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Artikel: Max Steiner Life Achievement Award

Max Steiner Life Achievement Award

Vergeben am 10. Oktober 2009 im Wiener Konzerthaus

Anfang und Ende, Yin und Yang, Max Steiner: Die erste Verleihung des Max Steiner Life Achievement Awards begann ihre musikalische Reise mit Casablanca und endete zu den klassischen Tönen von Vom Winde verweht.

Zwei von rund dreihundert Filmen, die der 1888 in Wien geborene Max Steiner musikalisch betreut hatte, nachdem er vor den Nazis geflüchtet war. Zu weiteren Höhepunkten seines Schaffens zählen Arbeiten für Filme wie King Kong, Key Largo oder Der Schatz der Sierra Madre. Auch die erste Kennmelodie der Warner Bros. Studios stammt aus seiner Feder.

Der alte Mann und die Musik

John Barry, großer Komponist vielseitiger Musik, war wegen einer plötzlichen Erkrankung seiner Frau an diesem Abend leider abwesend. So wurde der Preis stellvertretend seiner Tochter Kate Barry überreicht. (Barrys Tochter mit Jane Birkin) Die eingespielte Videobotschaft des Preisträgers zeigte einen stark gealterten Mann Jahrgang 1933, dessen offensichtliche Fragilität erschreckend war.

 

Der Abend: Eingeleitet durch eine umständliche Moderation, die einen Satz erst in Deutsch, dann in Englisch, dann wieder den nächsten deutschen Satz darauffolgend wieder ... man kann sich ein Bild davon machen. Langatmig und langweilig, ziemlich sicher überflüssig, da man davon ausgehen konnte, dass das Publikum über genügend Englischkenntnisse verfügte.

Bemerkenswert das Radio-Symphonieorchester, im ersten Teil des Abends von John Axelrod dirigiert. Jedes vorgeführte Stück klang täuschend echt wie die Originalaufnahme. Die Veranstaltung war in zwei Teile gespalten, die nicht wirklich viel miteinander zu tun hatten.

Die erste Hälfte des Abends wurde nach der Eröffnung mit Max Steiner mit zwei Stücken von Maurice Jarre weitergeführt: Der berühmten Overtüre aus Lawrence von Arabien und Adeles Theme aus Eine Reise nach Indien. Beides Filme von David Lean, beides wunderbare Musik, aber merkwürdig in der Hinsicht, das zweimal der selbe Komponist gewählt wurde. Ebenso wie John Williams zweimal vertreten war, dessen Sieben Jahre in Tibet auf Jarre folgte.

Von einem Mangel an großen Kompositionen kann man wohl kaum sprechen, wenn man sich auch nur oberflächlich überlegt, wie viele große Namen ausgelassen wurden.

John Williams, ein großartiger Komponist eingängiger und einmaliger Titelstücke und Themes (Der weiße Hai, Jurassic Park, Indiana Jones, Star Wars, ect.), aber ein auffälliger Produzent höchst eintöniger und auswechselbarer Gesamtwerke, leitete über zu Silverado, einem Western der Mitte der 1985 von Bruce Broughton vertont wurde. Der Komponist, in Folge eines Symposiums in Wien, ließ es sich nicht nehmen, das Stück selbst zu dirigieren. Gefällige epische Musik für einen klassischen Western.

Aufstieg und Fall

Der Höhepunkt und zugleich der Tiefpunkt des ersten Teils dieses Abends war die Verleihung des Wiener Filmmusikpreises. Regisseur Robert Dornhelm hatte aus seiner monumentalen Neuverfilmung von Krieg und Frieden, einem zumindest 395min langen Fernsehepos, knapp vier Minuten zur Verfügung gestellt, die im Rahmen eines Wettbewerbs neu vertont werden sollten. Der Ausschnitt mit der Musik des Siegers wurde an diesem Abend vorgeführt.

Der Höhepunkt: Die Musik des Nachwuchskomponisten Roman Kariolou: Mitreißend und wuchtig, der Größe der literarischen Vorlage entsprechend. Den Bildern wurde eine Wucht und Stärke verliehen, die diese gar nicht hatten.

Der Tiefpunkt: Die gezeigten vier Minuten Film. Langweilig, steif und ungelenk inszeniert, holprig zusammengeschnitten. Unispirierte Standard-Kameraeinstellungen, viel zu hell ausgeleuchtet, kaum Kontraste, kaum Schatten, hohler farbloser Prunk. Durchschnittliche Fernsehware eben.

Keine Frage, es mag ungerecht sein, ein derartig gewaltiges Projekt anhand eines so winzigen Ausschnitts zu beurteilen. Aber dieser Zusammenschnitt an Szenen war alles andere als animierend und werbewirksam, das war desaströs.

Warum wohl wird oft so viel Arbeit und Mühe in Trailer gesteckt, die oftmals besser aussehen als der Film selbst? Was Dornhelm zeigte, war so interessant wie die Verfilmung des Musikantenstadls. Für Roman Kariolou war es eine Empfehlung. Seine Musik wurde begeistert honoriert und sein kurzer Auftritt war höchst sympathisch.

Die musikalische Reise, wenn man es so nennen will, fand ihre Fortsetzung im Titelstück aus Roland Emmerichs Katastrophenfilm The Day After Tomorrow. Eine Überraschung, das die Musik, die nach Computergenerierter Imitation eines Hans Zimmer Soundtracks klang, tatsächlich von einem Orchester gespielt werden konnte.

Ich hatte Komponisten Harald Kloser im Verdacht, aus eben dieser deutlich erkennbaren Ecke zu kommen wie Nick Glennie-Smith, Klaus Badelt, Marc Mancina, Steve Jablonsky und andere Komponisten, die alle gleich klingen (nämlich wie ein Tastendruck auf einer PC-Tastatur, die das Hans-Zimmer Programm auslöst). Kein Wunder, sind sie alle Zöglinge des ehemaligen Media Venture Studios. Dessen Co-Gründer, Überraschung: Hans Zimmer.

Die Fanfaren aus Star Wars schlossen diesen Teil des Abends ab. Throne Room and Finale wurde gegeben. Für jemanden wie mich, der in seiner Jugend dreimal hintereinander ins Kino gelaufen ist, um mit offenem Mund dem krachbunten Treiben von Star Wars zuzusehen, ein schönes Erlebnis.

Der mit John Barry tanzt

Der Tribute selbst wurde von Nicholas Dodd dirigiert, seines Zeichens Komponist sowie Arrangeur für zahllose Soundtracks, darunter seit 1997 die Bondfilme. Nicholas Dodd ging die Sache mit vollem Einsatz und überraschend viel Witz an. Er erzählte zwar überflüssigerweise die Geschichte der Filme, aber er forderte Applaus für John Barrys Notenblätter. Charmant.

Was vor allem zu Beginn schmerzlich fehlte, waren die Interpreten der jeweiligen Titellieder. Goldfinger ist großartig, aber mit der Stimme von Shirley Bassey unvergleichlich.

Etwas bizarr fand ich die Reihenfolge bei der Barry Musik: Eröffnet mit Goldfinger, gefolgt von Jenseits von Afrika und Der mit dem Wolf tanzt, um dann in die James Bond Suite überzugehen. Alles großartige Musik, erkennbar vom selben Komponisten, aber wiederum so verschieden, das sie nicht austauschbar oder verwechselbar ist. Und die Bond Suite einmal live zu hören ist tatsächlich ein einmaliges Erlebnis. Mitreißend, laut, schnell, witzig, elegant. Wirklich phantastisch.

Der große Wermutstropfen: Warum nur diese wenigen Stücke? The Lion in Winter, Cotton Club, Robin and Marian, Midnight Cowboy, Zulu. Viele große Filme, nicht alles Meisterwerke, aber immer unterhaltsam. Warum nicht die Titelmusik zu Die Zwei? Einprägsam, witzig, mit sehr hohem Wiedererkennungsfaktor. Um Barry gerecht zu werden, hätte die Auswahl breiter sein müssen. So war sie auf die populärsten Werke beschränkt. Große Musik, fraglos, aber eine verschenkte Chance für einen wirklich guten Tribute.

Geschüttelt, nicht gerührt

Im Rahmen der Verleihung des Preises wurde eine Videobotschaft von Kevin Costner abgespielt, die Preisübergabe selbst war relativ schnell und schmerzlos. Der Wiener Kulturstadtrat, zeigte sich überraschend sattelfest in Englisch. Kate Barry, die Produzentin der Bond Filme Barbara Broccoli, sowie der von Barry selbst empfohlene Nachfolger in Sachen Bondmusik David Arnold, gaben sich kurz die Ehre. Abgesehen von Arnold, der einen kurzen Witz über John Barry im Himmel erzählte, gab es von Seiten des Empfängerkomitees nichts zu sagen.

Mit der anfangs erwähnten Max Steiner Musik für Vom Winde verweht wurde der Abend beschlossen.

Zusammenfassung:

  • Musikalisch ausgezeichnet

  • Nicht wirklich spannend,

  • Ein paar über den Abend verteilte Höhepunkte

  • Eine nicht ganz nachvollziehbare Auswahl der Musik.

Fazit:

Ein im großen und ganzen nicht schlechter, aber eher durchwachsener Abend. Für mich kann ich sagen, mit der wirklich monumentalen Aufführung der Herr der Ringe Musik sowie dem Ennio Morricone Konzert, beides 2007, konnte dieser Abend nicht mithalten.