer italienischstämmigen Familie und drehte so viele Filme, die mit Mafia zu tun haben. Goodfellas, Casino u.a. Meisterwerke.

Wo und wie paßt jetzt Scorsese in das Bild? Ganz einfach: 1999 hat Martin Scorsese den Film Bringing out the Dead gedreht. Sein Hauptdarsteller damals: Nicolas Cage. Und mit wem ist Nicolas Cage verwandt? Mit Francis Ford Coppola! Nicolas Cage trägt den Namen Nicolas Kim Coppola! Coppola ist Onkel von Cage, Cage hat in etlichen Filmen von Coppola gespielt.

Was hat das alles miteinander zu tun? Ich würde mal sagen: Nicht allzu viel! Es ist interessant und es ist amüsant. Die Familie von Dino De Laurentiis ist vor allem in Hollywood tätig. Die Familie Broccoli bewegt sich nicht wirklich aus England hinaus, verwaltet dafür die erfolgreichste Filmreihe der Welt.

An dieser Stelle sollte ich aufhören, weil man so viele Querverbindungen ziehen kann, das es vollkommen absurd wird. Film ist wie jede andere Branche. Man kennt sich, man arbeitet miteinander weil man weiß, was man am anderen hat. So einfach ist die Sache. Man mach Werbung für einander und kann Empfehlungen aussprechen. Organisatoren von irgendwelchen Preisen, die nicht mitten im Filmgeschäft beheimatet sind, sind für all diese Informationen und Verweise sicherlich dankbar und so kommt es dann zu einer Versammlung von Leuten, die mehr oder weniger oft miteinander zu tun haben.

Aber man kann hübsche Verbindungen ziehen und eine gepflegte Paranoia erwischen. Darum reicht es jetzt, da die Sache unendlich ausufern kann... und ich der Frage, warum die Auswahl der Gala so aussah, auf diese Art nicht beantworten konnte.

Ganz ehrlich gesagt, mehr Aufwand diesbezüglich lohnt sich nicht. Das hier hat Spaß gemacht und dabei soll es bleiben.

    * Obwohl: Jean-Michel Jarre ist verheiratet mit Anne Parillaud, der großartigen Marie aus der John Landis Vampirkomödie Innocent Blood und natürlich aus dem Luc Besson Kinofilm Nikita. Anne Parillaud war mit Luc Besson verheiratet. Jean-Michel Jarre war mit Isabelle Adjani liiert und er war auch mit der großen Charlotte Rampling verheiratet. Rampling drehte einen Film für Ponti und einen Film für Dino de Laurentiis. Und sie drehte mit Sean Connery. Luc Besson war mit Milla Jovovich liiert. Milla Jovovich ist die Hauptdarstellerin der Resident Evil Filmserie. Regisseur von Film 1 und 4: Paul W.S. Anderson, mit dem sie verheiratet ist. Anderson inszenierte 1997 den Film Event Horizon. Einer der Produzenten: Lawrence Gordon.

Und aus!